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Erika Steinbach : „Ich fand einfach, Willy Brandt sah besser aus“

  • -Aktualisiert am

Entschieden: Erika Steinbach ist mit der Flüchtlingspolitik nicht einverstanden. Bild: Helmut Fricke

Erika Steinbach hält die Flüchtlingspolitik für falsch und sieht ihre CDU auf dem Holzweg. Sie kritisiert die Bundeskanzlerin und lobt den ehemaligen SPD-Generalsekretär Peter Glotz, der ihr in Sachen Vertriebene nahestand.

          Frau Steinbach, ist die CDU auf dem falschen Kurs? Stichworte Flüchtlinge, Energiepolitik, Wehrpflicht?

          Ohne zu Guttenberg gäbe es die Wehrpflicht noch.

          Konnten Sie die Begeisterung für Guttenberg nachvollziehen?

          Er hat Menschen begeistert, weil er jung und dynamisch die Dinge in Angriff genommen hat. Das ist aber eine Schwärmerei, die mehr auf Gefühl als auf Sacharbeit beruht.

          Wie erklären Sie sich die Schwärmerei?

          Vielleicht traf er in der Bevölkerung den richtigen Ton. Ich kann nur sagen, in der Fraktion war er ein sympathischer Kollege, aber bloß deswegen kommt ja keine Euphorie auf.

          Spielte der Adel eine Rolle?

          Mag sein. Als in der Frankfurter CDU vor Jahren die Prinzessin von Hannover vor mir plaziert wurde, obwohl sie neu in der Politik war, und ich damit unzufrieden war, sagte mir der sonst so nüchterne Wolfram Brück: „Sie ist eben eine Prinzessin.“

          Zurück zur CDU: Gibt sie dem Zeitgeist zu sehr nach, zum Beispiel bei der Homo-Ehe?

          Mein Eindruck ist, dass wir zu oft dem allgemeinen Trend nicht widerstehen und unsere eigene Überzeugung nicht vorantragen. Diese Ansicht teilen viele engagierte CDU-Mitglieder. Viele glauben, man könne damit junge Leute binden, aber ich weiß aus meiner eigenen Erfahrung, dass es so nicht ist. Ich bin seinerzeit in die CDU eingetreten wegen der Krawalle hier auf den Straßen. In Alfred Dregger sah ich einen Mann, der sich was traute und dem ich zutraute, das zu ändern.

          Auch die Anziehungskraft der Grünen war zum Teil in deren Mut begründet. Mir gefiel ja fast nichts an ihnen, aber die Grünen trauten sich, Dinge zu sagen, die andere nicht sagten. So waren Alfred Dregger und Franz Josef Strauß mit ihren Themen. Beide hielten nicht immer erst den Finger in den Wind, sondern fochten für ihre Überzeugungen. Das mobilisiert gerade junge Menschen und hat auch mich angesprochen.

          Andererseits liegt die Union, so wie sie jetzt auftritt, bei 40 Prozent.

          Mancher Umfrage glaube ich einfach nicht, es tut mir leid. Auf den Stadtteiltreffen der CDU in Frankfurt erlebe ich etwas ganz anderes.

          Was erleben Sie da?

          Da geht es mit großer Empörung um das Thema Flüchtlinge, und zwar auch bei denen, die in der CDU eher links stehen. Ich traue auch den Umfragen nicht, in denen lange angeblich 60 Prozent sagten, sie fänden die Flüchtlingspolitik richtig, es sei denn, man macht diese Umfragen im richtigen Umfeld. Wobei auch die Umfragewerte inzwischen absinken.

          Sie finden das in Ihren Gesprächen nicht wieder?

          Überhaupt nicht.

          Bevor Alfred Dregger in Ihr politisches Leben trat, wählten Sie die SPD?

          Völlig unpolitisch. Ich fand einfach, Willy Brandt sah besser aus, kommt sympathischer „rüber“. Zu glauben, durch die Senkung des Wahlalters würde die Ratio gestärkt, ist ein Irrglaube.

          Was hat Sie bewogen, die Politik zu Ihrem Beruf zu machen?

          Das war absoluter Zufall. Es hatte auch damit zu tun, dass Frauen entgegen vielen Behauptungen nicht benachteiligt worden sind. Jedenfalls nicht in Frankfurt. Ich bin 1974 in die CDU eingetreten, im Frankfurter Nordend. Dann kam 1977 die Kommunalwahl.

          Die berühmte.

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