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Erholungsfaktor Baustelle : Kopenhagen im Nordend

Flaniermeile: Solange Autos auf der Eckenheimer Landstraße gar nicht oder allenfalls Schritttempo fahren dürfen, haben Fußgänger und Radfahrer freie Bahn. Bild: Lukas Kreibig

Wie würde Frankfurt ohne Autoverkehr aussehen? Auf der Eckenheimer Landstraße lässt sich davon ein Eindruck gewinnen. Man muss sich nur die Baustelle wegdenken.

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          In der Bäckerei Eifler beginnt der Tag mit Käsebrötchen. Von der Eckenheimer Landstraße kommen die Bauarbeiter herein, stellen sich mit ihren orangenen Warnwesten in die Schlange und lassen sich etwas einpacken. An einem Tisch haben zwei Ingenieure Platz genommen, trinken Kaffee und sprechen über die geplante Ampelanlage. Nebenan sitzt eine Anwohnerin aus der Zeißelstraße, auch sie kaut Käsebrötchen. Was sie von der Baustelle hält? „Kein Problem, in der Großstadt ist eben immer etwas los“, sagt die Dreiundfünfzigjährige. Und der Lärm? Ohne Baustelle sei es doch viel lauter. „Wegen der Autos - aber jetzt ist ab nachmittags herrliche Ruhe.“

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seit Ende März ist die Eckenheimer vom Anlagen- bis fast zum Alleenring gesperrt. Der Grund ist ein Bauvorhaben, dessen Dimension auch für Frankfurter Verhältnisse enorm ist. Die U-Bahn-Linie 5, die oberirdisch fährt und die Innenstadt mit Preungesheim verbindet, soll komplett barrierefrei werden. Dazu sollen auf dem gesperrten Abschnitt Hochbahnsteige gebaut werden. In dieser Woche wurde die Bahnsteigkante der Station Musterschule gesetzt - ein 75 Meter langes Ungetüm, bestehend aus je fünf Meter langen und rund sechs Tonnen schweren Kantensteinen. 19 Millionen Euro kostet das Bauprojekt, wegen dem auf der wichtigen Ausfallstraße bis Ende August weder Autos noch U-Bahnen fahren können.

          Die Baustelle macht das Leben schöner

          Aufgerissener Asphalt, Bagger, abgesperrte Zufahrtswege - ein Albtraum für mobile Großstadtmenschen. Sollte man denken. Und auch unter den Anwohnern der Eckenheimer gab es die schlimmsten Befürchtungen. Bewahrheitet haben sie sich allerdings nicht: Teils mit Erstaunen nehmen sie zur Kenntnis, dass sich ihre Lebensqualität spürbar verbessert hat. Die Baustelle produziert Lärm, aber längst nicht so konstant wie der Autoverkehr. Die Schaufellader sind riesig, aber sie fahren nicht schneller, als ein Fußgänger laufen kann. Und gegen 16, 17 Uhr kommt der Baustellenbetrieb ganz zum Erliegen, dann gehört die Eckenheimer ihren Anwohnern.

          Paare holen sich eine Waffel bei „Eis-Christina“, flanieren engumschlungen über die Straße, Kinder entdecken, dass sich auf dem ebenen Asphalt viel besser Inliner und Skateboard fahren lässt als auf dem holprigen Bürgersteig, und auf der Terrasse vor der Pizzeria lässt sich wunderbar plaudern, weil niemand den Verkehrslärm übertönen muss.

          „Es ist alles wie entschleunigt“, sagt Esther Keller. Die Zweiundzwanzigjährige steht im Hinterzimmer der „Blumenbar“ und flicht Sträußchen aus winzigen Nelken. „Haarblumen“, sagt sie. Für eine Braut und ihre Brautjungfern. Seit es die Baustelle gibt, seien die Kunden entspannter. Dass weniger kämen, weil sie sich mit dem Auto durch Nebenstraßen bis an die Eckenheimer heranschlängeln müssen, hat sie nicht bemerkt. „Die meisten fahren sowieso Rad.“

          Eine liebgewonnene Dauerbaustelle

          Nebenan, vor der „Kaffeemacherei“, sitzen zwei junge Frauen auf einer Bank, zwischen ihnen liegt ein Baby auf einer Decke und blinzelt in den blauen Himmel. Im Zeitlupentempo fährt ein Bagger vorbei, die Freundinnen lassen sich nicht stören. Golmaz Frud, die Inhaberin des kleinen Cafés, hat sich mit den Containern, die auf der Straße vor ihrem Geschäft stehen, arrangiert. „Uns beeinträchtigt die Baustelle überhaupt nicht“, sagt sie. Vor kurzem diente eine Containerwand dem Café sogar als Leinwand für einen Stummfilmabend mit „Dick & Doof“-Klassikern.

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