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Erfahrungsbericht Ikea : Schwedische Schwergeburt

Die Nummer eins im Möbelhandel, die aber manchmal unangenehm in Erinnerung bleibt: Ikea. Bild: dpa

Bei Ikea soll immer alles einfach sein. Doch es kann auch ganz anders kommen. Ein Erfahrungsbericht voll falscher Schrauben, langer Warteschleifen und dem deutschen Stammhaus - in Lausanne.

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          „Hej und herzlich willkommen bei Ikea!“ Die Stimme vom Band der Service-Hotline von Ikea begrüßt jeden Anrufer, als sei er ein alter Bekannter. Tatsächlich kennt der junge Mann, nennen wir ihn Billy, die Stimme vom Band schon sehr gut. Lange gewartet hat er mit ihr auch schon - aber der freundlich schwedische Singsang geht ihm inzwischen doch auf die Nerven.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Längst weiß er, dass es nichts nutzt, der Maschine zu sagen, in welchem Einrichtungshaus er seine Ware gekauft hat, weil er doch immer wieder zu unterschiedlichen Mitarbeiterinnen weiterverbunden wird, die offenbar fernab der Möbelhäuser sitzen. Er weiß, dass er trotzdem artig „Wallau“ sagen muss, um weiterzukommen, dass die Stimme vom Band dann aber nachfragt, „meinten Sie Wallau oder Hanau?“. Und dass es sinnlos ist, die achtstellige Reklamationsnummer einzutippen, weil er sie der Dame, die sich später melden wird, ohnehin noch einmal durchgeben muss. In Sachen Ikea-Hotline ist Billy längst Profi.

          Plötzlich ist kein Aufsatz mehr da

          Rückblick: Die Geschichte beginnt schon im Februar. Billy will im Ikea-Haus Frankfurt den Sekretär der Serie Hemnes kaufen und dazu noch den Aufsatz für diesen Sekretär, eine Art Bücherregal, das obendrauf gesetzt wird. Den Sekretär bekommt er, der Aufsatz ist ausverkauft. Wann er wieder geliefert wird, kann niemand dem Kunden sagen. Er solle es einfach ein andermal wieder versuchen und vorher im Internet die Verfügbarkeit prüfen.

          Im April ist Billy wieder bei Ikea in Frankfurt. Er habe Glück, es seien noch fünf Aufsätze auf Lager, liest einer der Mitarbeiter von seinem Computer-Bildschirm ab. Er bestellt ihm einen Aufsatz, den Billy an der Kasse bezahlen und dann bei der Warenausgabe abholen soll. Da ist eine Schlange, es dauert gut zwanzig Minuten, bis die Wartenummer des Kunden angezeigt wird. „Es gibt da ein Problem“, sagt der Mitarbeiter an der Warenausgabe. Es gebe gerade keinen Aufsatz mehr. Und wann wieder einer geliefert werde, könne er nicht sagen. Billy solle es einfach ein andermal versuchen und im Internet die Verfügbarkeit prüfen. Oder besser: mit der Smartphone-App. Denn die sei oft besser informiert als die Internetseite.

          Ein Abend mit Schraubendreher und Inbusschlüssel

          Die App ist schnell installiert. Mal schauen, ob vielleicht bei Ikea in Wallau noch ein Aufsatz zu haben ist. Schließlich hat Billy ohnehin schon den halben Samstag bei Ikea verbracht, da ist ein Abstecher zum Wiesbadener Autobahnkreuz auch nicht mehr schlimm. Allein das Haus in Hofheim-Wallau zu finden, immerhin zugleich der Sitz von Ikea Deutschland, ist nicht so einfach. Als naheliegendste Häuser werden jene in Frankfurt, wo er gerade ist, in Hanau und Mannheim angezeigt. Zum Haus in Wallau muss er sich durch eine lange Liste angeblich näher liegender Häuser scrollen: 436 Kilometer entfernt ist es laut der App, die Wallau aus unerfindlichen Gründen, aber mit detaillierter Anfahrtskizze in der Nähe von Lausanne verortet. Gut, dass Billy ortskundig ist. Wallau findet er auch ohne Ikeas Hilfe.

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