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Rechenzentrum für Hessen : Equinix investiert 150 Millionen Euro

Wichtiger Bestandteil des Internets: Hier werden die unzähligen Daten gespeichert und in die ganze Welt verschickt. Bild: AFP

Schön sind sie selten, aber jeder will hinein. Deshalb plant die Betreiberfirma Equinix schon die nächsten Rechenzentren, während ein fast 90 Millionen Euro teurer Neubau noch vollendet wird.

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          Alle Welt surft und digitalisiert, was das Zeug hält – und das Wachstum der Betreiberfirmen von Rechenzentren kennt keine Grenzen. So auch bei einem der Großen der Branche: 150 Millionen Euro verbaut der börsennotierte Konzern Equinix bis zum nächsten Jahr am Standort Frankfurt, allein 90 Millionen Euro kostet der Neubau, der gerade unweit der Kruppstraße im Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim entsteht.

          Inga Janović

          Wirtschaftsredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bis Februar wird das nach firmeneigener Zählung FR2.6 benannte Gebäude noch nicht komplett sein, aber ein erster Teil soll dann bezogen werden können. Ein Drittel der Plätze für Server und Racks sind nach Aussage von Deutschland-Chef Donald Badoux bereits vermietet. Bei voller Belegung erreicht das Rechenzentrum eine Leistung von 22 Megawatt. Aktuell ist noch ein Rohbau zu sehen, in den mehrere Kräne gerade tonnenschwere Dieselgeneratoren hieven.

          Rechenzentren kann man stark vereinfachend als gut geschützte Kühlhäuser für Server mit Notstromversorgung und Glasfaseranschluss bezeichnen, tatsächlich sind sie komplexe technische Bauten. Die Kosten für Fundamente, Wände, Decken und anderes machen deshalb nur 20 Prozent der Bausumme aus, der große Rest entfällt auf Kühltechnik, Sicherheitsvorkehrungen, Stromversorgung, Brandschutz und die Verkabelung.

          Rechenzentren sind enorme Stromfresser

          Während sich darum die Handwerker kümmern, plant Equinix weiter: Die Baugrube für die nächste Erweiterung, genannt FR2.7, ist gleich neben dem Rohbau schon ausgehoben. FR8 – bestehend aus drei Rechenzentren mit insgesamt bis zu 70 Megawatt Leistung – ist in Planung, die übrigen Frankfurter Standorte werden modernisiert. Damit behauptet Equinix seine Stellung als größter Anbieter in Rhein-Main und sieht sich noch lange nicht am Ziel. „Ich glaube, die hohe Nachfrage hält noch mindestens fünf Jahre an“, sagt Badoux. Die Digitalisierung habe in Deutschland gerade erst begonnen. Vergleiche mit Ländern wie Großbritannien, den Vereinigten Staaten oder auch Badoux’ Heimatland Niederlande zeigten, was noch zu erwarten sei. „Dort ist man Deutschland zwei, drei Jahre voraus, aber die Erweiterung der Kapazitäten läuft stetig weiter.“

          Equinix gehört wie die Konkurrenten E-Shelter, Interxion und andere zu den Unternehmen, die Stadt und Region nach passenden Grundstücken absuchen. Und dabei geht es um große Flächen. Der Equinix-Campus in Bergen-Enkheim, größter Standort der Firma in Frankfurt, erstreckt sich schon jetzt fast 300 Meter die Kruppstraße entlang. Eine Zierde für das Stadtbild ist der graue, fensterlose Riesenkomplex nicht, zumal das Areal von hohen Zäunen umgeben ist. Ohne mehrmalige Sicherheitskontrollen soll niemand bis zu den Rechnern vordringen können, mittels derer beispielsweise die sekundenschnellen Börsengeschäfte abgewickelt werden. Das hat für Betreiber und Kunden weitaus höhere Priorität als die Architektur. „Aber das Thema Ästhetik wird immer wichtiger“, bestätigt Badoux. Für den Standort in Griesheim plane man ein neues Eingangsgebäude, es erhalte eine moderne Holzverkleidung.

          Ein anderes Thema jenseits von Datengeschwindigkeiten, Sicherheit und Konnektivität ist für den Betreiber der Energieverbrauch. Rechenzentren sind enorme Stromfresser. Equinix ist nach dem Flughafenbetreiber Fraport der größte Kunde des hiesigen Energieversorgers Mainova. Zudem verbrauchen die Standorte beachtliche Mengen Treibstoff. Damit die Rechner von Börsen, Banken, Autoherstellern, Online-Händlern, Mobilfunkanbietern und Streamingdiensten niemals ausfallen, gibt es eine Notstromanlage mit Dutzenden Generatoren. Damit könnte man auch Schiffe auf dem Main bewegen. Gebraucht werden sie so gut wie nie, dennoch laufen die Maschinen regelmäßig, um ihre Bereitschaft zu testen. Das heißt auch, dass die digitale Infrastruktur nennenswerte Abgasmengen in die Frankfurter Luft bläst.

          Hilfe bei der Digitalisierungsstrategie

          Trotzdem kann man sie nicht einfach weit vor die Tore der Stadt setzen. „Wir brauchen die Nähe zum Internetknoten De-Cix. Und außerdem würden unsere Kunden es nicht mitmachen, wenn wir zu weit raus ziehen“, erklärt Badoux. Denn wie auch die Konkurrenz ist das Geschäftsmodell seines Unternehmens, das weltweit fünf Milliarden Dollar Umsatz ausweist, in der Hauptsache Colocation: Equinix vermietet seinen Kunden Raum, Strom und Netzanschluss. Um den eigentlichen Betrieb des jeweiligen Rechenzentrums, die Software und die Hardware, kümmern sich dabei die Firmen selbst.

          „Colocation allein wäre uns zu langweilig“, sagt Badoux. So sei Equinix auch Berater für den Mittelstand: „Wir helfen den Unternehmen bei der Entwicklung ihrer Digitalisierungsstrategie, beraten sie beim Aufbau des Rechenzentrums, bringen die richtigen Partner zusammen.“

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