https://www.faz.net/-gzg-7b7wo

Entwarnung des Landesamts : „Schadstoffwerte in Einflugschneise unauffällig“

Flieger über dem Dach: Ein Flugzeug über dem Wohnviertel auf dem Lerchesberg. Bild: dapd

Das Landesamt hat die Schadstoffe in der Luft am Frankfurter Lerchesberg gemessen. Das Ergebnis: Der Ort ist nur gering belastet. Die Anwohner sind jedoch weiterhin skeptisch.

          Das Ergebnis dürfte viele Anwohner des Frankfurter Lerchesbergs überrascht haben, beruhigt sind sie jedoch nicht: Nachdem in einer Station in der Nachbarschaft ein Jahr Luftschadstoffe gemessen wurden, gab am Donnerstagabend Stefan Jacobi vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie in gewisser Weise Entwarnung. Das bislang begehrte Wohnviertel im Frankfurter Süden sei ein im Vergleich zu anderen Teilen des Ballungsraums gering belasteter Ort, lautete im Umwelt- und Nachbarschaftshaus in Kelsterbach die Botschaft.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Unter den Anwohnern war die Sorge aufgekommen, mit der Eröffnung der Landebahn Nordwest des Frankfurter Flughafens sei nicht nur die Belastung durch Fluglärm gestiegen, sondern auch die durch Abgase der Flugzeuge. Sie überfliegen beim Landeanflug aus Richtung Osten Stadtteile wie den Lerchesberg, Ober- und Niederrad direkt, seit mit Eröffnung der Landebahn Nordwest die Endanfluglinien um 1,4 Kilometer nach Norden gerückt sind - in Richtung der Frankfurter Kernstadt.

          Landesamt: Keine höhere Luftbelastung seit dem Bau der Landebahn Nordwest

          Jacobi berichtete, dass die Luftqualität auf dem Lerchesberg nicht nur vergleichsweise höher als anderswo sei, sondern über das Jahr auch dieselben, nicht zuletzt durch Jahreszeiten beeinflussten Verläufe zeige ähnlich wie an anderen Stationen in Frankfurt und anderswo. Das spreche nicht dafür, dass es am Lerchesberg seit Inbetriebnahme der Landebahn zu höheren Schadstoffbelastungen komme.

          Der in einer Bürgerinitiative gegen Fluglärm engagierte Ingenieur Konstantin Zoggolis bemängelte an den Ergebnissen, dass man im Grunde deshalb auch nach den Messungen keine präzisen Aussagen zur Belastung auf dem Lerchesberg machen könne, weil es eben keine Vergleiche von dort aus der Zeit vor Eröffnung der Landebahn gebe. Er und seine Mitstreiter hätten sich deshalb die Werte der Messstation Frankfurt Ost genau angesehen, die schon lange vor der Landebahneröffnung installiert worden sei. Dabei habe man festgestellt, dass dort seit Eröffnung der Landebahn im Oktober 2011 auffällige Spitzen in den Schadstoffmessungen am Morgen und am Abend aufträten.

          Wirkung von niedriger Flughöhe wird noch erforscht

          Das deute darauf hin, dass durch das hohe Verkehrsaufkommen nach 5 Uhr und vor 23 Uhr, also kurz nach Ende und kurz vor Beginn des Nachtflugverbots, nahe der Endanflugzone sehr wohl Spitzen in der Schadstoffbelastung aufträten. Man müsse daher die Messungen ergänzen. Jacobi sagte, er sei bereit, auch die Station Frankfurt Ost in eine Vergleichsrechnung mit einzubeziehen.

          Bei der am Donnerstagabend vorgestellten Auswertung wurden die Werte vom Lerchesberg und deren Entwicklung über ein Jahr mit den Daten verglichen, die Messstationen in Frankfurt Höchst, Raunheim, Frankfurt Friedberger Landstraße und Hanau in dieser Zeit geliefert hatten. Gemessen wurden unter anderem die Anteile von Feinstaub, Stickstoffmonoxid, Stickstoffdioxid, Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid, Ozon, Ruß und Benzol. Jacobi wies ausdrücklich darauf hin, dass mit den Aussagen über die vergleichsweise gute Luft auf dem Lerchesberg natürlich nicht behauptet werde, bei der Verbrennung von Kerosin entstünden keine Schadstoffe. Die Untersuchung bestätige lediglich die Annahme der Fachleute, dass Luftverwirbelungen und Verwehungen beim Endanflug die Schadstoffe so rasch und weitläufig verteilten, dass am Boden unter der Endanfluglinie kein Nachweis mehr möglich sei. Die Frage, ob das auch noch bei geringerer Überflughöhe so ist, sollen nun die ebenfalls auf ein Jahr angesetzten Messungen der mobilen Station in Flörsheim beantworten.

          Thomas Eikmann, Professor für Umweltmedizin und Leiter des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin der Universität Gießen, wies darauf hin, dass mit behördlich definierten Grenzwerten zwar unverzichtbare Orientierungslinien geschaffen würden, ohne die man gar nicht gegen Schadstoffbelastungen vorgehen könne. Es müsse aber dabei immer klar sein, dass auch Schadstoffkonzentrationen unterhalb dieser Grenzwerte durchaus gesundheitsgefährdend sein könnten. Marita Mang, Referatsleiterin im hessischen Umweltministerium, berichtete, man prüfe entlang der Einflugschneisen der neuen Landebahn derzeit den Niederschlag von krebserzeugenden polyzyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) und den von Mineralölkohlenwasserstoffe, die in Treibstoffen enthalten sind. Mang gab zu bedenken, dass Versuche, auf nationaler Ebene eine weitere Schadstoffreduzierung durch schärfere Abgasvorschriften zu erreichen, erschwert oder gar verhindert würden. Bei Autos lege sich die EU quer, bei Flugzeugen die ICAO, die internationale Zivilluftfahrt-Organisation.

          Weitere Themen

          S-Bahn-Surfer fängt Feuer

          Unfall in Frankfurt : S-Bahn-Surfer fängt Feuer

          Ein 21 Jahre alter Mann klettert auf das Dach einer S-Bahn, surft und fängt Feuer, weil er zu nah an die Oberleitung geraten war. Am Sonntagmorgen kam es deshalb in Frankfurt zu Verzögerungen im Bahnverkehr.

          Topmeldungen

          Massentourismus vom Wasser kommend: Zwei Kreuzfahrtschiffen liegen im Geirangerfjord.

          Umstrittene Kreuzfahrtschiffe : Norwegen macht die Fjorde langsam dicht

          Es ist ein Geldsegen und ein Öko-Fluch: Seit kurzem gelten in fünf norwegischen Fjorden für Kreuzfahrtschiffe strenge Umweltauflagen, die die Luftverschmutzung begrenzen sollen. Glücklich sind die Menschen in der Urlauberhochburg Geiranger damit nicht.
          Kanzlerin Angela Merkel stellt mit ihrem Klimakabinett die Ergebnisse eines Kompromisses zum Klimapaket vor.

          Klimakabinett : Das deutsche Klima-Experiment

          Deutschland allein kann das Klima nicht retten. Aber andere Länder schauen genau darauf, wie Kanzlerin Merkel versucht, die Emissionen zu senken. Kann Deutschland Vorbild sein oder muss es über den Ärmelkanal schauen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.