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Ensemble von Michael Quast : Fliegende Volksbühne kommt nach Hanau

Flugbereit: Michael Quast kommt nach Hanau. Bild: Kretzer, Michael

Für zunächst zwei Jahre wird das Ensemble von Michael Quast im Comoedienhaus auftreten. Das sei keine Absage an Frankfurt, sagt er.

          2 Min.

          Das Comoedienhaus in Hanau-Wilhelmsbad wird Spielstätte für die Fliegende Volksbühne von Michael Quast. Der Kabarettist und Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) unterzeichneten am Montag im Hanauer Rathaus einen Vertrag, dem zufolge das von der städtischen Comoedienhaus GmbH geführte Theater in den beiden Spielzeiten 2014 und 2015 Schauplatz für jeweils eine Premiere der Fliegenden Volksbühne sowie einer kleinen Spielserie von mindestens drei Vorstellungen sein wird. Anschließend wird das Volkstheater mit dem in Hanau produzierten Stück wie gewohnt in der Region auf Tour gehen. Um welche Stücke es sich handeln wird, steht nach den Worten Quasts noch nicht fest. Die Vereinbarung umfasst auch die Bereitstellung von Probenräumen für das Ensemble durch die Stadt Hanau. Genutzt werden die Räume am Herbert-Dröse-Stadion in Wilhelmsbad, in denen auch das Ensemble der Brüder-Grimm-Märchenfestspiele seine Rollen einstudiert. Die ersten Proben der Volksbühne sind auf den Oktober terminiert.

          Luise Glaser-Lotz
          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Quast begründete gestern seinen Schritt nach Hanau mit der ungewissen Situation in Frankfurt. Der Mietvertrag mit der Stadt über die Nutzung des Cantate-Saals laufe im Mai aus. Wie es danach aussehe mit der „Interims-Spielstätte“ sei völlig ungewiss. Eigentlich sollte das Mundarttheater von Quast einen dauerhaften Spielort im Paradieshof in Alt-Sachsenhausen bekommen. Nachdem dieses Vorhaben an der städtischen Sparpolitik gescheitert war, erhielt die Fliegende Volksbühne von der Stadt das Angebot, vorübergehend den in die Jahre gekommenen Cantate-Saal neben dem Goethe-Museum im Großen Hirschgraben zu nutzen, lange Zeit Spielstätte des Volkstheaters von Liesel Christ.

          Produktionen könnten parallel laufen

          Anders als Frankfurt könne Hanau seiner Fliegenden Volksbühne eine langfristige Planungssicherheit geben, sagte Quast gestern , denn auch eine Verlängerung des Vertrags mit der Comoedienhaus-Gesellschaft sei möglich. Das gelte sowohl für die Aufführungen als auch für die Proben. Außerdem handele es sich beim Comoedienhaus um eine attraktive Spielstätte. Es sei das schönste Theater der Region überhaupt, lobte Quast. Da seiner Volksbühne durch den Hanauer Vertrag keine hohen Kosten entstünden, sei es aus wirtschaftlicher Sicht unerheblich, dass das Comoedienhaus mit 211 Plätzen wesentlich kleiner sei als der Cantate-Saal mit gut 400 Plätzen. Die Spielstätte in Hanau erhöhe zudem die Chancen einer finanziellen Förderung durch den Kulturfonds, dessen Mitglied Hanau seit kurzem ist.

          Der Stadt Frankfurt erteile sein Theater mit dem Hanauer Engagement aber keine Absage. Für die Laufzeit des Mietvertrags werde die Fliegende Volksbühne den Cantate-Saal nutzen, obwohl die Probenbedingungen in Frankfurt schwierig seien. Sollten sich die Frankfurter „berappeln“, so Quast, und seinem Theater doch noch einen dauerhaften Spielort anbieten, könnten Produktionen in Hanau und Frankfurt parallel laufen. Doch die Frankfurter Option sei eine rein hypothetische, während Hanau sicher sei. Seine anderen Projekte, etwa „Barock am Main“ oder eine Produktion an der Frankfurter Oper im nächsten Jahr, blieben von der Hanauer Vereinbarung unberührt.

          Quasts Bekanntheit könnte Hanau nützen

          Kaminsky sprach von einem kleinen, aber feinen Ausrufezeichen für das Kulturleben der Stadt Hanau. Nachdem Quast in Frankfurt mit Entscheidungen konfrontiert worden sei, die er sich für sein Theater so nicht gewünscht habe, gewähre Hanau der Volksbühne nun sehr gerne Asyl. Das Comoedienhaus biete den idealen Ort für ein hochwertiges Volkstheater. Die Produktionen von Quast könnten dazu beitragen, die Bekanntheit des attraktiven Staatsbads Wilhelmsbad in der Region zu erhöhen. Hanau wolle Frankfurt mit dem Vertrag mit Quast nicht den Rang ablaufen, denn die Region sei auch als eine kulturelle Einheit zu verstehen. Doch würden die Uraufführungen in Hanau den Stellenwert des Kulturstandorts Hanau im Osten des Rhein-Main-Gebiets stärken.

          Wie Kulturamtsleiter Klaus-Dieter Stork ankündigte, werden die Quast-Premieren auch im Rahmen des städtischen Theaterabonnements angeboten. Die übrigen Vorstellungen liefen allein über den freien Verkauf. Die Kosten für die Koproduktion seien geringer als ein Engagement herkömmlicher Tourneetheater. Die Eintrittspreise sollen sich nach seinen Worten an denen der städtischen Theatereigenproduktionen orientieren.

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