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Komikerin Enissa Amani : Mit Gucci-Schuhen zur Sozialisten-Demo

  • -Aktualisiert am

Zweites Zuhause: Enissa Amani empfängt Gäste in ihrem Studio auf einem Plüschsofa. Privat legt die Moderatorin viel Wert auf Äußerlichkeiten. Sie gibt freimütig zu, dass sie ihre Nase hat richten lassen. In Iran sei das völlig normal. Bild: ProSieben/Willi Weber

Teheran, Frankfurt, Köln: Die Komikerin Enissa Amani hat vielfältige Wurzeln. Mit ihrer Fernsehshow will sie Stefan Raab beerben. Ihre Biographie liefert ihr viel Stoff für ihre Auftritte.

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          Enissa Amani ist gut drauf. Mit einem Lächeln betritt sie den Besprechungsraum in ihrer Produktionsfirma. Am Abend zuvor wurde die dritte Folge ihrer Comedy-Sendung „Studio Amani“ auf Pro Sieben ausgestrahlt. Schon plaudert sie drauflos. „Gestern, das war die schönste Show“, sagt die Moderatorin, und ihre Stimme klingt dabei weniger schrill als im Fernsehen. Sie schwärmt von ihren Gästen, dem Schauspieler Peter Lohmeyer und dem kurdischen Rapper Xatar. „Für mich war das ein Traumduo.“

          Statt auf dem beigen Plüschsofa im Studio sitzt Amani nun bei einer Tasse grünem Tee in der Zentrale von Endemol Shine im Nordwesten von Köln am Konferenztisch. Sie trägt eine hellgraue Jogginghose, einen schwarzen Pullover mit roten Herzchen darauf und gefütterte Stiefel. Am Nachmittag zuvor, während der Aufzeichnung, sah sie noch so aus, wie man es von einer erwartet, die als Püppchen gilt: voll geschminkt, mit geglätteten Haaren, in einem schwarzen Kleid. Amani, groß geworden als Stand-up-Kabarettistin, hat in der Comedy-Szene einen steilen Aufstieg hinter sich. Pro Sieben hofft, dass sie sich als Nachfolgerin von Stefan Raab etabliert.

          Verheimlicht Alter wie Beziehungsstatus

          Ruhe und Ablenkung von Meetings, Proben und Erwartungsdruck findet Amani bei ihren Eltern und Freunden in Frankfurt. Dort ist sie aufgewachsen, erst zum Studium zog sie nach Köln. „Ich fühle mich als Frankfurterin“, sagt sie. Neulich, wenige Tage vor ihrem Debüt als Fernsehmoderatorin, hat sich Amani dort auf die Spuren ihrer Kindheit begeben. Zum ersten Mal nach dem Auszug kehrte sie zu ihrem ehemaligen Wohnhaus in Griesheim zurück. 15 Jahre ist es her, dass ihre Eltern sich trennten und sie den Stadtteil im Westen der Stadt verließen.

          Amani ist inzwischen etwa 30 Jahre alt - ihr genaues Alter verheimlicht sie genau wie ihren Beziehungsstatus - und war überrascht, wie wenig sich die Umgebung seither verändert hat. Noch einmal lief sie ihren alten Weg zur Boehle-Grundschule und war gerührt, dass der Kaugummi-Automat, in den sie als Mädchen so viele Münzen geworfen hatte, noch immer da steht. Während sie das erzählt, durchsucht sie ihr Smartphone mit der rosa Hülle nach einem Foto. Aber sie findet es zwischen den vielen anderen Bildern nicht.

          Das dürfte sie weniger ärgern als das Ergebnis der Show am Vorabend. Amani gibt zu, dass ihr Produktionsteam, das gerade ein paar Räume weiter tagt, nicht so begeistert sei wie sie. Schuld daran ist die Quote: Schalteten bei der Erstausstrahlung zwei Wochen zuvor noch rund eine Million Zuschauer ein, waren es nun nur noch halb so viele. Auch wenn sie wisse, wie bedeutsam Quoten im Privatfernsehen seien, lege sie mehr Wert auf guten Inhalt. Sie hoffe, dass sie sich diese Unbekümmertheit behalten könne. Acht wöchentliche Folgen sollen zunächst produziert und spät montagabends ausgestrahlt werden. Dann will der Sender entscheiden, ob es bei einem Intermezzo bleibt.

          Amanis Vater wurde in Iran verfolgt

          Acht Wochen sind keine lange Zeit, und überhaupt ging bei Amani alles sehr schnell in den vergangenen Monaten. Vor einem Jahr tourte sie noch mit ihrem ersten Soloprogramm durch Deutschland. „Zwischen Chanel und Che Guevara“ hieß es. Danach nahm die 1,60 Meter große Amani am TV-Tanzwettbewerb „Let’s Dance“ teil. Sie meint, dass sie trotz ihres Ausscheidens beim Publikum die beliebteste Tänzerin war. Im November wurde sie als beste Newcomerin mit dem Deutschen Comedy-Preis ausgezeichnet. Und nun habe sie tatsächlich ihre eigene Show, sagt Amani so, als begreife sie es immer noch nicht ganz. „Ich habe große Angst, dass das alles schnell wieder vorbeigeht.“

          Geboren ist Amani etwa 3700 Kilometer von Griesheim entfernt, in Teheran. Sie ist noch nicht einmal ein Jahr auf der Welt, da fliehen ihre Eltern aus Iran nach Deutschland. Das islamische Regime hatte ihren Vater, einen Sozialisten, verfolgt und eingesperrt. Zunächst lebt die Familie ein halbes Jahr lang in einem Asylbewerberheim in Hannover. Dann kommen sie nach Frankfurt - und bleiben.

          Ihre Eltern finden eine Zweizimmerwohnung mit kleiner Küche. Die Mutter nimmt an der Goethe-Universität ihr Medizinstudium neu auf. Der Vater ist in Iran Dozent für Literatur und Philosophie gewesen. Weil sein Abschluss in Deutschland nicht anerkannt wird, jobbt er nachts in der Poststelle des Flughafens.

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