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Energiewende in Südhessen : Diskussion um Standorte für Windräder beginnt

Mit Hochspannung: Ab dem 24.Februar 2014 liegt der Plan für Windenergie-Vorranggebiete öffentlich aus. Damit kann die Diskussion mit den Bürgern beginnen. Bild: dpa

Fast drei Prozent der Fläche Südhessens soll zu Vorranggebieten für Windkraft erklärt werden. Doch Planer und Regionalpolitiker sind sich jetzt schon sicher, dass zahlreiche Standorte wieder aus dem Entwurf fliegen werden.

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          Die Regionalpolitiker in Südhessen haben einstimmig beschlossen, den in den vergangenen Monaten erarbeiteten Plan für Windenergie-Vorranggebiete vom 24.Februar bis zum 25.April öffentlich auszulegen und damit die Diskussion mit den Bürgern über die Standorte zu beginnen. Die vorgeschlagenen Areale machen derzeit 2,8 Prozent der Fläche des Regierungsbezirks Darmstadt aus. Damit wird zunächst das Ziel des von der Landesregierung angestoßenen Energiegipfels erfüllt, zwei Prozent der Landesfläche für die Windenergienutzung bereitzustellen. Allerdings sind sich Planer und Politiker einig, dass während des Verfahrens zahlreiche Standorte aus dem Entwurf des „Sachlichen Teilplans Erneuerbare Energien des Regionalplans Südhessen 2010“ herausfallen werden.

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für den FDP-Politiker René Rock ist der Beschluss der Regionalversammlung die „erste Etappe auf dem notwendigen Weg, den Wildwuchs bei der Errichtung von Windrädern endlich zu beschränken“. Derzeit sind Investoren von Windkraftanlagen nach dem Baugesetzbuch privilegiert und können diese errichten, vorausgesetzt die Anlagen verstoßen nicht etwa gegen den Vogelschutz oder die Vorgaben der Deutsche Flugsicherung.

          Über Jahre versäumt

          Auch der SPD-Politiker Harald Schindler hob hervor, dass seine Fraktion durch die Ausweisung von Vorranggebieten erreichen wolle, die restliche Landesfläche frei von Windrädern zu halten – „anders als in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg“. Dort haben die rot-grünen Landesregierungen die sogenannte Ausschlusswirkung aufgehoben, um mehr Windkraftanlagen zu ermöglichen.

          Der Grünen-Politiker Klaus Dapp kritisierte, die Region habe über Jahre nicht gesteuert, wo Windkraftanlagen stehen sollten. Dabei hatte sie schon einmal den Versuch unternommen, Vorranggebiete auszuweisen, war aber an zu rigiden Vorgaben von Seiten der damaligen konservativen Mehrheit gescheitert. Dapp lobte CDU und FDP für den Kurswechsel nach Fukushima. „Nun müssen wir die Diskussion mit der Öffentlichkeit führen, um die Energiewende hinzubekommen.“

          Windgutachten mit Fehlern

          Dapp kritisierte die Flugsicherung, die bis heute keine klare Angaben mache, wo Windräder trotz der acht Funkfeuer in der Region künftig stehen könnten. Stattdessen fordere sie einen Mindestabstand von 15 Kilometern, was zum Verlust „fast aller ertragreichen Standorte“ führe.

          Der Kelkheimer Bürgermeister Thomas Horn (CDU) fasste noch einmal die „drei wichtigen Kennziffern“ für die Ausweisung der Windvorranggebiete zusammen, die der Landesentwicklungsplan vorschreibt: 1000 Meter Abstand zur Wohnbebauung, und eine Windgeschwindigkeit von mindestens 5,75 Metern in der Sekunde in 140 Meter Höhe. Da nach Auffassung aller Fraktionen in der Regionalversammlung das zugrundeliegende Windgutachten Fehler enthalten könnte, hat die Versammlung am Freitag auch einstimmig beschlossen, neue Vorranggebiete aufzunehmen, wenn Gutachten belegen, dass der Wind dort ausreichend weht.

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