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Energiewende : Der Kampf um die Windmühlen

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Hiergegen protestieren die einen wie die anderen. Die Nordländer, und mithin die Bundestagsabgeordneten der CDU aus Schleswig-Holstein, die eine starke Klientel von Windmüllern hinter sich wissen dürften, beklagen den Irrsinn einer Windförderung an schwachen Standorten. Interessenvertreter der Südländer hingegen, wie Thorsten Ebert von der hessischen SUN, werben für das Konzept „einer wirtschaftlich sinnvoll über die gesamte Republik verteilten Erzeugung“. Er ist intelligent genug, um nicht einen höheren Faktor zugunsten der windschwachen Standorte zu verlangen, sondern eine stärkere Degression in der Referenzkurve zu Lasten der starken Standorte zu fordern, denn die starken Standorte würden „überfördert“.

Hessen gespalten in der Windkraft-Frage

Um das zu beweisen, verschiebt Ebert einen typischen Windpark aus dem hessischen Mittelgebirge von einem 80-Prozent-Standort mit einer mittleren Windgeschwindigkeit von sechs bis sieben Metern in der Sekunde - rechnerisch - an einen topographisch investitionsfreundlicheren 110-Prozent-Standort im norddeutschen Flachland. Allein wegen geringerer Investitionskosten kommt er dort auf eine Rendite, die um 1,2 Prozentpunkte höher liegt als in Hessen. Angesichts von kalkulierten Renditen von 5 bis 6 Prozent auf das Gesamtkapital ist das ein erheblicher Vorteil.

Damit aber, sagt Ebert, würden hessische Standorte benachteiligt, vor allem wenn künftig die Zuschläge für Parks in ganz Deutschland in Auktionen vergeben würden. Dann hätten Anlagen an windreichen Standorten dank ihres Renditevorsprungs mehr Luft, um im Wettstreit um den Zuschlag nachzugeben. „Investoren werden in windstarke Standorte gelockt, und die Gesamtkosten für den Strom aus der Steckdose, mit den Ausgaben für neue Trassen und das Redispatching, bleiben in dieser Rechnung außen vor“, sagt Ebert.

Die zahlreichen neuen Windparks von Bürgerenergiegenossenschaften rund um Kassel, an denen auch die Städtischen Werke beteiligt sind, speisen den Strom ins regionale Netz. 500.000 Einwohner samt ihrer Industrie im engeren Raum um Kassel und insgesamt mehr als eine Million Einwohner in der Region saugen den Strom regelrecht weg. Weder müssen die Anlagen bei starkem Wind abgeschaltet noch müssen Leitungen zum Abtransport überschüssiger Energie gebaut werden.

Dem Bundeswirtschaftsministerium liegen die Berechnungen aus Hessen vor, aber die Lobby der Südländer ist nach Einschätzung der hiesigen Windmüller offenbar schwach, zumal Hessen in der Beurteilung der Windenergie regional gespalten erscheint. Im Süden blicken die Hessen nach Baden-Württemberg und Bayern, wo es so gut wie keine Windkraftanlagen gibt. Im Norden Hessens gibt es hingegen auf fast jedem Bauernhof eine Solaranlage, und der Blick reicht bis ins Paderborner Land, wo weit mehr als die Hälfte des Strombedarfs regenerativ sowie vor allem und unübersehbar durch Windmühlen gedeckt wird. Mit Rot-Grün hat das dort gewiss nichts zu tun. Denn die Westfalen rund um Dom und Kaiserpfalz gaben in der Kommunalwahl vor zwei Jahren zu 51,85 Prozent der CDU die Stimme. Dort setzen vor allem die Schwarzen auf die grüne Energie.

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