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Energiewende in Hessen : Ein mühseliges Geschäft

Schwebendes Verfahren: Bis die Energiewende gelungen ist, dauert es noch - es ist nicht einmal klar, ob die Landesregierung ihr Ziel für diese Legislaturperiode erreicht. Das Foto zeigt Windräder in Nordhessen. Bild: dpa

Die hessische Landesregierung will, dass bis zur nächsten Wahl ein Viertel des Stroms aus erneuerbaren Energien stammt. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg, wie eine neue Studie zeigt.

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          Kurz vor Jahresende wurde der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) im Ton etwas streng. „Die Energiewende in Hessen steht und fällt ganz sicher nicht mit zehn Anlagen auf dem Taunuskamm“, ließ er verlauten, nachdem das Darmstädter Regierungspräsidium gerade die Genehmigung der seit Jahren umstrittenen Windräder dort untersagt hatte. Der Satz ließ den Ärger Al-Wazirs über die Entscheidung erahnen, aber in der Sache hatte er natürlich recht: Auf zehn Windräder an einem bestimmten Standort kommt es bei der Energiewende nicht an.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Ärgerlicher für den Minister dürfte sein, dass es mit dem Umbau der Energieerzeugung auch sonst überall nicht so vorangeht wie erhofft. Denn die Landesregierung hat sich auf ein ehrgeiziges Ziel verpflichtet: In der laufenden Legislaturperiode, die 2019 endet, soll sich der Anteil der erneuerbaren Energien an der Strommenge, die in Hessen verbraucht wird, verdoppeln. Als Ausgangspunkt wird 2013 genommen, als die Quote bei 12,5 Prozent lag. Das Ziel sind also 25 Prozent fünf Jahre später.

          Wert weit unterschritten

          Doch von 2013 bis 2015 ist der Anteil gerade einmal um vier Prozentpunkte gestiegen, auf 16,4 Prozent. Das lässt sich im neuesten „Monitoringbericht“ zum Stand der Energiewende in Hessen nachlesen. Geht es in diesem Tempo von zwei Prozentpunkten im Jahr weiter, so wird man innerhalb von fünf Jahren bestenfalls auf 22,5 Prozent kommen.

          Dass das 25-Prozent-Ziel bis zur nächsten Landtagswahl nicht leicht zu erreichen sein wird, zeigt auch eine Rechnung, die der Minister selbst einmal in der Erkenntnis aufgemacht hat, dass es bei der Energiewende in Hessen vor allem auf die Windkraft ankommt. Danach müssten in jedem Jahr im Schnitt Windräder mit einer Leistung von zusammen 380 Megawatt in Hessen entstehen. Dieser Wert ist aber von 2013 bis 2015 jeweils weit unterschritten worden, und die Zahlen für das erste Halbjahr 2016 geben keine Hoffnung, dass diese Zielmarke bis zum Jahresende erreicht wurde.

          Helfen könnte konjunktureller Einbruch

          Die Landesregierung muss also auf eine Art Schlussspurt in der zweiten Hälfte der Legislaturperiode hoffen. Tatsächlich hat das Regierungspräsidium Darmstadt kurz vor Jahresende nicht nur auf dem Taunuskamm und auch in Büdingen das Aufstellen von Windrädern abgelehnt, sondern zugleich auch auf einen Schlag 30 Anlagen an verschiedenen Standorten genehmigt. Aus dem Wirtschaftsministerium heißt es, alles in allem seien schon Ende September 146 Anlagen mit einer Leistung von 404 Megawatt genehmigt worden, von denen sicherlich die meisten auch gebaut würden.

          Stromverbrauch und -erzeugung in Hessen 2015 Bilderstrecke

          Die Sorge, dass Hessen gemeinsam mit anderen Ländern vom Bund zu einem Gebiet erklärt wird, in dem der Ausbau der Windkraft ganz offiziell gebremst wird, weil sonst die Leitungen überlastet werden, scheint zudem nicht länger begründet. Der jüngste Entwurf einer Verordnung zu diesem Thema aus dem Bundeswirtschaftsministerium sieht solche Beschränkungen nur noch für Norddeutschland vor. Unklar bleibt hingegen, wie sich die Umstellung der Subventionen für Windräder in den nächsten Jahren auswirken wird. Es ist also tatsächlich schwer zu sagen, wie der Ausbau weitergehen wird.

          Helfen könnte der Landesregierung ein konjunktureller Einbruch, sofern dieser einen sinkenden Stromverbrauch zur Folge hätte - dann wären die erstrebten 25 Prozent zwangsläufig mit weniger Zubau der erneuerbaren Energien zu erreichen. Das wäre aber ein hoher Preis. Außerdem halten sich die konjunkturellen Schwankungen in Grenzen. Im Rezessionsjahr 2009 lag der Stromverbrauch in Hessen nur 3,7 Prozent niedriger als 2008, obwohl das Bruttoinlandsprodukt um 4,8 Prozent eingebrochen war.

          Witterung und Konjunkturausschläge

          Unabhängig von konjunkturellen Wechsellagen sinkt der Stromverbrauch in Hessen, aber doch nur leicht. Industrie, Gewerbe und Dienstleister verbrauchten 2015 gerade einmal 2,3 Prozent weniger als im Jahr 2000. Blickt man auf den gesamten Verbrauch Hessens, bezieht also auch die Wärmeerzeugung und den Verkehr ein, so betrug der Rückgang von 2000 bis 2015 etwa 6,5 Prozent.

          Die Schwankungen in den Jahren dazwischen spiegeln die unterschiedliche Witterung - in kalten Wintern wird mehr geheizt - und die Konjunkturausschläge wider. Die Einsparungen in den ersten eineinhalb Jahrzehnten des neuen Jahrtausends gehen denn auch weniger auf das Konto der Wirtschaft als vielmehr der privaten Haushalte und des Verkehrs.

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