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Energiepolitik : Rechenzentren als Heizung

Pionier: Telehouse-Chef Waldhauser hat schon vor Jahren ein Projekt mit Abwärme-Nutzung in Frankfurt angekündigt Bild: Wonge Bergmann

Datacenter könnten die ganze Stadt mit Wärme versorgen. Das wäre gut fürs Klima, ist aber aufwendig. In einem Projekt im Gallus soll nun gestestet werden, ob die Vision Realität werden könnte.

          3 Min.

          1600 Gigawattstunden Strom haben die auf Frankfurter Stadtgebiet stehenden Rechenzentren im vergangenen Jahr verbraucht. Das war dreimal mehr Energie, als der von der Pandemie gebeutelte Flughafen brauchte, und ein um sechzig Prozent höherer Stromverbrauch, als er für die rund 400 000 Frankfurter Haushalte errechnet wurde. Nicht nur, aber auch wegen des Energiehungers der Datacenter kommt der jüngste Frankfurter Klimaschutzbericht, aus dem die Daten stammen, zu dem Schluss, dass die Stadt ihr Energieziel für das Jahr 2050 nicht erreichen kann. Bis dahin soll der Kohlendioxid-Ausstoß der Stadt 95 Prozent unter dem des Jahres 1990 liegen. Bislang ist eine Reduktion um 19,5 Prozent gelungen, der Verbrauch an Strom ist sogar gestiegen. Will man an dem Ziel festhalten, müsste die Stadt ihre Bemühungen deutlich verstärken.

          Inga Janović
          Wirtschaftsredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Da kommt die Hochrechnung, die eine aus Wissenschaftlern, Unternehmen, aber auch aus Mitgliedern des Frankfurter Energiereferats bestehende Initiative namens DC-Heat kürzlich herausgegeben hat, gerade recht: Rechnerisch könnten vom Jahr 2030 an alle Büro- und Wohngebäude in der Stadt statt mit Strom und Gas allein mit der Abwärme der Rechenzentren geheizt werden. Doch nicht einmal Ralph Hintemann vom Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit in Berlin, der die Berechnung mit seinem Team aufgestellt hat, glaubt daran, dass die Warmluft aus Servern und Klimageräten bis dahin wirklich flächendeckend genutzt wird. „Das ist nur eine rechnerische Vision, für die Umsetzung gibt es eine Reihe technischer und finanzieller Hürden“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler, der neben seiner Arbeit am Institut an den Hochschulen in Oldenburg und Berlin lehrt. Der Umstieg aufs Heizen mit Datenverkehr könnte also einige Jahre länger dauern, unumgänglich bleibe er aber. „Spätestens wenn die nächsten großen Rechenzentren in Frankfurt gebaut werden, führt kein Weg mehr an der Abwärmenutzung vorbei.“ Sie müsse eine Säule für den Umstieg auf einen klimaverträglicheren Energieverbrauch werden.

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