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Energiemuseum in Wölfersheim : Vom „Ruhrpott“ der Wetterau

Unter Tage: Herzstück des von ehemaligen Bergleuten gegründeten Museums ist der Nachbau eines Stollens. Bild: Wolfgang Eilmes

Glück auf, der Steiger kommt: Auch in der Wetterau fuhren früher Kumpel ein. An die Geschichte des Bergbaus erinnert ein Museum in Wölfersheim. Beinahe hätte es geschlossen werden müssen.

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          Wenn man in Wölfersheim davon spricht, auch die Wetterau habe ihren „Ruhrpott“ gehabt, ist dieser Vergleich durchaus statthaft. Denn in und um den etwa 100.000 Einwohner zählenden Ort wurde fast 200 Jahre Braunkohle gefördert und weiterverarbeitet. Kohlehalden, Stollenzugänge, später Tagebaulöcher mit mächtigen Schaufelradbaggern prägten die Landschaft ebenso wie Kraftwerksbauten und Fabriken, wo aus dem fossilen Energieträger elektrische Energie erzeugt und Kohle verschwelt wurde, um daraus Benzin und Teer zu gewinnen.

          Wolfram Ahlers

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Das alles ist seit gut einem Vierteljahrhundert Geschichte. Einkaufsmärkte, Bürogebäude und Lagerhallen befinden sich heute auf dem ehemaligen Kraftwerksgelände, die früheren Tagebauten haben sich in eine Seenlandschaft verwandelt. Gleichwohl, die Erinnerung an diesen einst bedeutenden Industriezweig, der bis zu 1500 Menschen Lohn und Brot brachte, wird in Wölfersheim wachgehalten – vor allem im Energiemuseum.

          Konzept aus dem Rathaus

          Dass das auch für die Zukunft gilt, war bis vor kurzem allerdings nicht sicher. Denn Anfang des Jahres ließ der Verein zur Pflege der Bergbau- und Kraftwerkstradition, der das Museum aufgebaut hat und als Träger fungierte, aufhorchen. Denn in mehreren Anläufen gelang es nicht, einen neuen Vorstand zu etablieren. Als Grund nennt Helmut Rieß, der bis dahin als Vorsitzender amtierte, Überalterung.

          Vor allem diejenigen, die bislang im Verein Verantwortung übernommen hatten, sind zum Teil „deutlich über 70 Jahre alt“, wie Rieß sagt. Da war es verständlich, dass sie die Führungsämter nun in jüngere Hände legen wollten. Dafür fanden sich am Ende aber nicht genügend Freiwillige, so dass schließlich nichts anderes übrigblieb, den Verein aufzulösen. Was eben auch das Aus für das Museum bedeutet hätte.

          Weil keine Aussicht bestand, dass ein anderer, eventuell neu zu gründender Verein oder eine Stiftung die wohl bedeutendste kulturelle Einrichtung der Gemeinde übernehmen könnte, beschloss der Gemeindevorstand, dass die Kommune in die Bresche springt und das Museum weiterführt. Derzeit wird im Rathaus ein Konzept erarbeitet, in dem es unter anderem um die künftige Finanzierung der Stätte geht und die Übergabe der zahlreichen, zumeist aus Privatbesitz stammenden Exponate geregelt wird.

          Gebäudetrakt von der Gemeinde

          Die bisherigen Vereinsmitglieder, zumeist ehemalige Bergleute, wollen sich auch künftig einbringen, wie Rieß sagt. Nach den Vorstellungen des Gemeindevorstands sollen sie vor allem die regelmäßige Öffnung des Museums gewährleisten. Die Kommune will eine Teilzeitkraft beschäftigen, die die Ehrenamtlichen bei der Pflege der Bestände unterstützt und sich besonders darum kümmert, die umfangreiche Sammlung historischer Fotos aufzuarbeiten und eine Datenbank einzurichten.

          Schon vor Einstellen der Kohleförderung im letzten noch verbliebenen Revier und Stilllegung des Kraftwerks hatten ehemalige Bergleute und Kraftwerksangestellte damit begonnen, eine Vielzahl von Erinnerungsstücken aus Kohleförderung und Energiegewinnung zusammenzutragen. Der Verein stellte dann aus den Sammlungen seiner Mitglieder sowie aus Archiven und Magazinen des damaligen Kraftwerksbetreibers Preußen Elektra eine Präsentation zusammen, die im Keller des Rathauses aufgebaut wurde.

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