https://www.faz.net/-gzg-72f5w

Energiegenossenschaft : Energiewende selbstgemacht

Die internationale Finanzkrise und der Klimawandel hätten bei vielen Menschen einen Wertewandel ausgelöst, glaubt Theresia Theurl vom Institut für Genossenschaftswesen an der Uni Münster. „Nachhaltigkeit, Stabilität und Transparenz sind wieder viel wichtiger geworden.“ Diese Werte könnten Genossenschaften verkörpern. Denn sie müssen zum Wohle ihrer Mitglieder handeln. Und: Jeder hat, unabhängig von der Anzahl der Anteile, nur eine Stimme. „Die Menschen haben das Gefühl, so mehr selbst beeinflussen und gestalten zu können“, sagt Theurl.

Erst nach 20 Jahren das Geld zurück

Das wollen sie auch in Rodgau. Hier sitzt Volker Feldmann auf seiner Terrasse, die an diesem Tag als Freiluftbüro dient. Eigene Räume hat die örtliche Bürger-Energiegenossenschaft noch nicht - im Grunde gibt es sie noch gar nicht. Im März wollte sie sich offiziell gründen, alles sah gut aus. Monatelang hatten Feldmann und die anderen vier Mitglieder des Gründungsteams mit Anbietern über die Preise für Solaranlagen gefeilscht, mit der Stadt über die Pacht für öffentliche Dächer verhandelt, eine Kalkulation erstellt, Info-Veranstaltungen organisiert. Dann beschloss die Bundesregierung, die Einspeisevergütung statt erst zum Juli schon zum April um etwa fünf Cent pro Kilowattstunde zu kürzen. Die Energiegenossenschaft in Rodgau hätte damit für ihren Solarstrom weniger Geld bekommen. Zu wenig, sagt Feldmann: „Unsere Anlagen hätten sich so nicht mehr gerechnet.“ Auch wenn es Genossenschaften nicht um die Rendite geht, müssen sie profitabel sein, um zu überleben. Also fing Feldmann noch einmal ganz vorne an, verhandelte abermals mit Solarunternehmen und der Stadt und ist jetzt zum zweiten Mal kurz vorm Ziel. In den nächsten Wochen, hofft er, kann sich die Genossenschaft endlich gründen.

In Dreieich ist man schon weiter, doch nach zweieinhalb Jahren läuft auch hier noch nicht alles rund. Zwar sind alle Anteile an der Solaranlage auf der Feuerwehr gezeichnet, und auch der Dienstleistungsbetrieb ist zu mehr als 80 Prozent ausgelastet. Doch an der Anlage auf dem Bürgerhaus ist das Interesse mit gut 23 Prozent bislang eher gering. Bank-Sprecher Vongries lehnt sich in seinem Stuhl zurück und schwenkt nachdenklich die Brille in seiner Hand hin und her. „Da muss schon noch was passieren“, sagt er.

Dazu braucht es mehr Menschen wie Helmut Nuß, für den auch viel Idealismus in der Investition steckt. Er wird sein Geld erst nach 20 Jahren komplett von der Energiegenossenschaft zurückbekommen haben, doch das hat ihn nicht abgeschreckt.

Weitere Themen

Rosbacher Platz umbenannt

Erinnerung an Walter Lübcke : Rosbacher Platz umbenannt

Ein Platz im hessischen Rosbach vor der Höhe ist nach dem getöteten Politiker Walter Lübcke benannt worden. Der Kasseler Regierungspräsident wurde 2019 auf der Terrasse seines Wohnhauses erschossen.

Topmeldungen

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.