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Frankfurter Zeilgalerie : Ende einer Luftnummer

Unikum: Die Zeilgalerie ragt hoch auf, was der Verkaufen erschwert Bild: Grapatin, Niklas

Der Abriss der Frankfurter Zeilgalerie ist beschlossen. Immer wieder gab es Versuche, das Einkaufszentrum zu beleben. Aber so richtig vital war es nie.

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          Mit einem Drahtseilakt quer über die Zeil hat die wechselvolle Geschichte der Ladengalerie „les facettes“ begonnen, die nun mit deren Abriss enden soll. Eine wacklige Angelegenheit ist der Betrieb seit der Eröffnung im September 1992 immer gewesen. Rentabel war die Galerie - nach allem, was bekannt wurde - wohl nie. Die Änderung des Namens in Zeilgalerie half auch nichts: Die Idee einer horizontalen Einkaufspassage, in der die Besucher mit Rolltreppen und Aufzügen nach oben fahren und auf dem Weg abwärts über 500 Meter lange Serpentinen in den sieben Ebenen kräftig einkaufen sollten, erwies sich als Flop.

          Jochen Remmert
          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.
          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das schmale Haus neben der Galeria Kaufhof erzählt keine Erfolgsgeschichte. Höchstens insofern, als es dem windigen und später wegen Betrugs verurteilten Baulöwen Jürgen Schneider mit Erfolg gelungen war, die Deutsche Bank und andere Geldhäuser nach Strich und Faden hinters Licht zu führen. So hatte Schneider beispielsweise Deutschlands größter Bank erfolgreich vorgespiegelt, die Galerie verfüge über eine Verkaufsfläche von 20 000 Quadratmetern. Tatsächlich war die vermietbare Fläche nur etwas mehr als halb so groß.

          Besonderheit: Grundsteinlegung und Richtfest an einem Tag, mit Bauherr Jürgen Schneider nebst Frau Claudia im Jahr 1992
          Besonderheit: Grundsteinlegung und Richtfest an einem Tag, mit Bauherr Jürgen Schneider nebst Frau Claudia im Jahr 1992 : Bild: Bergmann, Wonge

          Auch ein von Schneider vorgelegtes Gutachten, das der Bank einen Objektwert von gut 600 Millionen Mark bescheinigen sollte, hat offenbar niemals auch nur annähernd den tatsächlichen Wert beschrieben. Bemerkenswert ist, dass weder das Gutachten noch die auf dem Papier verdoppelte Verkaufsfläche das Misstrauen der Banker oder anderer Beteiligter erregt hat. Die Bank lieh Schneider 415 Millionen Mark für sein Einkaufszentrum. Am Ende kassierte Schneider - allerdings nicht nur wegen des Projekts an der Zeil - eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und neun Monaten wegen schweren Betrugs. Die Deutsche Bank erlöste beim Verkauf an die niederländische Immobiliengesellschaft Rodamco Europe im Juni 2001 gerade einmal knapp 95 Millionen Mark.

          2004 meldete dann die Immobiliengesellschaft Atis Real Müller, die Zeilgalerie sei so gut vermietet wie noch nie. In den Ebenen null bis zwei boten die Mode-Riesen Benetton und Hennes & Mauritz ihre Waren an, sie tun dies auch noch heute. Doch in den Etagen darüber herrschte ein munteres Kommen und Gehen. Handy-Shops, ein Frisör, Anbieter von exotischen Schnitzereien und kleine Läden, die Wasserpfeifen und Räucherstäbchen verkaufen, öffneten ihre Türen, manche nur vorübergehend. Überwiegend Geschäfte also, die wohl kaum die hohen Mieten zahlen können, die sonst an einer der umsatzstärksten Einkaufsstraßen Deutschlands verlangt werden. In das jahrelang leerstehende Filmtheater im siebten Stock zog 2007 ein 3D-Kino ein, das vor zwei Jahren von der Astor Film Lounge abgelöst wurde.

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