https://www.faz.net/-gzg-8e2m8

Peter Lückemeier : Auch künftig nicht im Anorak auf Streife

Ausnahmsweise am Pult: Peter Lückemeier Bild: Wolfgang Eilmes

Ein Abschied nach 36 Jahren bei dieser Zeitung, aber kein Abschied vom Journalismus: Peter Lückemeier verrät beim Empfang zu seinen Ehren im Städel, dass er noch viel vorhat.

          3 Min.

          Journalisten drängeln sich nicht nach vorne. Als Beobachter sind sie in der letzten Reihe gut aufgehoben. Manchmal aber geht es nicht anders, dann stehen sie am Pult. Peter Lückemeier, der im Metzler-Saal des Städels feierlich in den Ruhestand verabschiedet wurde, nutzte seine Rede für das Versprechen, auch nach seiner Berufstätigkeit als Ressortleiter der Frankfurter Allgemeinen / Rhein-Main-Zeitung werde er nicht im eierschalenfarbenen Anorak durch die Straßen streifen und Falschparker aufschreiben - und wenn doch, so bat er die nahezu 200 Gäste aus Frankfurt und dem gesamten Ballungsraum, möchten sie ihn beiseitenehmen und sanft mahnen. Eine Vorstellung, über die die Schriftstellerin Nele Neuhaus Tränen lachte, wie sie bekannte.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Überhaupt machte Lückemeier, der am 31. Oktober seinen 65. Geburtstag gefeiert hat, nicht den Eindruck, als bedeute für ihn Ruhestand, sich zur Ruhe zu setzen. Er schimpfte ein bisschen auf die starre Altersgrenze, die allenfalls für Industriearbeiter tauge, und kündigte dann frohgemut an, was er in nächster Zeit alles unternehmen wolle. Von Urlaub war nicht mit einem Wort die Rede, dafür von gleich drei Büchern und auch davon, weiterhin für diese Zeitung zu schreiben.

          Seine nie nachlassende Neugier auf Menschen

          Das hatte Werner D’Inka, einer der vier F.A.Z.-Herausgeber, ausdrücklich erbeten. Er berichtete, wovon der erste F.A.Z.-Artikel Lückemeiers, erschienen am 18. Januar 1980, gehandelt und vor allem, wie er begonnen hatte: „Pling, pling, pling di ding.“ So führte der damalige Jungredakteur die Leser lebendig durch eine Spielmaschinen-Messe. Kein Wunder, dass D’Inka die glänzende Sprache Lückemeiers würdigte, aber auch seine nie nachlassende Neugier auf Menschen. „Die Vorstellung, die Leser zu langweilen, ist Ihnen unerträglich“, sagte D’Inka.

          Die Gäste im Städel werden es trotzdem genossen haben, dass sich die Aufmerksamkeit der Journalisten einmal nicht auf sie richtete, denn sonst sind sie es ja, die unter scharfer Beobachtung stehen. Die frühere Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth wüsste davon ein Lied zu singen, aber auch Horst Schneider, das aus Offenbach angereiste Stadtoberhaupt. Städel-Chef Max Hollein, der den kürzesten Weg zum Empfang hatte, kommt in der Presse hingegen durchweg gut weg, auch Stifter Carlo Giersch, ebenfalls unter den Gästen. Der frühere Kulturdezernent Hilmar Hoffmann war zu sehen, ebenso sein einstiger Mitstreiter in der CDU, der frühere Kämmerer Ernst Gerhardt, den Lückemeier wie Giersch als Vorbild für das Rentnerdasein nannte: immer noch aktiv, auch im hohen Alter.

          Berühmt für die „Herzblattgeschichten“

          Der Mainova-Vorstandsvorsitzende Constantin Alsheimer, Binding-Chef Otto Völker, Sparkassenpräsident Gerhard Grandke und die Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Volksbank, Eva Wunsch-Weber, werden sich hingegen beim Hören der Reden gedacht haben, dass es bis zu ihrem Ruhestand noch lange hin ist. Wunsch-Webers Vorgänger Hans-Joachim Tonnellier wiederum weiß seit 2012, wie sich das Rentnerdasein anfühlt. Er war der zweite Redner nach D’Inka und lobte wie dieser das makellose Deutsch Lückemeiers, die Stilsicherheit und bezwingende Logik seiner Kommentare.

          Und natürlich ging Tonnellier auch auf die „Herzblattgeschichten“ ein, in denen der scheidende Ressortleiter 16 Jahre lang nach gründlicher Auswertung der Fachpresse wie „Das Goldene Blatt“ und „Frau mit Herz“ einen Einblick in das Leben der Schönen und Reichen gewährt hatte. Wie immer er es herausbekommen hat, jedenfalls wusste Tonnellier auch zu erzählen, dass sich die Kolumne, in der es vor Redaktionsassistentinnen mit langen Beinen nur so wimmelte, auch in Kirchenkreisen großer Beliebtheit erfreute, und es war weder von Weihbischof Gerhard Pieschl, der den Weg aus Limburg auf sich genommen hatte, noch von Wendelin Köster, der früher das Jesuitenkolleg Sankt Georgen leitete, theologischer Widerspruch zu hören.

          Lückemeier hörte die vielen freundlichen Worte gern und brachte sein eigenes bisheriges Leben in solch kurzer Weise auf den Punkt, wie man es von einem stets auf Zeile schreibenden Journalisten erwartet. Eigentlich müsse ein Mensch im Leben nur zwei wichtige Entscheidungen treffen, meinte er, nämlich bei der Berufs- und bei der Partnerwahl. In beiden Fällen habe er Glück gehabt. Die dritte wichtige Wahl sei vielleicht noch die des richtigen Arbeitgebers, und auch dabei habe er richtig gelegen. „Bleiben Sie dieser Zeitung treu“, riet Peter Lückemeier den Gästen, die zu seinen Ehren ins Städel gekommen waren und die ihn an diesem Tag mit einem langen Applaus feierten. „Sie hat es verdient.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.