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Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim : Vorkämpfer der katholischen Aufklärung

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Lebensfroher Herrscher: Kurfürst Emmerich Joseph galt als volksnah und trinkfest. Bild: ddp images/Martin Oeser

Vor 250 Jahren wurde Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim zum Erzbischof von Kurmainz gewählt. Verdient gemacht hat er sich vor allem um das Schulwesen.

          „Es ist schad, daß der Churfürst von Maynz nit 20 Jahre weniger habe, dasiger Hof wurde einer der lustigsten in Teutschland seyn“, notierte der kurbayerische Minister Joseph Franz Graf von Seinsheim. Der lebensfrohe Fürst, den er sich jünger wünschte, war Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim, auch bekannt unter dem Spitznamen „Breitfass von Schüttesheim“ - angeblich trank er zu jeder Mahlzeit sechs Maß Rheinwein. Emmerich galt als offenherzig und volksnah, obwohl seine Ansichten so gar nicht in Einklang mit dem wundergläubigen Barock-Katholizismus der konservativen Landbevölkerung standen. Er las Voltaire und Diderot, wurde schließlich zum bedeutendsten Herrscher der katholischen Aufklärung. Besonders seine Schulreform wirkte nachhaltig. Letztlich schuf die Rationalisierung des Kurmainzer Ausbildungssystems die Grundlage für die Revolution in der Domstadt.

          Emmerich wurde als sechstes von 19Kindern des Freiherrn Ferdinand-Damian von Breidbach-Bürresheim 1707 in Koblenz geboren. Er hatte Philosophie, Theologie und Jura studiert, bevor er seine Karriere am Mainzer Stift 1732 als Domkapitular begann. Er galt als diszipliniert und erwarb sich Ansehen, weil er die Morgenmesse im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen auch wirklich regelmäßig abhielt. Dennoch war es nicht selbstverständlich, dass der progressive Emmerich 1763 die Wahl zum Erzbischof gewann. Besonders sein konservativer Widersacher, der Dompropst Eltz, hatte starken Rückhalt unter den wahlberechtigten Domkapitularen.

          Reformkurs des Vorgängers fortgesetzt

          Der französische Gesandte am Mainzer Hof, Johann Baptist Kempfer, wurde angewiesen, Emmerich für den Wahlkampf einen Kredit von 100000Livres, ohne geregelte Rückzahlung, zukommen zu lassen. Ob Emmerich das für Bestechungszwecke gedachte Geld angenommen hat, ist nicht überliefert, allerdings wurde er kurz darauf am 5.Juli einstimmig zum Kurfürsten gewählt. Dies, obwohl er noch Mitte Juni 1763 gerade einmal drei von 24Stimmen auf sich vereinen konnte.

          Im neuen Amt setzte Emmerich den Reformkurs seines Vorgängers Johann Friedrich Karl von Ostein fort. Das katholische Deutschland verspürte den Wunsch nach Fortschritt, nachdem Preußen sich im siebenjährigen Krieg als überlegen erwiesen hatte. Ob diese Selbstzweifel berechtigt waren, ist fraglich. Auf militärischem Gebiet war Preußen im 18.Jahrhundert unbestritten Vorreiter, aber sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftspolitisch konnte Emmerich an eine starke Tradition anknüpfen. Kurmainz war ein reiches Agrarland, daneben warfen die wichtigen Handelsrouten an Main und Rhein üppige Zolleinnahmen ab. Preußisch inspiriert war die eher erfolglose Förderung von Manufakturen, etwa der Spiegelmanufaktur in Lohr und der Porzellanmanufaktur in Höchst, ganz im Sinn merkantiler Wirtschaftspolitik.

          Mainzer Hof orientierte sich an Frankreich

          Die allgemeine Schulpflicht bestand in Preußen seit 1717, Kurmainz hatte schon 1682 Volksschulen für alle eingeführt. Deren Qualität war wie in Preußen schwankend, unter Emmerich wurde das Niveau jedenfalls vereinheitlicht, Organisation und Lehrerausbildung wurden rationalisiert. Welche Ideen Emmerich bei seinen Reformprojekten antrieben, ist schwer herzuleiten. „Es ist nicht genau nachzuweisen, was die ideologischen Einflüsse auf Emmerich Joseph waren. Die einzige Bücherliste, die aufzufinden war, zeigt, dass er vor allem an der französischen Aufklärung und febronianischer Theologie interessiert war“, erläutert der Mainzer Historiker Sascha Weber, der kürzlich seine Doktorarbeit über den Kurfürsten geschrieben hat.

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