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„Elvis in Concert“ : Allgegenwart eines toten Königs

Es lebe der König: Bei der Show „Elvis in Concert“ ist Elvis Presley in vielen Filmausschnitten präsent. Bild: Courtesy of Graceland Archives

Elvis lebt – auf der Leinwand. Die Show „Elvis in Concert“ zeigt ihn in Aktion, begleitet von einem Orchester und präsentiert von seiner Ex-Frau.

          3 Min.

          Der König ist seit fast vierzig Jahren tot und doch unsterblich. Das gilt jedenfalls für den King of Rock’n’Roll, Elvis Presley, der immer noch allgegenwärtig erscheint. Um den Mythos des Mannes zu pflegen, den Leonard Bernstein als die größte kulturelle Kraft des 20. Jahrhunderts bezeichnet hatte, wird allerdings auch einiger Aufwand betrieben, wie derzeit etwa im deutschen Fernsehen zu beobachten ist. Da ist in Talkrunden und Shows Priscilla Presley zu erleben, von 1967 bis 1973 Ehefrau von Elvis und Mutter seiner Tochter Lisa Marie, seines einzigen Kindes. Priscilla Presley, die auch als Schauspielerin bekannt geworden ist, wirbt bei diesen Gelegenheiten nicht für einen eigenen Film, sondern die Show „Elvis in Concert“, die den King im nächsten Jahr einmal mehr auf die Bühne zurückbringen wird und sei es auch nur auf einer riesigen Leinwand.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wenn Priscilla Presley, die sich seit Elvis’ Tod am 16. August 1977 als sehr geschickte Geschäftsfrau bei der Nachlassverwaltung erwiesen hat und bis heute in verschiedenen Funktionen für das Unternehmen Elvis Presley Enterprises (EPE) tätig ist, nach Deutschland kommt, begibt sie sich auf die „Memory Lane“, wie sie im Gespräch mit dieser Zeitung sagt. Hier hat sie als 14 Jahre alte Stieftochter eines aus Kanada stammenden Offiziers der amerikanischen Luftwaffe, der in Wiesbaden stationiert war, den King kennengelernt. Der absolvierte Ende der fünfziger Jahre bei der 3. US-Panzerdivision in Friedberg seinen Wehrdienst, durfte aber privat in einer Villa in der Goethestraße in Bad Nauheim wohnen, wo er am 13. September 1959 bei einer Party auf Priscilla Beaulieu traf.

          Zusammenarbeit traf einen Nerv

          „Es war super“, erinnert sie sich heute an jene Zeit und erzählt, dass sie erst im Oktober dieses Jahres Bad Nauheim einen Besuch abgestattet und sowohl die Villa als auch ein Kino, in dem sie mit dem Sänger einst war, fast unverändert vorgefunden hatte. „It looked very much the same“, freut sie sich und fügt an: „Das Leben war einfacher damals“, um dann aber flugs zum heute und zum Wesentlichen, nämlich dem Geschäft, zurückzukommen.

          Da hatte sie vor drei Jahren ihr Riecher nicht getrogen, als sie in einen Vorschlag des englischen Produzenten Don Reedman einwilligte, eine Auswahl berühmter Elvis-Songs mit neuen orchestralen Arrangements zu versehen, die vom Royal Philharmonic Orchestra in London eingespielt werden sollten. Wie Priscilla Presley sagt, hatte Elvis immer davon geträumt, mit einem Symphonieorchester zusammenzuarbeiten.

          Warum sich einer der größten Stars der Welt diesen Traum nicht einfach erfüllte, wo doch ohnehin zahlreiche seiner Songs mit Streicherarrangements versehen waren, bleibt zwar ein Rätsel, doch traf die postume Zusammenarbeit definitiv einen Nerv. Das im Jahr 2015 veröffentlichte Album „If I Can Dream“ verkaufte sich weltweit millionenfach und bescherte dem toten Elvis Presley einmal mehr einen ersten Platz in den englischen Hitparaden.

          Live und mit einigem Wumms

          Es ist kaum verwunderlich, dass dieser Erfolg mit dem im Oktober dieses Jahres veröffentlichten Album „The Wonder of You“ wiederholt werden soll, auf dem ein weiteres Mal das Royal Philharmonic Orchestra Elvis-Hits mit großem Besteck aufpoliert. Gleichwohl sorgte dieses Album im Elvis-Fanlager für einige Aufregung, weil der King dort auch noch in einem nachträglich gefertigten Duett zu hören ist. Dass für eine Version von „Just Pretend“ ausgerechnet der deutsche Schlagerstar Helene Fischer als Duettpartnerin ausgesucht worden ist, traf nicht auf ungeteilte Zustimmung.

          Priscilla Presley präsentiert die Show

          Priscilla Presley war an dieser Auswahl nicht beteiligt, wie sie sagt: „Es war eine Entscheidung von Sony, der Plattenfirma. Ich kannte Helene Fischer vorher nicht. Aber ich meine, sie hat eine sehr schöne Stimme.“ Diese wird allerdings nicht zu hören sein, wenn im Frühjahr das Erfolgsrezept Elvis/Orchester auf europäische Bühnen gebracht wird. In der von Priscilla Presley persönlich präsentierten Show „Elvis in Concert“ gilt alle Aufmerksamkeit dem King, der auf einer gewaltigen Leinwand eine Auswahl seiner bekanntesten Songs zum Besten gibt.

          Dafür sind Aufnahmen aus der im Jahr 1970 entstandenen Dokumentation „Elvis: That’s the Way it is“, aus der Fernsehshow „The ’68 Comeback Special“ und der legendären Konzertübertragung „Aloha from Hawaii“ aus dem Jahr 1973 quasi zu einem Konzertfilm geschnitten worden, vor dem ein Orchester und eine Band gemeinsam zu Elvis’ vom Band klingender Stimme die neuen Arrangements live und mit einigem Wumms spielen werden. Weil der King bei einigen seiner besten Auftritte (zumindest der dokumentierten) als famoser Interpret zu erleben ist, hat diese Art der Präsentation etwas Überlebensgroßes, selbst wenn man weiß, dass dieser König schon lange tot ist.

          „Elvis in Concert“ ist am 20. Mai 2017 in der Frankfurter Festhalle zu sehen. Der Vorverkauf läuft.

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