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Eltzer Hof in Eltville : Steinerne Last einer Adelsgeschichte

  • -Aktualisiert am

Bewahrer: Jakob, Sophie und Karl von Eltz (rechts) auf dem weitläufigen Gelände des Eltzer Hofs Bild: Marcus Kaufhold

Einer der größten Adelshöfe im Rheingau ist der Eltzer Hof in Eltville. Doch ohne öffentliche Hilfe kann die Familie der Grafen zu Eltz die mittelalterliche Anlage nicht revitalisieren.

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          Die Löcher im Boden des eisernen Balkons geben den Blick auf den blauen Himmel frei. Hier und da bröckelt auch der Sandstein, und dem Putz geht es an vielen Stellen nicht besser. Immerhin: Die Dächer sind in einem leidlich guten Zustand. Unter den Dachstühlen soll sich nach und nach wieder urbanes Leben einfinden. Abschnitt für Abschnitt will die Familie der Grafen zu Eltz den großen Eltzer Hof in der Eltviller Altstadt sanieren und einzelne Gebäude für Mietwohnungen in bester Lage am Rheinufer umgestalten. Ein Plan, der einen langen Atem und viel Geld braucht.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Immerhin beteiligt sich auch die öffentliche Hand. Vertreter der Deutschen Stiftung Denkmalschutz haben Karl Graf zu Eltz und seiner Frau Sophie einen Scheck über 50.000 Euro überreicht. Geld, das aus Erträgen der Glücksspirale stammt und für die Aufarbeitung von 14 historischen Fenstern sowie für Sanierungsarbeiten am Martinstor und am Kavaliersbau gedacht ist. An dessen barocke Metallbalkone und Geländer müssen die Restauratoren dringend Hand anlegen.

          „Käufer interessieren sich nur für Filetstücke“

          Der Eltzer Hof ist nicht irgendein denkmalgeschütztes Ensemble in der an Kulturgütern reichen Altstadt von Eltville. Der Hof, der aus einem Dutzend Häusern, An- und Nebengebäuden besteht, bildet mit der Stadtmauer und dem Martinsturm auch nach Ansicht der Stiftung Denkmalschutz „das zentrale stadtbildprägende Ensemble“ der Stadt und ist laut Carla Schulte-Kalms, der Ortskuratorin der Stiftung Denkmalschutz, „ein Juwel im Rheingau“. Ein Juwel, das dringend aufpoliert werden muss.

          Der Sanierungsfall steht symptomatisch für viele Adelshäuser im Rheingau, die über wenig Kapital und große Liegenschaften verfügen. Der letzte Graf auf Schloss Vollrads, Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau, nahm sich das Leben, als die Insolvenz unausweichlich war. Auch der traurige Zustand von Schloss Gronesteyn an der Rüdesheimer Oberstraße ist ein steinernes Zeugnis mangelnder Investitionskraft des Adels. Das gilt ebenfalls für die den Grafen Schönborn gehörende einstige Benediktinerinnenklause Sankt Georg unterhalb von Schloss Johannisberg, die nur mit öffentlicher Hilfe vor dem endgültigen Verfall gerettet wurde. Über das pflegeintensive Ensemble der Familie Langwerth von Simmern in der Eltviller Altstadt gibt es immer wieder einmal Verkaufsgerüchte. Doch allen Adelsfamilien fällt es schwer, sich von Immobilien zu trennen, die über viele Generationen hinweg erworben und erhalten wurden. Die Grafen zu Eltz bilden da keine Ausnahme. Für einige Gebäude hatte der Graf schon Kaufangebote, doch mögliche Investoren interessierten sich für wenige Filetstücke.

          Grafen zu Eltz übernahmen den Hof erstmals 1629

          Die am Eltzer Hof verlaufende Stadtmauer geht auf die Zeit des Streits um den Mainzer Bischofshut zurück, als Eltville zwischen 1347 und 1480 Residenz der Mainzer Erzbischöfe war. Um 1329 war mit dem Bau der erzbischöflichen Burg begonnen und die Stadtmauer errichtet worden, die Stadtrechte wurden 1332 verliehen. Der Eltzer Hof wurde nach 1577, als der Rheingauer Vizedom Hans-Georg von Bicken das Grundstück an der Rheinfront erworben hatte, sukzessive erweitert und erstreckt sich heute von der Rosengasse bis zur Martins- und Leergasse.

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