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Weinauktion in Eltville : Höchstpreise für große Flaschen

Hat gut lachen: Wilhelm Weil neben zwei Flachen des 2018er Jahrgangs Monte Vacano Bild: Weingut Robert Weil

Die traditionelle Weinversteigerung im Kloster Eberbach ist auch unter Corona-Bedingungen und ohne Publikum ein Erfolg.

          3 Min.

          Die Ungewissheit unter den Winzern und Kommissionären war zu Beginn der diesjährigen Weinauktion im Dormitorium von Kloster Eberbach noch mit Händen greifbar, doch am Ende gab es nur zufriedene Mienen. Die erste Weinversteigerung im Rheingau, die ausschließlich online organisiert wurde, war ein Erfolg. Das bestätigte auch der Weinkommissionär Joachim Ress, für den es die 50. ihrer Art im Rheingau war, bei der er für einen Kunden Wein ersteigerte. Für Ress bracht das Jubiläum eine ganz neue Erfahrung, weil im Kloster die sonst üblichen Spontangebote aus dem - wegen Corona diesmal nicht zugelassenen Publikum- ausblieben und er schon im Vorfeld die Gebote hatte einsammeln müssen. Doch das gelang ihm und seinen Kollegen offenbar sehr gut.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Versteigert wurden 4181 Flaschen. Der Gesamtumsatz erreichte 255.000 Euro, was in jüngerer Zeit eine unerreichte Bestmarke ist. Und für einen jungen trockenen Wein wurde ein Rekordpreis notiert: 18.000 Euro netto war einem unbekannten Weinfreund die Zwölf-Liter-Flasche „Monte Vacano“ aus dem Weingut Robert Weil wert. Es ist ein trockener Riesling des Jahrgangs 2018, der im vergangenen Jahr nach zweijähriger Reifung erstmals vorgestellt wurde. Er stammt aus einer besonderen Parzelle des Kiedricher Gräfenberg, der zu den besten Weinbergslagen in Deutschland zählt. „Das ist der beste trockene Riesling, den wir je erzeugt haben“, sagt Weil. Er wertete das in dieser Höhe nicht erwartete Gebot als Wertschätzung für die Arbeit, die von den Winzern im Rheingau geleistet werde. Die Standardflasche (0,75 Liter) dieses neuen „Ultrapremium“-Weins war 2020 zur Vorbestellung für 105 Euro angeboten worden. Regulär sollte er 130 Euro. Die Nachfrage überstieg das Angebot um ein Mehrfaches, so dass der Wein zugeteilt werden musste.

          Spezialitäten aus der Schatzkammer

          Insgesamt wurden nur drei dieser Großflaschen, die als „Balthasar“ bezeichnet werden, gefüllt, und zwei davon sollen dauerhaft in der Schatzkammer des Weinguts Weil in Kiedrich aufbewahrt werden. 100 Magnum-Flaschen dieses Weins für jeweils 520 Euro versteigert. Die Strategie des Verbands der Prädikatsweingüter, der phasenweise in die Krise geratenen Weinversteigerung durch besondere Weine und große Flaschen neue Impulse zu geben, scheint aufzugehen. Eine Zwölfliterflasche „Goethewein aus dem Brentanohaus“ des Weinguts Allendorf mit Künstleretikett aus Sandstein wurde von Auktionator Ulrich Allendorf für 360 Euro aufgerufen und für 6300 Euro zugeschlagen. Eine sechs Liter fassende Flasche („Methusalem“) der Hessischen Staatsweingüter, die mit Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder des sehr guten Rotwein-Jahrgangs 2009 gefüllt war, fand für 3600 Euro einen neuen Besitzer. Die größte Flasche allerdings präsentierte Schloss Johannisberg: Erstmals hatte das Schloss eine „Nebukadnezar“ mit 15 Litern der 2019er Grünlack Riesling Spätlese gefüllt, und das war einem Weinfreund 2100 Euro wert. Offen bleibt, bei welcher Gelegenheit wohl eine solche Flasche geöffnet wird.

          Erstmals seit vielen Jahren war auf der Versteigerung wieder das Assmannshäuser Weingut August Kesseler vertreten, das für seinen Spätburgunder berühmt ist. Es offerierte nur zwei Kisten, die mit je zwei Flaschen „Großes Gewächs“ der Jahrgänge 2012, 2015 und 2016 bestückt waren. Damit führte das Weingut unfreiwillig zugleich den Beleg, welch herausragenden Ruf der Assmannshäuser Höllenberg als Herkunft für Spätburgunder hat. Denn die Kiste mit den sechs Flaschen aus diesem Weinberg wurde für 3600 Euro versteigert, während das rote Wein-Pendant aus dem steilen Rüdesheimer Schlossberg schon für 2500 Euro einen neuen Besitzer fand.

          Begehrte Mixkisten

          Wie begehrt Mixkisten sind, die es so nirgends zu kaufen gibt, bestätigte das Hochheimer Weingut Künstler, das 2300 Euro für sechs Spitzenweine unterschiedlicher Jahrgänge erhielt, und ebenso das Weingut Wegeler, dessen eigens vom Schreiner angefertigte Holzkiste mit zehn Magnumflaschen „Geheimrat J.“-Riesling der zehn Jahrgänge 2010 bis 2019 für 5000 Euro verkauft wurde. Das sind immerhin 500 Euro je Magnumflasche (1,5 Liter).

          Die Stars einer denkwürdigen Auktion waren jedoch die beiden 100 Jahre alten Weine, die Staatsweingüter-Geschäftsführer der bestens bestückten Kloster Eberbacher Schatzkammer entnommen hatte: Der Benefizwein, ein 1921er Assmannshäuser Höllenberg, brachte 10.000 Euro für die Eltviller Philipp-Kraft-Stiftung, die sich Integration, Förderung und Teilhabe auf ihre Fahnen geschrieben hat. Die Hoffnungen von Greiner, dass auch die Erbacher Marcobrunn Trockenbeerenauslese des Jahrhundertjahrgangs 1921 einen fünfstelligen Betrag erzielen würde, erfüllte sich: Mit dem Zuschlag für 15.000 Euro beendete Ulrich Allendorf seinen ersten Arbeitstag vor 600 Zuschauern am heimischen Bildschirm als neuer Auktionator des VDP.

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