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Familieninitiative : Gegen Corona-Abstand und Maske auf Schulhof

Rückkehr zu Normalität: Zwei Wochen vor Ferienbeginn hatten die hessischen Grundschulen den Präsenzunterricht aufgenommen. Bild: dpa

Zu strikte Pandemie-Regeln schaden nach Ansicht von „Familien in der Krise“ den Kindern. Die Initiative fordert mehr Normalität nach den Ferien. Und ein Schnupfen dürfe keinen Kita-Ausschluss bedeuten.

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          Hessische Schulen sollen keine Maskenpflicht mehr auf Pausenhöfen verhängen und Kitas sollen Kinder mit Erkältungssymptomen nicht mehr nach Hause schicken dürfen. Das sind zwei Punkte aus einem Forderungskatalog für das bevorstehende Schuljahr, den die Initiative „Familien in der Krise“ an die Landesregierung und den Frankfurter Magistrat geschickt hat.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          In den vergangenen Monaten seien die Corona-Beschränkungen für Familien eine erhebliche, von der Politik nicht genügend berücksichtigte Belastung gewesen. Virologen hätten inzwischen erkannt, dass Covid-19 weit weniger durch Kinder verbreitet werde als anfangs angenommen. Zugleich warnten Ärzte, Soziologen und Psychologen vor langfristigen Schäden, die durch die Corona-Beschränkungen bei Kindern entstünden.

          „Nicht reflexhaft Kitas und Schulen schließen“

          Die Elterninitiative fordert, dass im Fall einer abermaligen Zunahme der Infektionszahlen „nicht reflexhaft als erste und einzige Maßnahme Kitas, Schulen und andere Kinderbetreuungseinrichtungen sowie Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit geschlossen werden“. Nötig seien anlassbezogene, klare und nachvollziehbare Schritte, über die Einrichtungen und Familien frühzeitig informiert werden müssten.

          Die Politik müsse die Vorgaben für die Kinderbetreuung in wichtigen Punkten überarbeiten und konkretisieren, heißt es in dem offenen Brief. Die bisherigen Richtlinien seien zum Teil widersprüchlich, was zu einer Verunsicherung führe, in deren Folge die Träger ihren Betrieb unnötig stark einschränkten. Dazu zählen die Eltern die Praxis, Kinder schon wegen eines Schnupfens von der Betreuung auszuschließen. Selbst ein negativer Corona-Test werde von manchen Einrichtungen nicht akzeptiert.

          Eine laufende Nase sei vor allem in der kalten Jahreszeit keine Seltenheit, sondern die Regel, argumentieren die Eltern. Kleine Kinder erlebten zahlreiche, aber ungefährliche Infekte. Wenn ihnen die Betreuung verwehrt werden, stelle das die Familien, insbesondere alleinerziehende und berufstätige Eltern, vor große Probleme. Die Urlaubs- und Krankheitstage seien bei vielen Angestellten nach dem Lockdown aufgebraucht, eine Betreuung zu Hause sei nicht mehr möglich. Die Initiative fordert für Krippen, Kindergärten und Horte eine „Negativliste“ mit Symptomen, die allein nicht ausreichen sollen, um Kinder nach Hause zu schicken.

          Außerdem müssten die Angebote der offenen Kinder-, Jugend- und Familienarbeit wieder in vollem Umfang aufgenommen werden. Während die Einschränkung auf eine Person je fünf Quadratmeter in der Gastronomie beispielsweise aufgehoben worden sei, habe sie in der offenen Kinder- und Jugendarbeit noch Bestand. Dies gehe insbesondere zu Lasten von sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen, die auf solche Angebote angewiesen seien.

          Lehrer sollen Schüler wöchentlich anrufen

          Das Vorhaben des hessischen Kultusministeriums, nach den Ferien den Regelbetrieb an den Schulen wieder aufzunehmen, heißt die Initiative gut. Das Ziel eines vollumfänglichen Präsenzunterrichts sei richtig. Allerdings seien die Vorgaben teils zu offen formuliert, was zu „extrem unterschiedlichen Interpretationen an den einzelnen Schulen“ geführt habe. Unter anderem müsse das Ministerium klarstellen, dass es auf den Pausenhöfen keine Maskenpflicht und keine Abstandsregeln geben dürfe. Nur so könne die Schule wieder zum „sozialen Interaktionsraum“ für Kinder und Jugendliche werden.

          Wenn Fernunterricht doch wieder unvermeidlich werde, dann müssten dafür feste Unterrichtszeiten gelten. Es müsse „virtuelle Klassenzimmer“ geben und die Lehrer müssten persönlichen Kontakt zu den einzelnen Schülern halten, unter anderem mit Telefonanrufen mindestens einmal wöchentlich.

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