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Krippen-Sammlerin : Neues Zuhause für Krippen aus aller Welt

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Gute Hirtin: 600 Krippen hat Elke Gutberlet zusammengetragen. Bild: Maria Klenner

Josef hat sie in hunderter Ausführung, Maria und das Christkind auch. Elke Gutberlet sammelt Krippen.

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          Sie sind geschnitzt oder geklebt, aus Draht, Stoff oder Holz, haben afrikanische, asiatische oder indigene Gesichtszüge: Weihnachtskrippen und ihre Figuren werden in allen Erdteilen und von vielen Kulturen hergestellt. Maria, Josef und das Kind sind immer dabei, doch die Ausstattung der Krippen variiert. Und bei Elke Gutberlet in Rödelheim variiert auch jedes Jahr das Thema ihrer eigenen Krippenausstellung. Dieses Jahr lautet es „Frieden auf Erden“, und es wird das letzte Mal sein, dass Gutberlet eine Auswahl ihrer über 600 Weihnachtskrippen aus aller Welt in der Rödelheimer Cyriakuskirche zeigt.

          „Die Kirche wird umgebaut, es gibt keinen Platz mehr für 600 Krippen“, sagt die freundliche blonde Frau und klingt dabei etwas wehmütig. Ihr verstorbener Ehemann, Heinrich Dippel, damals Pfarrer in Rödelheim, hatte vor über 35 Jahren begonnen, Krippenfiguren aus aller Welt zu sammeln. Ein enger Kontakt zu den Missionsbenediktinern in Münsterschwarzach führte dazu, dass immer neue Krippenfiguren ihren Weg nach Frankfurt fanden. „Die Künstler in den ärmeren Ländern, gerade in Afrika oder Lateinamerika, haben wenig Absatzmärkte für diese Krippen“, erzählt Elke Gutberlet.

          Teil der Einnahmen an Weisenheime oder Schulen

          „Sie bieten sie immer wieder den Missionsstationen an, damit die sie den Einheimischen abkaufen und sie weiterverkaufen.“ Die Missionsbrüder bezahlten die lokalen Künstler landesüblich und sorgten damit auch für Einkommen in deren Familien. „Außerdem wird darauf geachtet, dass ein kleiner Teil der Einnahmen auch an karitative Projekte wie Waisenheime oder Schulen in der Region fließt“, so Gutberlet, die die umfangreiche Krippensammlung seit dem Tod ihres Mannes 2004 allein weitergeführt und ausgestellt hat.

          Zwischen 20 und über 2000 Euro haben die Eheleute für die Krippen ausgegeben, immer eigenfinanziert. „Es ist eine rein private Sammlung“, sagt Elke Gutberlet. Ihre Kinder hätten geholfen, die Krippensammlung auszubauen, aber „rund 80 Prozent haben wir über verschiedene Missionsstationen erworben“.

          Elke Gutberlet, die früher in der katholischen Erwachsenenbildung tätig war, kann unter den 600 Exemplaren aus aller Welt keine Lieblingskrippe ausmachen. Aber manche der rund 500 Besucher, die jedes Jahr wieder in ihre Ausstellung kommen, schon: „Einige kommen immer wieder, manche sogar mehrmals in dieselbe Ausstellung“, sagt sie. „Unter verschiedenen Themen und in unterschiedlicher Zusammenstellung wirken manche Krippen auch anders.“

          „Kann nicht jedes Mal alle zeigen“

          Langjährige Besucher vermissten auch schon mal ihre Lieblingskrippe. „Aber ich kann und will ja nicht jedes Mal alle zeigen.“ Jahr für Jahr hat sie etwa 200 ihrer Krippen ausgestellt. Und jedes Mal benötigt sie eine ganze Woche für den Aufbau zu Beginn der Adventszeit und eine weitere für den Abbau im Januar. „Das ist dann schon auch anstrengend“, sagt sie. Gesammelt haben ihr Mann und sie aus kulturgeschichtlichem und sozialem Interesse, nicht für den Hausgebrauch. „Mein Mann wollte zeigen, wie andere Völker christliche Traditionen deuten“, sagt Gutberlet. Nicht alle Krippen würde man sich zu Hause aufstellen, zum Beispiel die Krippe der Chipibo-Indianer aus dem Amazonas-Gebiet: „Die Figuren sind bunt bemalt, mit dicken Linien am ganzen Körper. Das ist den Heilungsriten der Indianer nachempfunden, wo bei Krankheiten die Schamanen versuchen, den gestörten Körperströmen des Patienten nachzuspüren, sie dann auf die Haut malen und dadurch zu heilen.“ Vielleicht nicht im europäischen Sinne heimelig und schön, aber kulturgeschichtlich interessant sei das. So interessant, dass sich auch das Weltkulturenmuseum am Mainufer für dieses besondere Exponat der Ausstellung interessiert.

          Nach dieser letzten Ausstellung in der Cyriakuskirche sucht Gutberlet für ihre Krippen jetzt ein neues Zuhause. Mit einigen Museen ist sie bereits im Gespräch. „Ich werde sie wohl nicht alle an einem Ort unterbringen können“, sagt sie. „Die meisten Museen haben dafür keinen Platz.“

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