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Elite-Hochschule : Zeugen im EBS-Ausschuss: Bei Geschäftsplänen getrickst

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Mit ihr beschäftigt sich der Landtag: European Business School Bild: dpa

Im EBS-Untersuchungsausschuss des hessischen Landtags ist die große Sensation bislang ausgeblieben. Doch die kleinteilige Zeugenvernehmung zeigt: Mit Zahlen und Plänen ging die Privathochschule locker um.

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          Die private European Business School (EBS) hat nach Zeugenaussagen im Untersuchungsausschuss des hessischen Landtags nur mit Zahlentricks die Bedingungen für Fördergelder des Landes Hessen erfüllt. Das Landtagsgremium in Wiesbaden hat zum zweiten Mal Zeugen vernommen. Der Untersuchungsausschuss soll klären, ob die CDU/FDP-Landesregierung zu Recht 23 Millionen Euro in den Aufbau einer Rechts-Fakultät an der Privathochschule gesteckt hat.

          Dafür flossen erstmals 2009 staatliche Gelder. Allerdings hatte die EBS in dem Jahr Schwierigkeiten, überhaupt sechs Millionen Euro Kosten für den Ausbau nachzuweisen, wie Zeuge Ralf Langendörfer berichtete. Er leitete damals das Rechnungswesen und ist heute Geschäftsführer des EBS-Bereichs Weiterbildung.

          Universität als Dach

          Also sei ein Drei-Säulen-Modell erfunden worden - mit seiner Mithilfe. Neben der existierenden Wirtschaftsfakultät sollten die Juristenausbildung und eine Universität als Dach darüber aufgebaut werden. Für zwei dieser drei Säulen konnte öffentliches Geld in Anspruch genommen werden.

          Langendörfer sagte, vor dem Förderbescheid habe der damalige EBS-Präsident Christopher Jahns kurzfristig den Geschäftsplan korrigiert, um die Bedingungen des Landes zu erfüllen. Er selbst habe die neue Einnahmen- und Ausgabenplanung nicht für fundiert gehalten: „Aus meiner Sicht war es zu arg.“ Intern habe man mit vorsichtigeren Zahlen operiert.

          Gebraucht wurden die Millionen trotzdem, denn die EBS hatte wegen Jahns’ Expansionskurs mit Liquiditätsproblemen und Verlusten zu kämpfen. Das bestätigte neben Langendörfer auch der frühere EBS-Berater Hagen Ringshausen. Allerdings musste Ringshausen vor den Abgeordneten verschiedene markige Aussagen abschwächen, die er bei Vernehmungen durch die Staatsanwaltschaft 2011 gemacht hatte. Dort hatte er den Geschäftsplan der EBS „getürkt“ genannt, die Hochschule gehe „auf dem Zahnfleisch“, der Aufsichtsrat sei „gekauft“.

          Rettende Hand des Landes

          Diese Einschätzungen beruhten auf Hörensagen, räumte Ringshagen ein. Er blieb aber dabei, Jahns habe Pläne ausarbeiten lassen, wie Geld für die Jura-Fakultät in den laufenden Betrieb der Business School umgeleitet werden kann. Ob dies umgesetzt worden sei, wisse er nicht, sagte der Zeuge. Die Opposition im Landtag vermutet, dass die Regierung mit ihrem Geld die EBS gezielt vor der Pleite gerettet hat.

          Ab 2011 ließ die Landesregierung die Förderung rückwirkend von Wirtschaftsprüfern durchleuchten. Dabei seien „erhebliche Mängel festgestellt“ worden, sagte Gerhard Schroeder, einer der Prüfer.

          Die Juristenausbildung an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht begann mit viel weniger Studenten als geplant. Seit Anfang 2011 machten auch Untreuevorwürfe gegen Jahns die Runde und schadeten dem Image der Hochschule. Wegen der mutmaßlichen Untreue steht der ehemalige Hochschulpräsident derzeit in Wiesbaden vor Gericht.

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