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Odenwald : Hessen rettet Elfenbein in das Erbacher Schloss

  • -Aktualisiert am

Elfenbeinturm: Der Schlosskauf durch das Land Hessen war umstritten (Archivbild). Bild: dpa

Die Schließung des weltweit einzigartigen Spezialmuseums dieser Art ist abgewendet. In dem vor zehn Jahren erworbenen Schloss macht das Land Platz

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          In Erbach im Odenwald werden zwei Museen zusammengelegt. Zum Jahresende schließt das Deutsche Elfenbeinmuseum und wird im Frühjahr Platz im Gräflichen Schloss finden. Das Elfenbeinmuseum befindet sich in städtischem Besitz, das Schloss gehört dem Land Hessen. Die Sammlung von Elfenbeinschnitzereien bleibt im Besitz der Stadt, die sich am künftigen Betrieb durch die Betriebsgesellschaft Schloss Erbach gGmbH finanziell beteiligt. Bisher nicht genutzte Depoträume im Erdgeschoss des Schlosses sollen die Elfenbeinsammlung aufnehmen. Die Kosten für Umzug, Sanierung und Einrichtung der Ausstellungsräume schätzt Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein (CDU) auf eine Million Euro.

          Rhein sprach davon, dass die Landesregierung das Elfenbeinmuseum gerettet habe. Bürgermeister Harald Buschmann (CDU) erläutert dies mit Hinweis auf Bestimmungen aus der Schutzschirm-Vereinbarung, die den Betrieb des Museums als „weitere freiwillige Leistung“ einstufe. Zwar gebe es kein kommunales Museum, das ganz ohne öffentliche Zuschüsse auskomme, doch die Schließung habe tatsächlich gedroht. Mit der aktuellen Lösung ist Buschmann sehr zufrieden, sichere sie doch das Überleben des „weltweit einzigen Spezialmuseums dieser Art“. Er rechnet mit einer Belebung der Innenstadt.

          Tatsächlich zählen Schloss und Elfenbeinmuseum immer weniger Besucher. Die Busreisen gehen zurück, und das Interesse an Tagesausflügen in den Odenwald nimmt ab. Buschmann erinnert an Zeiten, als noch 60 000 Besucher im Jahr in das 1966 gegründete Elfenbeinmuseum gekommen seien. Damals hätten auch Bundespräsidenten den Weg nach Erbach gefunden.

          Reaktion auf Besucherschwund

          Die Elfenbeinschnitzerei kam im Odenwald auf, als im 18. Jahrhundert Graf Franz I. im europäischen Adel die aristokratische Vorliebe für das edle Material kennenlernte. Er machte die Elfenbeindrechselei 1783 in seiner Grafschaft heimisch und sicherte in dem armen Landstrich den Holz- und Hornschnitzern eine Verdienstmöglichkeit. Im 19. Jahrhundert wurde Erbach zu einem Schnitzerzentrum. Im nahen Michelstadt gibt es noch heute eine Fachschule für Holz und Elfenbein mit Meisterausbildung. Im Museum selbst kann man Schnitzern bei der Arbeit zuschauen.

          Aus Japan ein „Glücksschiff“: 2000 Exponate aus aller Welt präsentiert das 2006 umgebaute Erbacher Wlfenbeinmuseum in seinen Schaukästen.
          Aus Japan ein „Glücksschiff“: 2000 Exponate aus aller Welt präsentiert das 2006 umgebaute Erbacher Wlfenbeinmuseum in seinen Schaukästen. : Bild: Marcus Kaufhold

          Mit dem Artenschutzabkommen und dem Handelsverbot für Elfenbein im Jahre 1989 fand der Aufschwung ein Ende. Heute nehmen die Schnitzer Stoßzähne des ausgestorbenen Mammuts, das sie aus Sibirien beziehen. Im Museum und bei den Schnitzerfamilien zu Hause lagert allerdings noch echtes Elfenbein, das in kleinen Mengen und unter genauer Kontrolle verarbeitet werden darf. Auf den Besucherschwund im Elfenbeinmuseum auf 18 000 im Jahr reagierte die Stadt. Sie baute Personal ab, reduzierte Öffnungszeiten, erhöhte die Preise und schloss in den besucherschwachen Monate. So ließen sich die Kosten auf 150 000 Euro im Jahr halbieren.

          Bessere Werbung

          Wenn das Museum in das Schloss zieht, dann schließt sich ein Kreis. Denn Graf Franz I. unterhielt im Schloss selbst eine eigene Schnitz- und Drechselwerkstatt. Dort sind auch von ihm selbst gefertigte Pokale und Dosen ausgestellt. Im Wesentlichen hatte der Graf das Schloss mit seinen Sammlungen - griechische und römische Exponate, Ritterrüstungen, Geweihe - eingerichtet. Die originalen Bestände sind dort ausgestellt, und dadurch bekam die Ausstellung selbst einen musealen Charakter.

          Mit Besucherschwund aus den gleichen Gründen wie im Elfenbeinmuseum hat auch die Gräfliche Sammlung im Schloss zu kämpfen, auf zuletzt 16 000. Die Kosten für das Elfenbeinmuseum werden für die Stadt dann bei 60 000 Euro eingefroren. Sie verspricht sich von der Zusammenlegung eine bessere Werbung, erwartet mehr Besucher im Zentrum, die sich nicht mehr für eines der beiden Ziele entscheiden müssen.

          2005 hatte das Land Hessen nach langen Auseinandersetzungen das Erbacher Schloss mit seinen Sammlungen für 13,3 Millionen Euro gekauft. Darüber gab es lange und heftige Auseinandersetzungen. Vor allem schien es zunächst, als bekomme der Graf lebenslanges unentgeltliches Wohnrecht für sich und seine männlichen Nachkommen. Dann wurde festgelegt, dass das obere Stockwerk ihm als eine Art Eigentumswohnung bleibt.

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