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Neue EZB-Präsidentin : Elf Frankfurt-Tipps für Christine Lagarde

Farbtupfer: Am Donnerstag unternimmt Christine Lagarde ihre ersten Schritte als EZB-Präsidentin in Frankfurt. Bild: Bloomberg

Die neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank, die am Donnerstag ihr Amt antritt, möchte in Frankfurt sicher nicht nur arbeiten, sondern in der Stadt auch heimisch und sichtbar werden. Darum haben wir für sie elf maßgeschneiderte Anregungen.

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          Kehren Sie zu Ihren Wurzeln zurück: zum Synchronschwimmen.

          Als Europas mächtigste Bankerin könnte Christine Lagarde sprichwörtlich in Geld schwimmen, ganz unvertraut ist ihr das Gefühl nicht: Die Französin war als Jugendliche begeisterte Synchronschwimmerin, allerdings in mit Wasser gefüllten Schwimmbecken. Mit 15 Jahren gewann sie mit ihrem Team die Bronzemedaille bei den französischen Nationalmeisterschaften. Nun ist Lächeln unter Anstrengung und synchrones Auftreten auch für eine Zentralbankchefin sicher hilfreich. Trainieren kann sie das in der Region zum Beispiel beim Ersten Sodener Schwimmclub 1927, der mit Lea Kittinger sogar ein Mitglied der deutschen Nationalmannschaft stellt. Das Erwachsenenteam des Bad Sodener Vereins trainiert zwei Mal die Woche, unter anderem in der Halle des Landessportbunds am Frankfurter Stadion – und gewann bei der Europameisterschaft 2013 auch Bronze.

          Ins Schwitzen können Sie gleich neben Ihrem Büro kommen.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Als Vorsitzende eines Rats, dem die sechs Direktoriumsmitglieder der EZB und die Vertreter von 19 nationalen Notenbanken angehören, muss man sich mitunter ordentlich strecken und verrenken können. Wie passend, dass Lagarde täglich und begeistert Yoga trainiert. Das demonstrierte sie etwa im Jahr 2011 – damals war sie bereits Chefin des Weltwährungsfonds –, als sie sich von einem Pariser Magazin bei Aufwärmübungen in ihrer Washingtoner Wohnung fotografieren ließ. In Frankfurt kann sie sich zum Beispiel in einem Yoga-Studio direkt auf der anderen Straßenseite von der EZB-Zentrale im Ostend anmelden. Und wenn ihr das zu nah an der Arbeit ist, kann sie unter einem Dutzend Anbietern in der Innenstadt und an der Berger Straße auswählen. Für einen anderen Sport, den Lagarde betreibt, sieht es da trüber aus, im wörtlichen Sinn. Tauchen kann sie in Hessen nur in ganz wenigen Seen, etwa in Mainflingen, im Edersee oder im türkisen Singliser See, der den Beinamen „Hessische Karibik“ trägt.

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          Ihre Geraldine muss zum Einkaufen nicht nach Paris.

          Kleidung kaufe sie meist nicht selbst, hat Christine Lagarde einmal in einem Interview verraten. Darum kümmere sich eine ihrer Mitarbeiterinnen namens Geraldine. Die kenne ihren Geschmack und ihre Größe und gehe im Auftrag der Grande Dame der Finanzen shoppen, hauptsächlich beim Modedesigner Armand Ventilo in Paris und bei Austin Reed in London. Doch die von Lagarde bevorzugten Chanel-Kostüme gibt es zum Beispiel auch bei Chanel an der Goethestraße. Und die dauerreisende Beamtin kann es bei einem Second-Hand-Geschäft wie Ewa Lagan an der benachbarten Kaiserhofstraße probieren. Die Hermés-Handtaschen sind dort zwar gebraucht und teurer als die Originale, in dem Laden jedoch ohne die sonst übliche Wartezeit zu bekommen.

          Sie können Ihre schicken Kostüme häufig öffentlich zu zeigen.

          Vorgänger Mario Draghi hat sich sicher viele Verdienste erworben. Um das Verhältnis der Europäischen Zentralbank zu ihrem Standort Frankfurt hat er sich aber nicht verdient gemacht. Bisher wird die EZB hauptsächlich als großes Gebäude, nicht als wichtige Institution in der Stadt wahrgenommen. Wenn die deutlich aufgeschlossenere Nachfolgerin Lagarde das ändern möchte, wird die Stadtgesellschaft sie zweifellos mit offenen Armen empfangen. Erste Gelegenheiten bieten dazu die Neujahrsempfänge der Stadtregierung im Römer sowie der Industrie- und Handelskammer am Börsenplatz. Anfang des Jahres kommen dort die wichtigsten Vertreter der Region aus Politik und Wirtschaft zusammen. Schon im November treffen sich die Spitzen der deutschen und europäischen Finanzbranche alljährlich bei der Euro Finance Week im Kongressgebäude Kap Europa. Und wenn sich Lagarde dort überall bewährt, kann sie womöglich sogar darauf hoffen, eine der handverlesenen Einladungen zu einer Premiere im Tigerpalast zu ergattern.

          Schmutzig können Sie sich dann gern in Fechenheim machen.

          Wenn die Bankerin mal des Sports oder der eleganten Kleider überdrüssig sein sollte: Die Pfadfindergruppe „Die Normannen“ in Frankfurt-Fechenheim freut sich garantiert über ein weiteres helfendes Mitglied. Lagarde war als Kind selbst Pfadfinderin. Warum dorthin? Erstens gehört die Fechenheimer Gruppe der katholischen Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg an, und Lagarde ist Katholikin. Und zweitens ist die Französin praktisch selbst eine Normannin. Geboren wurde sie zwar in Paris, aufgewachsen aber ist sie in Le Havre.

          Drinks im Bahnhofsviertel gibt es auch für Anti-Alkoholiker.

          Als Vegetarierin und absolute Anti-Alkoholikerin wird Lagarde es in der Weinregion schwer haben. Zwar ist die Bionade, das Kioskgetränk aller hippen Großstädter, ja inzwischen nach Rhein-Main eingemeindet worden, die Marke gehört zum Hassia-Konzern aus Bad Vilbel. Doch Frankfurt ist nicht nur die Euro-Zentrale, sondern auch Bundeshauptstadt des Apfelweins und der Cocktail-Bars. Die können aber sicher auch alkoholfreie Getränke mixen. Die Kinly Bar im Bahnhofsviertel zum Beispiel ist gerade erst zu Deutschlands bester Bar gekürt worden. Auf Wein muss auch nicht verzichtet werden, Rheingauer Winzer wie das Weingut Carl Jung oder die Familie Leitz aus Rüdesheim bieten auch promillefreie Rieslings an. Und an vegetarischen Spezialitäten mangelt es ebenfalls nicht. Im Ausland mag Frankfurt für seine Würstchen bekannt sein, die Einheimischen dagegen servieren selbst an Feiertagen gerne Grüne Soße, die angerührt ist aus sieben Kräutern. Vielleicht kann Lagarde ja beim nächsten Mal mithelfen, den Weltrekord im Grüne-Soße-Essen zu knacken.

          Synchronschwimmen: Mit 15 Jahren gewann sie mit ihrem Team die Bronzemedaille bei den französischen Nationalmeisterschaften. Bilderstrecke
          Neue EZB-Präsidentin : Elf Frankfurt-Tipps für Christine Lagarde

          Kräuter und Blumen finden Sie bei Ihren Nachbarn im Westend.

          Lagarde hat nach eigener Aussage schon eine Wohnung im Westend gemietet, in dem Stadtviertel, in dem ihr Vorgänger, der Römer Mario Draghi, zwei bis drei Nächte in der Woche verbracht haben soll. Die räumliche Nähe zum Palmengarten und zum Botanischen Garten ist von seiner Nachfolgerin sicher nicht zufällig gewählt. Lagarde gilt als begeisterte Hobbyzüchterin. Nicht ausgeschlossen also, dass sie bald regelmäßig durch die Frankfurter Gärten streift. Und vielleicht pflückt sie sich ja mal die Bodendecker-Rose „Palmengarten Frankfurt“. Diese ist nicht nur schön anzuschauen, sie gilt zudem als Alleskönner, als robust, anspruchslos und sie soll Hitze gut vertragen können.

          Aufblühen können Sie aber auch unter Frankfurter Frauen.

          Eines von Lagardes wichtigsten Anliegen ist immer die Förderung von Frauen gewesen. Wenn sie als Direktorin des Weltwährungsfonds andere Länder besuchte, stand in ihrem Kalender auch immer ein Besuch bei Unternehmerinnen oder engagierten Frauen. Daher dürfte sie sich wohl bald beim Frankfurter Club „Business and Professional Women“ blicken lassen. Als Datum kann sich Lagarde schon einmal den nächsten Clubabend am 19. November notieren. Oder auch den 4. Dezember, wenn die Anwesenden das Thema „Bücher von Frauen = Frauenbücher?“ diskutieren. Deutlich digitaler geht es bei den Digital Media Women zu, die laden zum Beispiel am Mittwoch zum beruflichen Netzwerken per „Speed Dating“ nach Eschborn ein.

          Große Töne gibt es abends in der Innenstadt zu hören.

          Die Dreiundsechzigjährige gilt als großer Opernfan, seitdem ihr Vater sie regelmäßig mitgenommen hatte. Da ist sie in Frankfurt richtig. In der Oper am Willy-Brandt-Platz wird demnächst die Oper „Manon Lescaut“ aufgeführt. Im Werbetext steht dazu: „In ihrer Sehnsucht nach einer besseren Existenz verfolgt die betörende Manon mit unbedingtem Willen und Ehrgeiz die Veränderung ihrer sozialen Situation“. Das könnte Lagarde gefallen. Aber Obacht: die Geschichte geht tragisch aus. Ansonsten kann sie sich auch selbst ein Geburtstagsgeschenk bereiten und die Oper Don Carlo am Neujahrstag besuchen – Lagarde kam am 1. Januar zu Welt.

          Nachhilfelehrer finden Sie im Westend und im Nordend.

          Kritiker werfen der neuen Zentralbank-Präsidentin vor, dass sie sich nicht wirklich mit Geldpolitik auskenne und nicht ausreichend qualifiziert sei. Sicher, sie war acht Jahre lang Direktorin des Internationalen Währungsfonds, vier Jahre Wirtschafts- und Finanzministerin sowie zwei Jahre Handelsministerin in Frankreich, zudem leitete sie einst in Chicago eine der größten Wirtschaftskanzleien in den Vereinigten Staaten. Aber was heißt das schon. Zum Glück gibt es in Frankfurt zwei Institutionen, in denen die Französin bestimmt noch etwas Nachhilfe in Finanzwirtschaft erhalten kann: das House of Finance auf dem Campus Westend, das sie bereits 2016 einmal besucht hatte, und die Frankfurt School of Finance and Management im Nordend. Die dortigen Studiengebühren sollte sie sich von ihrem Präsidentengehalt – Vorgänger Mario Draghi bezog 386.000 Euro im Jahr – zweifellos leisten können.

          Ihr Partner lebt nur 90 Minuten entfernt.

          Seit mehreren Jahren ist die geschiedene Lagarde mit dem Unternehmer Xavier Giocanti liiert. Der 65 Jahre alte Mann aus Marseille hat es nun leicht, zu seiner Freundin zu pendeln. Zwischen dem Paar liegt nicht länger der Atlantik, sondern nur noch der Rhein. Drei mal täglich gibt es Direktflüge mit der Lufthansa von Marseille nach Frankfurt und zurück. So könnte der Lebensgefährte zum Beispiel freitags die Mittagsmaschine nehmen, die um 12.35 Uhr in Frankfurt landet, das Wochenende am Main verbringen und montags den Flieger um 8.35 Uhr zurück nach Marseille nehmen. Nur gelten Flugzeuge nicht gerade als klimafreundlich. Xavier Giocanti kann deshalb auf eine bequeme, wenn auch etwas langsamere Alternative ausweichen. Einmal täglich fährt ein französischer TGV direkt von Marseille nach Frankfurt (Abfahrt 8.09 Uhr) und zurück (Abfahrt 13.38 Uhr). Er benötigt zwar knapp acht Stunden, dafür aber hat er an Bord W-Lan. Und mit einer französischen Senioren-Vorteilskarte sind Erste-Klasse-Tickets für rund 50 Euro erhältlich. Da sollte es doch kaum mehr einen Grund geben, Frankfurt zu verlassen.

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