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Wo geht’s zur Cloud? : Ein Kofferraum voller Daten

  • -Aktualisiert am

Speicherplatz: Im Kofferraum des Testautos kommen Datenmassen an. Bild: Marina Pepaj

Der Rechenzentrumsbetreiber Equinix unterstützt den Software-Entwickler Elektrobit bei der Entwicklung autonomer Autos. Auf Festplatten, die sich im Kofferraum der Fahrzeuge befinden, werden die Daten gespeichert und in Frankfurt-Griesheim verarbeitet. Doch wie gelangen sie dahin?

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          Autos, die sich selbst steuern – so stellen sich viele die Zukunft auf Deutschlands Straßen vor. Bis das Auto ein Roboter mit solchen Fähigkeiten ist, muss viel programmiert und getestet werden. Schon dabei fallen Datenmengen in fast unvorstellbaren Dimensionen an. Deshalb lässt der Software-Entwickler Elektrobit aus Erlangen eines seiner Testfahrzeuge neuerdings fast bis in die Cloud, zum Gelände des Rechenzentrumbetreibers Equinix in Frankfurt fahren.

          „Zu unseren Kunden zählen alle großen deutschen Automobilhersteller und Zulieferer“, sagt Sebastian Weik, Produkt- und Marketing-Manager bei Elektrobit. In mehr als 100 Millionen Fahrzeugen sei Software des Unternehmens verbaut, auch damit würden Daten generiert, die zur Weiterentwicklung des autonomen Fahrens benötigt werden. Noch mehr Informationen liefern speziell ausgestattete Fahrzeuge wie jene grüne Limousine, die auf dem Gelände von Equinix im Stadtteil Griesheim herumfährt. An seinen Seiten sind Ultraschall- und Radarsensoren verbaut, auf dem Dach sitzen GPS-Geräte, hinter der Windschutzscheibe eine Kamera. Die Daten, die sie sammeln, werden im Kofferraum gespeichert. Doch der ist schnell voll.

          Testfahrten werden virtuell simuliert

          „Um einem autonomen Auto eine relativ einfache Funktion, zum Beispiel einen Spurwechsel, zu lehren, benötigt man etwa 150 Millionen Testkilometer“, erklärt Weik. „Wenn 200 Fahrzeuge jeweils etwa 170 verwendbare Kilometer fahren, dauert dies 220 Arbeitstage und es würden mehr als zwei Petabyte Daten pro Tag entstehen.“ Zum Vergleich: Ein Petabyte ist ungefähr so groß wie der Speicher von 1000 gewöhnlichen Notebooks. Deshalb werde ein Großteil der Testfahrten virtuell simuliert.

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          Doch ohne reale Fahrten geht es auch nicht, sagt Weik. „Gerade unvorhersehbare Grenzfälle kann man nicht simulieren.“ Deshalb habe sich Elektrobit mit Equinix zusammengetan. Im Griesheimer Rechenzentrum werden die Daten aus den Testfahrten zusammengeführt und den Kunden, meist über eine Cloud, zur Verfügung gestellt. „Auch eine Cloud ist eine Infrastruktur und hat eine Lokalisation“, sagt Klaas Mertens, Global Solutions Architect bei Equinix. Anders gesagt: Auch die Cloud braucht einen realen Platz in Form von Servern, Festplatten und Kabeln. In diesem Fall befindet sich dieser Platz in Frankfurt.

          Rechenzentrum wird zur Garage

          Um die Daten aus den Testfahrten möglichst schnell verfügbar zu machen, müssen sie zunächst von der Festplatte im Kofferraum ins Rechenzentrum kommen. Am schnellsten gehe das bei so großen Datenmengen physisch, sagt Mertens. Der Fahrer muss die Festplatte also aus dem Auto herausnehmen und persönlich ins Rechenzentrum tragen. Dort steht das Gegenstück zum Rack im Kofferraum, ein Programm liest die Daten aus, gleicht sie mit der Cloud ab und lädt Neues hoch. „Hier haben wir die Infrastruktur, um die Daten möglichst schnell auf die Analyse-Plattform zu bringen“, sagt Mertens. „Das Rechenzentrum ist dann sozusagen eine Garage für digitale Fahrzeugdaten.“

          Davon, so betrachten es die beiden Unternehmen, müsste es noch mehr geben. An mehreren Orten in Deutschland sollte es Daten-Austauschpunkte wie in Griesheim geben, an denen die Ergebnisse der Testfahrten abgeliefert werden können. Ein Ausbau der Zusammenarbeit sei deshalb geplant.

          Bis die ersten vollautonomen Autos über Deutschlands Straßen fahren, wird es dennoch dauern. „Wir brauchten den Nachweis, dass ein automatisiertes Fahrzeug um ein Vielfaches sicherer ist als der Mensch“, sagte Weik. Erst dann wäre der Gesetzgeber wohl bereit, eine Zulassung zu erteilen.

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