https://www.faz.net/-gzg-9vkcy

Ladestationen in Hessen : Ständig unter Strom

  • -Aktualisiert am

Die Mainova AG hat neun Ladesäulen in der Frankfurter Innenstadt installiert. Bild: Helmut Fricke

Mehr als 1700 öffentlich zugängliche Ladestationen für Elektroautos gibt es mittlerweile in Hessen. Das ist gut so, weil auch der Bedarf immer weiter steigt.

          3 Min.

          Die seit sechs Jahren amtierende schwarz-grüne Landesregierung in Hessen hat die Förderung der Elektromobilität zu einem Schwerpunkt ihrer politischen Arbeit erklärt. In einem Transitland und Logistikstandort wie Hessen sei es besonders wichtig, die Mobilität „nachhaltig und zukunftsfähig“ zu gestalten, betont Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen).

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Um der Elektromobilität zum Durchbruch im Massenmarkt zu verhelfen, sei es wiederum unabdingbar, die Ladeinfrastruktur kontinuierlich auszubauen. Deshalb unterstütze das Land wissenschaftliche Projekte, errichte Ladestationen an öffentlichen Liegenschaften und schaffe Anreize zur Nutzung von E-Fahrzeugen.

          Regionale Unterschiede

          Tatsächlich hat es in Hessen in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte bei der Schaffung von Lademöglichkeiten für Elektroautos gegeben, jedoch mit regional großen Unterschieden. In Hessen insgesamt stieg die Zahl der öffentlich zugänglichen Ladepunkte im vergangenen Jahr von 1413 auf 1724 (plus 22 Prozent). Die größte hessische Kommune Frankfurt rangiert in einer Auflistung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) mit lediglich 75 Stromzapfstellen im Bundesvergleich allerdings unter „ferner liefen“, ebenso wie Darmstadt (67), Kassel (63) und Offenbach (zehn). Die meisten Ladepunkte gibt es in Hessen demnach in Wiesbaden mit 96. Für die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt Mainz sind gerade einmal 33 öffentliche Ladestationen verzeichnet. 80 Prozent aller Ladevorgänge finden nach Informationen des BDEW allerdings ohnehin zu Hause oder an der Arbeitsstätte statt.

          Wie der Verband weiter berichtet, gab es in Deutschland insgesamt Ende 2019 knapp 24 000 öffentliche Ladepunkte und damit fast 50 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Unter den deutschen Großstädten existieren nach Angaben des BDEW die meisten öffentlichen Lademöglichkeiten in München und Hamburg (1103 beziehungsweise 1070). Berlin folgt mit 974, dahinter kommen Stuttgart (405), Düsseldorf (225) und Leipzig (215). Betrachtet man die einzelnen Länder, liegt in absoluten Zahlen Bayern vorn mit 5656 öffentlich zugänglichen Ladepunkten. Es folgen Baden-Württemberg (4094) und das einwohnerstärkste Land Nordrhein-Westfalen (3880). Bei der Zahl der Ladepunkte je 1000 Quadratkilometer sind Hamburg (1417) und Berlin (1093) an der Spitze. Es folgen Bremen (286), Baden-Württemberg (115), Nordrhein-Westfalen (114), Hessen (82) und das flächenmäßig größte Bundesland Bayern (79).

          Unter den knapp 48 Millionen Personenwagen, die Ende 2019 in Deutschlands zugelassen waren, befanden sich nach Angaben des ADAC rund 306 000 E-Autos, einschließlich sogenannter Plug-in-Hybride, die ihre Energie sowohl aus einem elektrischen Speicher als auch aus einem zusätzlich mitgeführten Kraftstoff beziehen. Die Elektromobilität spielt eine zentrale Rolle beim Klimaschutzprogramm der Bundesregierung. Angestrebt wird bis zum Jahr 2030 eine Zahl von sieben bis zehn Millionen Elektroautos in Deutschland, für die wiederum ein flächendeckendes und kundenfreundliches Ladenetz vorhanden sein muss.

          Komplizierte Förderanträge

          Nach Einschätzung des Bundesverbandes E-Mobilität wird der Ausbau von Ladestationen derzeit aber noch dadurch gebremst, dass die Stromabnahmestellen zwar öffentlich gefördert würden, die Förderanträge aber viel zu kompliziert seien. Große Konzerne könnten sich ihrer Rechtsabteilungen bedienen, Städte und Gemeinden seien bei der Antragstellung hingegen überfordert. Ein weiteres Problem sei, dass die Versorger mit den Ladestationen noch kein Geld verdienen könnten; was in fünf bis acht Jahren aber sicher anders sein werde. Auch die aktuelle Batterietechnik sei noch verbesserungsfähig. Dennoch richteten immer mehr Unternehmen wie Ikea, Lidl oder Aldi Ladestationen auf ihren Betriebsgeländen ein.

          Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 63 281 rein elektrisch betriebene Personenkraftwagen neu zugelassen. Das sind nach jüngsten Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts 75,5 Prozent mehr als im Jahr 2018. Elektroautos nehmen damit aber immer noch nur einen Marktanteil von 1,8 Prozent der insgesamt 3,6 Millionen neu zugelassenen Personenkraftwagen ein. Die Zahl der neu zugelassenen, an Ladestationen aufzuladenden Plug-in-Hybride stieg um 44,2 Prozent auf 45 348. Stark nachgelassen hat die Nachfrage nach erdgasbetriebenen Personenwagen (7623/minus 29,4 Prozent), wohingegen mit Flüssiggas angetriebene Autos (7256/plus 55,6 Prozent) deutlich zulegten.

          Trotz der hitzigen Debatte über Klimanotstand und Erderwärmung wollen viele Deutsche nicht auf große Spritschlucker verzichten. Knapp ein Drittel aller Neuzulassungen entfiel laut Kraftfahrt-Bundesamt im vergangenen Jahr auf SUVs (21,1 Prozent) und Geländewagen (10,1 Prozent). Beide Kategorien verzeichneten damit deutliche Zuwächse: SUVs mit einem Plus von 21,0 Prozent und Geländewagen mit plus 20,3 Prozent. Erstmals wurden in einem Jahr mehr als eine Million dieser Fahrzeuge zugelassen. Zusammen machen SUVs und Geländewagen mit knapp 31 Prozent fast ein Drittel der Neuzulassungen bei Personenautos aus.

          Weitere Themen

          Mehr Geld für Elektroauto-Käufer

          Kaufprämie : Mehr Geld für Elektroauto-Käufer

          Wer ein E-Auto kauft, bekommt dafür eine Prämie. Die ist seit heute bis zu 50 Prozent höher als bisher. Auch für gebrauchte Fahrzeuge kann eine Förderung beantragt werden.

          Topmeldungen

          CDU-Vorsitz : Wer steht hinter den Kandidaten?

          Eine Kandidatur für den CDU-Vorsitz ist kein leichtes Unterfangen. Wer unterstützt und berät Merz, Spahn, Laschet und Röttgen im Hintergrund?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.