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Elefantenanlage im Opel-Zoo : Ein neues Zuhause für langlebige Bewohner

Im Rücken die Baustelle: ein Elefant im Opel-Zoo. Bild: Kretzer, Michael

Die Arbeiten zum Bau der neuen Elefantenanlage im Opel-Zoo in Kronberg haben gestern begonnen.

          3 Min.

          Es gibt Dinge, die erfordern Denken in großen Zeiträumen. Die Elefantenhaltung zum Beispiel. Da die Dickhäuter ein hohes Alter erreichen können und ein ausgesprochen gutes Gedächtnis haben, will ihre Anschaffung wohlüberlegt sein. Es war daher keine leere Phrase, als Direktor Thomas Kauffels gestern beim offiziellen Baubeginn der neuen Elefantenanlage im Opel-Zoo sagte: „Wir übernehmen Verantwortung für eine langlebige Tierart.“ Sensibel sind die grauen Riesen ebenfalls, und so freute sich Kauffels darüber, dass Aruba, Wankie und Zimba es gut verkraftet haben, dass ein Zaun sie plötzlich von einem Teil ihres bisherigen Freigeheges trennt. Es bedeutet für die drei Elefantenkühe immerhin die erste Veränderung ihres Lebensraums in 30 Jahren.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Im Gegensatz zum gemächlichen Gang des Elefantenlebens soll es mit dem Bau ihres neuen Zuhauses zügig vorangehen. Anderthalb Jahre sind dafür veranschlagt: Zunächst entstehen das Gebäude sowie die Anlage für Bullen, dann werden das alte Haus abgerissen und die von 4000 auf 5500 Quadratmeter vergrößerte Freifläche gestaltet. Das Ergebnis wird nach Überzeugung des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU), der als Schirmherr das Kommando für das Synchronschippen beim ersten Spatenstich übernahm, ein weit über die Region hinausstrahlender Leuchtturm sein. „Das wird viele noch neugieriger auf den Zoo machen.“ Die Tiere würden in dem Freigehege nicht nur ausgestellt, sondern artgerecht gehalten und wissenschaftlich erforscht.

          Großer Betrag kam aus Stiftung

          „Was für ein schöner Mittwoch!“, rief Bouffier in Anlehnung an Joachim Gaucks Ausspruch nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten am Sonntag aus. Viel war gestern von Dank die Rede, denn von der Finanzierung des 10,4 Millionen Euro teuren Vorhabens hing dessen Verwirklichung ab. Sie ist dem Opel-Zoo gelungen, obwohl er als einziger der wissenschaftlich geleiteten zoologischen Gärten in Deutschland ohne öffentliche Zuschüsse auskommt. Der Ministerpräsident nannte die geplante Elefantenanlage daher „im besten Sinne das Projekt einer engagierten Bürgergesellschaft“. Es widerlege zudem alle, die eine Zusammenarbeit im Rhein-Main-Gebiet nicht für möglich hielten. Denn besonderen Dank bekam Bürgermeister Wilhelm Speckhardt (CDU) als Repräsentant der Stadt Eschborn zu hören, die sich mit einer Spende in Höhe von einer Million Euro beteiligt.

          Ein noch größerer Betrag kam mit 1,4 Millionen Euro von der Liselott und Klaus Rheinberger Stiftung. Aber Zoodirektor Kauffels freute sich ebenso über das Sparschwein, das ihm zwei kleine Mädchen gebracht hatten, oder das Ergebnis eines Aktionstags bei den Ferienspielen der Stadt Kelkheim. Die Spendeneinnahmen seien höher gewesen als gedacht, sagte Gregor von Opel, Vorstandsvorsitzender der von Opel Hessische Zoostiftung. Er bezeichnete den Neubau als schönstes Geschenk für seinen Vater, der in diesem Jahr seinen 100.Geburtstag gefeiert hätte. Elefanten hätten zu seinen Lieblingstieren gehört. Außerdem seien sie das Symbol des Opel-Zoos. Welche Anforderungen heutzutage an die Elefantenhaltung gestellt würden, habe sein Vater vor mehr als einem halben Jahrhundert nicht wissen können.

          Elefanten werden während Bauzeit zu sehen sein

          Als Gregor von Opel vor 25 Jahren die Verantwortung für das Freigehege übernahm, ist es seinen Worten nach den Tieren zwar gutgegangen. Aber es sei klar gewesen, dass sich etwas tun müsse. „Dafür fehlte jedoch alles“, sagte Opel. „Ein Bebauungsplan ebenso wie der nötige Zuspruch.“ Dies hat sich geändert. Kronberg und Königstein haben gemeinsam die planungsrechtliche Grundlage für den Ausbau des Zoos geschaffen. Sie werden nach Ansicht von Landrat Ulrich Krebs (CDU) auch von den Tagestouristen profitieren, die der Opel-Zoo mit dem neuen Elefantenhaus erst recht anziehen werde. „Die Attraktivität des Taunus wird sich erhöhen“, sagte Krebs.

          Während der gesamten Bauzeit werden die drei Elefantendamen, die seit langem in Kronberg leben, für die Besucher zu sehen sein. Mit Schaubildern, der Übertragung von Live-Bildern auf der Internetseite des Zoos unter der Adresse www.opel-zoo.de sowie Sonderführungen zur Baustelle wollen die Verantwortlichen zudem den Umfang der Arbeiten dokumentieren. Für Herbst 2013 ist die Eröffnung der neuen Anlage geplant. Dann sollen ein fünf Jahre alter Bulle und zwei Elefantenkühe als zusätzliche Bewohner einziehen. Wäre der Jungspund mit Aruba, Wankie und Zimba allein, würden ihm die drei älteren, selbstbewussten Damen keine Chance lassen. Sie müssen sich ja schon an die Neugestaltung ihres Zuhauses gewöhnen.

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