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Evangelische Kirche : Kita-Plätze gegen Mitgliederschwund

Volker Jung, EKHN-Präsident verlangt, dass sich die evangelische Kirche stärker in junge Menschen hineinversetzt. Bild: EHKN

Um zu verhindern, dass junge Leute der evangelischen Kirche besonders oft den Rücken kehren, hat EKHN-Präsident Volker Jung eine Idee.

          Um jüngere Mitglieder stärker zu binden, erwägt die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, ihnen Kontingente in kircheneigenen Kitas zu reservieren. Während der Frühjahrssynode in Frankfurt sagte Präsident Volker Jung, die Zahlen zeigten, dass Zwanzig- bis Fünfunddreißigjährige im Ballungsraum überdurchschnittlich oft aus der Kirche austräten. „Die Gemeinden mit den zehn höchsten Zahlen liegen im Rhein-Main-Gebiet.“ Junge Arbeitnehmer stellten sie sich angesichts hoher Mieten und der Kirchensteuer immer öfter die Frage: „Was bringt mir das?“ Darauf brauche es Antworten. „Für manche ist es frustrierend, dass die Mitgliedschaft in ihrer Kirche nicht einmal bedeutet, einen Kita-Platz in einer Kindertagesstätte ihrer Kirche zu bekommen“, sagte Jung und fügte hinzu: „Wir müssen uns stärker in die jungen Menschen hineinversetzen und sie fragen: ,Was braucht ihr von uns?‘“

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Den Plan der Kita-Kontingente zu prüfen bedeute aber nicht, dass nur noch evangelische Kinder in die Kindergärten aufgenommen werden sollten. „Die Kitas bleiben für alle geöffnet“, sagte Jung. Das entspreche dem Selbstbild der evangelischen Kirche. Zudem seien kirchliche Träger wegen der Zuschüsse durch die Kommunen ohnehin dazu verpflichtet. Für eine Aufnahme müssten die Kinder auch weiterhin nicht getauft sein. „Die Taufe ist keine Voraussetzung, eher die Impfung“, äußerte der Präsident. Er wisse, dass eine solche Bevorzugung von Kirchenmitglieder für viele schwierig sei. „Es gehört aber dazu, unsere Leistungen ins Bewusstsein zu heben. Ich wollte einen Stein ins Wasser werfen.“

          Halbierung der Mitgliederzahlen bis 2060

          Jungs Idee ist eine erste Reaktion auf die in der vergangenen Woche vorgestellte Studie Freiburger Wissenschaftler. Sie sagt den katholischen und evangelischen Kirchengemeinden insgesamt eine Halbierung der Mitgliederzahlen bis 2060 vorher – mit lokalen Unterschieden. Lediglich ein Drittel des Mitgliederschwunds ist demnach auf die Demographie zurückzuführen. Die übrigen zwei Drittel ließen sich von den Kirchen beeinflussen.

          Jung will deshalb auch den persönlichen Kontakt zu den Kirchenmitgliedern stärker pflegen. So könnten Zugezogene direkt angeschrieben und zu einem Kennenlernen in ihre neue Gemeinde eingeladen werden. „Wir brauchen deutliche Signale des Willkommens“, sagte er. Dazu zähle auch, den digitalen Kontakt gerade zu jungen Kirchenmitgliedern zu intensivieren. Nun müsse es erst einmal darum gehen, „besser zu verstehen, was die jungen Leute bewegt, um aus den Vermutungen ein bisschen herauszukommen“.

          Außerdem entschied die Synode – ein parlamentsähnliches Kirchengremium –, die Instandhaltungsrücklage für eigene Gebäude zu halbieren, zu der die Gemeinden seit Einführung der doppelten kaufmännischen Buchführung verpflichtet sind. „Viele fühlten sich überfordert“, erläuterte Heinz Thomas Striegler, der Leiter der Kirchenverwaltung. Für eine Übergangsphase müsse nun weniger zurückgelegt werden.

          Einstimmig beschlossen die Delegierten eine Resolution gegen Antisemitismus. Präses Ulrich Oelschläger sagte: „Es ist unsere Pflicht als Kirche, unseren jüdischen Geschwistern zur Seite zu stehen.“

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