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Einzelhandel : „Leute haben Spaß am Konsum“

Geschenkekauf: Das Konsumklima ist in diesem Jahr Experten zufolge gut. Bild: dpa

Noch vier Wochen bis Heilig Abend, Weihnachtsgeschenke müssen her. Der Samstag vor dem ersten Advent ist der Beginn einer wichtigen Zeit für den Einzelhandel. Die Kauflaune der Kunden stimmt.

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          Temperaturen unter zehn Grad, gelegentlich sogar Sonnenschein – zumindest das Wetter passt zum Auftakt des diesjährigen Weihnachtsgeschäftes. Traditionell gilt der Samstag vor dem ersten Advent als der erste starke Verkaufstag vor Weihnachten. „Stimmung und Frequenz sind gut“, sagt Georg Lackner, Center-Manager des Nordwest-Zentrums. Meldungen über Strafzinsen für Erspartes ließen Verbraucher darüber nachdenken, was sie mit ihrem Geld machen sollten. Lackner meint: „Die Leute haben Spaß am Konsum.“

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auch der Handelsverband Hessen ist optimistisch. Ein Plus in Höhe von 1,2 Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr erwartet die Organisation, der zufolge im Weihnachtsgeschäft allein in diesem Bundesland 7,7 Milliarden Euro umgesetzt werden. 500 Euro wird jeder hessische Verbraucher nach der Vorhersage in diesem Jahr im Schnitt für Weihnachtsgeschenke ausgeben – und damit wie in früheren Jahren mehr als die Deutschen insgesamt. Die Wirtschaftsprüfer von EY (Ernst&Young) kommen hingegen zu anderen Ergebnissen. Nach ihrer Umfrage wollen die Verbraucher im Schnitt nur 220 Euro in Weihnachtsgeschenke investieren, 20 Prozent weniger als vor einem Jahr.

          Samstag nach den Feiertagen sei umsatzstark

          Um so größer ist die Spannung vor dem heutigen Einkaufstag. „Der erste Advent ist traditionell der Startschuss“, sagt Karstadt-Chefin Christine Meyer von Froreich. „Wir sind gespannt, ob die Verbraucher das auch so sehen.“

          Wie Philipp Keller berichtet, Inhaber von Haushaltswaren Lorey in Frankfurt, beginnt das Weihnachtsgeschäft von Jahr zu Jahr später. Das hat auch damit zu tun, dass immer öfter Gutscheine und Geldgeschenke unter den Weihnachtsbaum gelegt würden. „Tendenz steigend“, sagt Lackner. Er rechnet damit, dass der Samstag nach den Feiertagen in diesem Jahr einer der umsatzstärksten Tage wird.

          Deutlich aufholen muss im Dezember noch der Textileinzelhandel. Der Herbst war entschieden zu warm, speziell der Oktober war mit einem Minus von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr „eine Katastrophe“, wie ein Sprecher des Bundesverbandes des Deutschen Textilhandels sagt. Das Jahresminus beziffert der Verband bis jetzt mit zwei Prozent. Zahlen für Hessen liegen nach Angaben des Handelsverbandes noch nicht vor.

          Rabatt auf Winterjacken

          Aber man muss nur durch die Geschäfte gehen, um zu sehen, wie viel warme Jacken und Mäntel noch nicht verkauft worden sind. Mit dem Wort „Sale“ wagen sich zwar die meisten Händler noch nicht in die Schaufenster, aber durchgestrichene Preise gibt es bereits zuhauf, und sie werden weiter zunehmen. Im Einkaufszentrum Skyline Plaza etwa hat das Schuhhaus Dielmann die Preise für Winterstiefel schon deutlich herabgesetzt. Die Galeria Kaufhof setzt Stiefel und Jacken heute um 25 Prozent herab. Im Modehaus Pfüller kostet der Kinder-Dufflecoat jetzt 298 statt 425 Euro. Auf alle Jacken gibt es 30 Prozent Rabatt. Peek & Cloppenburg wirbt im Schaufenster mit bis zu 40 Prozent Rabatt für „ausgewählte Artikel“. In der Exquisit-Abteilung können Kunden vor Weihnachten traditionell die besten Schnäppchen machen.

          Eltern und Kinder, die sich auf niedliche Winter-Märchenwelten in den Schaufenstern der Warenkaufhäuser freuen, werden in diesem Jahr vermutlich enttäuscht. Karstadt macht, ganz klassisch, im weihnachtlich dekorierten Schaufenster Geschenkvorschläge für sie und ihn. Kaufhof hat eine futuristische Star-Wars-Welt mit riesigen Lego-Figuren aufgebaut. Über eine Kontaktfläche an der Scheibe können Lego-Fans und andere Kontakt mit der Galaxis aufnehmen. Das ist sehr modern und „kommt gut an“, wie Kaufhof-Chef Frank Bertsch berichtet.

          Demonstration könnte Shoppinglaune der Kunden vermiesen

          Spielzeug wird an Weihnachten am meisten verschenkt, vor Büchern, Uhren und Schmuck. Der Schmuckhersteller Wellendorff hat nicht ohne Grund noch vor Weihnachten seine neue Boutique an der Goethestraße eröffnet und vergangene Woche fieberhaft an der Beseitigung eines Wasserschadens – vorübergehend war das Geschäft geschlossen – gearbeitet. Auch die Uhrenmanufaktur Sinn möchte sich ein Stück vom Weihnachtsgeschäft abschneiden. Obwohl der neue Verkaufsraum am Römerberg nur halb fertig ist, wird in der Adventszeit schon donnerstags bis samstags geöffnet.

          Jede Weihnachtssaison hat ihre Bestseller. Roségold sei in diesem Jahr das große Thema, meint Karstadt-Chefin Meyer von Froreich. Beim Spielen mache alles Spaß, was schnell sei oder fliege: Carrera-Autos, Drohnen, Helikopter. Daran hätten auch die Väter Spaß. Bei Haushaltswaren Lorey haben Küchenmaschinen, die häckseln, rühren und kneten, die Kaffeemaschinen abgelöst. Groß im Kommen seien Mixer zum Pürieren von Obst, Gemüse oder Salat. Die Maschinen seien so leistungsstark, dass sie sogar Avocado-Kerne zerkleinern könnten.

          Eine Sorge allerdings bleibt. Dass die angekündigte Kurdendemonstration Kunden davon abhalten könnte, in die Stadt zu fahren. „Warum muss das immer samstags sein?“, fragt der Lorey-Chef.

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