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Einzelhandel in Frankfurt : Mehr Fläche, mehr Läden, mehr Luxus

Wie auf dem Bauschild soll es einmal aussehen: das One Goethe Plaza in der Frankfurter Innenstadt. Bild: Cunitz, Sebastian

Der Einzelhandel in Frankfurt legt ordentlich zu. Gleich drei große Projekte mit zusammen knapp 200 Läden stehen kurz vor der Eröffnung. Es könnten durchaus noch mehr sein, sagen Makler.

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          Die Zahl der Geschäfte in Frankfurt wird in den nächsten Wochen deutlich wachsen - dank dreier Großprojekte, die kurz vor ihrem Abschluss stehen. Das Geschäftshaus Ma, ein Projekt des Immobilienentwicklers Ardi Goldman in der ehemaligen Diamantenbörse in der Frankfurter Innenstadt, macht in der Reihe der Eröffnungen an diesem Freitag den Anfang. Nach Goldmans Vorstellungen soll das Haus, in dem auf 3700Quadratmetern Einzelhandel Platz findet, Mittelpunkt eines neuen Szenequartiers nördlich der Haupteinkaufsmeile Zeil werden.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zwei Wochen später, am 29.August, eröffnet der Hamburger Shopping-Center-Spezialist ECE sein viertes Haus in der Region, das Skyline Plaza an der Messe. Es steht mit Mietern wie P&C, Saturn, Zara und H&M - alles in allem knapp 170Läden auf 35000 Quadratmetern - für das übliche Programm in Einkaufscentern und Fußgängerzonen, bietet aber auch ein paar Neulingen Raum.

          Frankfurts hohe Kaufkraft

          In der Premium-Liga spielt das One Goethe Plaza (4500 Quadratmeter Handelsfläche) am Goetheplatz, dessen Mieter - Escada, Louis Vuitton, Omega und Nespresso - nach und nach eröffnen werden. Als erster wird im Oktober Nespresso mit seiner bisher größten Deutschland-Boutique einziehen und dann an der Goethestraße eine Fläche frei machen, auf die Luxusmarken wie Immobilienmakler schon ein Auge geworfen haben, ebenso wie auf die 1300 Quadratmeter, die an der Ecke von Goethestraße und Freßgass’ durch die Zusammenlegung der ehemaligen Burberry- und der Commerzbank-Filiale entstehen.

          Bei den Spitzenmarken dieser Welt stehen deutsche Einkaufsstädte nach wie vor hoch im Kurs. Die Stadt Frankfurt ist ihrer hohen Kaufkraft und des internationalen Publikums wegen in den vergangenen zwei, drei Jahren besonders gefragt gewesen. „In Top-Lagen stehen die Mieter nach wie vor Schlange“, sagt etwa Christoph Scharf, Leiter des deutschen Retail-Geschäfts bei BNP-Paribas Real Estate.

          Seitenstraßen der Goethestraße beleben

          Doch das Flächenangebot ist begrenzt, und die Goethestraße, für viele Luxusmarken die einzige Adresse, die in Frage kommt, misst nur 290Meter - damit ist sie lediglich ein Fünftel so lang wie etwa die Maximilianstraße in München, wie Jarko Stilp vom Maklerhaus CB Richard Ellis vorrechnet.

          Die neuen Projekte, die jetzt auf dem Weg sind, bringen nach Ansicht von Maklern einen wichtigen Schub für die Stadt. Gut sei auch, dass in den Seitenstraßen der Goethestraße (Luginsland, Alte Rothofstraße) gebaut werde und neue Flächen für Einzelhandel entstünden. Noch in diesem Jahr werden auch an der Alten Rothofstraße, einer Baustelle des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen, zwei Geschäfte eröffnet. Ein Mieter soll der italienische Luxus-Herrenausstatter Brioni sein.

          Zugeständnisse müssen alle machen

          Von goldenen Zeiten wollen Makler allerdings nicht sprechen. Die Mietpreisvorstellungen - an der Goethestraße werden zwischen 250 und 270Euro je Quadratmeter verlangt - seien recht ambitioniert. Umgekehrt hätten Kunden genaue Vorstellungen; bis es zu einem Abschluss komme, vergingen inzwischen oft bis zu eineinhalb Jahre und mehr. „Nur für die Top-Top-Lage und die hundertprozentige Fläche ist man auch bereit, eine Spitzenmiete zu zahlen“, sagt Stilp.

          Auch ein Projekt wie das One Goethe Plaza, bei dem nur ein Mieter, Luis Vuitton, dank Ecklage zur Goethestraße auch diese heißbegehrte Adresse tragen darf, komme um sogenannte Incentives nicht herum - darunter sind im Vermietungsgeschäft Zugeständnisse wie mietfreie Zeiten und Baukostenzuschüsse zu verstehen. Dass das Geschäft nicht ganz einfach ist, zeigt sich daran, dass für eine Fläche von 1200 Quadratmetern im One Goethe Plaza offenbar noch kein Mieter gefunden ist. Gehandelt wird hierfür der Name Prada.

          „Einkaufsgefühl und Emotionen“

          Uneinig sind sich die Makler darüber, ob die Mieten weiter steigen werden. Retail-Experte Scharf ist überzeugt: In den Toplagen Goethestraße, Freßgass’, Steinweg und Zeil seien die Mieter bereit, auch noch höhere Mieten als bisher zu akzeptieren. „Marken brauchen die Präsenz in 1-A-Lage.“ Dagegen erwartet Christoph Wunderlich von Jones Lang Lasalle, dass sich die Branche langfristig auf moderatere Preise einstellen muss.

          Einig sind sich die Branchenvertreter, dass das Online-Geschäft das stationäre nicht verdrängen, dass vielmehr die Kombination von beiden Kanälen im Geschäft Standard wird, notfalls bei reduzierter Fläche. „Kunden wollen das Einkaufsgefühl und Emotionen“, sagt Scharf. „Darauf müssen sich Händler einstellen.“

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