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Einzelhandel : Flächentarif passt nicht in die Globus-Welt

30.000 Beschäftigte

Danach gefragt, wie eine Leiharbeitsfirma zum von Bruch formulierten Anspruch passt, lässt eine Globus-Sprecherin wissen, dass sie von Beginn an nur als Übergangslösung gedacht gewesen sei, als man vor zehn Jahren damit begonnen habe, über die Reform des mehr als 70 Jahre alten Tarifvertrags für den Einzelhandel zu verhandeln. Es gehe darum, „eine faire tarifliche Eingruppierung moderner Tätigkeitsbilder und eine ausgewogene tarifliche Vergütung“ zu erreichen. Sei das geschafft, werde die Leiharbeitsfirma umgehend aufgelöst und die Belegschaft von der Globus-Muttergesellschaft übernommen. Alles in allem rechnet Globus durch das eigene Entgeltsystem mit mehr und nicht mit weniger Personalkosten, wie die Sprecherin weiter sagt.

Beziffern will das Haus die Personalkosten nicht, verrät aber, dass die Personalkostenquote von Globus die höchste im Vergleich mit den Konkurrenten sei. Das dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass Globus eigene Metzgereien sowie eigene Bäckereien betreibt und viel Wert auf qualifizierte Kundenberatung legt. Inklusive Auslandsgeschäft in Tschechien und Russland zählt die Globus-Gruppe 30.000 Beschäftigte.

Verdi will Anerkennungstarifvertrag durchsetzen

Verdi will verhindern, dass die Saarländer bei der Neubewertung der Tätigkeiten etwa der Metzger und Bäcker nicht mehr nach dem Tarifvertrag des Handels entlohnen, sondern nach den Tarifwerken für das Back- und das Fleischgewerbe. Dort liegen die Entgelte deutlich niedriger als im Einzelhandelstarifvertrag. Andere Tätigkeiten wie das Auffüllen von Regalen sollen bei Globus ebenfalls neu bewertet werden, wie Schiederig weiter sagt. Während eine Verkäuferin, die diese Aufgabe erledige, nach dem Handelstarif 2248 Euro im Monat verdiene, komme etwa eine als gewerbliche Mitarbeiterin eingestufte Kollegin bei derselben Tätigkeit lediglich auf 1906 Euro.

Verdi geht es nun darum, bei Globus einen Anerkennungstarifvertrag durchzusetzen, der dann mindestens die Ergebnisse des Einzelhandelstarifvertrags übernimmt. Er wird bei der am 7.Mai beginnenden Tarifrunde neu verhandelt.

Globus will Gehälter nicht senken

Dass der bisherige Handelstarifvertrag in manchen Teilen nicht zeitgemäß ist, bestreiten auch die Gewerkschafter nicht. Sie wollen aber verhindern, dass Regelungen etabliert werden, die den stundenweisen Abruf von Mitarbeitern erlauben. Der aktuell gültige Tarifvertrag billigt den Mitarbeitern das Recht zu, mindestens 20 Stunden in der Woche und vier Stunden am Tag zu arbeiten. Nur auf Wunsch der Beschäftigten darf das Stundenkontingent unterschritten werden.

Diese Sorge der Gewerkschafter ist nach Auffassung der Globus-Leitung unbegründet: Man setze seit jeher auf qualifizierte Mitarbeiter, die sich mit Globus identifizierten und sehr gute Kundenbeziehungen pflegten. Deshalb werde der Trend bei Globus auch eher hin zu vollzeitnäheren Arbeitszeitstrukturen gehen, argumentiert die Unternehmenssprecherin.

Der Befürchtung von Verdi, dass die Löhne im Globus-eigenen Entgeltsystem sinken werden, widerspricht die Globus-Sprecherin ebenfalls. Angesichts der absehbaren Verknappung von Fachkräften sei die Unternehmensleitung vielmehr ziemlich sicher, dass man letztlich nur über attraktive Gehälter die Leute bekommen und halten könne, die Globus brauche, um weiter mit der Strategie erfolgreich zu sein, den Kunden besser zu beraten und zu bedienen als die Konkurrenten.

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