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Eintracht-Spieler Hinteregger : Der Aushilfstorjäger

  • -Aktualisiert am

Schon wieder getroffen: Auf Eintracht-Verteidiger Martin Hinteregger ist in vielerlei Hinsicht Verlass. Bild: Reuters

Martin Hinteregger und Eintracht Frankfurt – das passt einfach. Der Verteidiger trifft auch beim 2:1 gegen Lüttich und erhält viel Lob von Trainer Adi Hütter.

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          Martin Hinteregger macht die Arbeit Spaß, so viel, dass er sogar die Strapazen vergisst. Vierfachbelastung? Kein Problem! Sechs Spiele in 18 Tagen? Na und! Der österreichische Fußball-Nationalspieler wurde nach dem kräftezehrenden 2:1 seiner Frankfurter Eintracht gegen Standard Lüttich am Donnerstagabend gefragt, wie es denn mit dem Energiehaushalt für das Bundesliga-Spitzenspiel bei Tabellenführer Borussia Mönchengladbach am Sonntag aussehe: Die Antwort des Linksverteidigers: „Wir sind in einen Rhythmus gekommen, Englische Wochen sind kein Problem, jedes Spiel macht mich noch fitter.“

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Eine erstaunliche Aussage, die trainingswissenschaftlich nur schwer zu decken sein dürfte, dass Fußballprofis durch englische Wochen ihre Kondition verbessern. Aber der Eindruck dokumentiert zumindest Hintereggers persönliches Wohlbefinden. Der 27 Jahre alte Kärntner knüpft in seiner ersten vollen Saison für die Eintracht an die Leistungen an, die ihn als im Winter verpflichteter Leihspieler im Frühjahr zum Frankfurter Publikumsliebling werden ließ. Hinteregger verteidigt nicht nur gut, sein Spiel strahlt eine Menge aus: Kampfgeist, Leistungswillen, Schlitzohrigkeit, Tapferkeit und Durchsetzungsvermögen.

          Auf Stürmer ist Verlass

          Sogar Torgefährlichkeit gehört zu seinen Stärken. Sein Treffer zum 2:0 per Kopfball gegen Lüttich war schon sein drittes Pflichtspieltor in der Saison. Zuvor hatte er den Siegtreffer zum 1:0 im Bundesliga-Auftakt gegen Hoffenheim erzielt und ein Tor für Österreich zum 3:1 über Israel. „Ich habe mir eine bestimmte Anzahl vorgenommen“, plauderte Hinteregger am Donnerstagabend in bescheidenem Tonfall aus. Und nannte dann auch eine Zahl: „Mindestens fünf.“ Er sieht sich also durchaus als Aushilfstorjäger. „Zwei Monate lagen zwischen meinen beiden Toren für die Eintracht, das war schon etwas lang“, sagt er. Das Thema sei ihm im Training durch den Kopf gegangen, und er habe seinen Kollegen auf der rechten Abwehrseite, David Abraham, gefragt, wie lange er denn kein Tor mehr geschossen habe: „David sagte mir 2016, da meinte ich, dann wird es aber Zeit. Ich bin froh, dass er auf meine Aufforderung reagiert hat.“ Abraham hatte das 1:0 in der ersten Halbzeit nach einer Freistoßflanke von Daichi Kamada erzielt.

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          Gemeinhin kann sich die Eintracht auf ihre Stürmer verlassen. Paciência, Dost und Silva schossen elf der 14 Frankfurter Bundesligatore. Aber gegen Standard fehlten nun mal zwei Stürmer – und als Folge davon holperte die Offensive ein wenig. Bas Dost und André Silva sind auch für die Auseinandersetzung mit Gladbach fraglich. Sollten sie wieder fehlen, wird Trainer Adi Hütter kaum ein zweites Mal versuchen, hinter Gonçalo Paciência mit zwei Halbstürmern anzutreten. Kamada und Mijat Gacinovic mühten sich zwar und liefen immer wieder in die richtigen Räume. Aber die Zuspiele kamen nicht zu ihnen durch oder erfolgten ungenau. Erst als Hütter den offensiven Mittelfeldspieler Kamada neben Paciência in den Sturm vorrückte, entwickelten sich ansatz- und phasenweise Kombinationen.

          Unaufgeregt und deutlich

          Hinteregger kommentierte die Begegnung mit Lüttich auf seine unaufgeregte, unverbildete, ehrliche Art. Er lobte Gacinovic und Kamada für ihren Einsatz, sagte dann aber deutlich: „Die Doppelspitze liegt uns etwas mehr.“ Oder zur Qualität des Spiels. „Es war nicht das Feuerwerk wie erhofft. Das Zentrum war dicht, und wenn wir mal den Ball erobert hatten, machten wir leichte Fehler.“ Dennoch sei es insgesamt ein gutes Spiel seiner Eintracht gewesen. Zu dem er nicht nur ein wichtiges Tor beigetragen hatte. Hintereggers Spielweise wirkt mitreißend auf die Kollegen und auf das Publikum. Wenn er durch seine rasche Antizipation dem Gegner den Ball stiebitzt, wenn er seinen Körper im Zweikampf einsetzt, so dass der Widersacher von ihm abprallt und hinfällt, wenn er den Gegenspieler doch noch stellt, obwohl jener ihm schon enteilt gewesen war: Dann sind das Momente, die die Mitspieler aufbauen und das Publikum zu langezogenen „Hiiiiinti“-Rufen animieren.

          Trainer Hütter mag Hinteregger nicht darauf reduzieren, ein überragender Mentalitätsspieler zu sein. „Für mich ist er kein guter Bundesligaspieler, sondern ein sehr guter. Er bringt alle Voraussetzungen für einen Verteidiger mit. Er ist schnell, kopfballstark und torgefährlich. Er weiß, was er zu tun hat. Aber er braucht auch einen Trainer, der ihm etwas mit auf den Weg gibt, der ihm fachlich seine Aufgaben erklärt.“ Die beiden kennen sich seit gemeinsamen Tagen im Jugendleistungszentrum von RB Salzburg.

          Frankfurt und Hinteregger – das passt einfach. Obwohl die Beziehung durch einen Fehlschuss hätte getrübt werden können. Doch sein verschossener Elfmeter im Halbfinal-Rückspiel der Europa League beim FC Chelsea, der der Eintracht die Endspielteilnahme kostete, machte das Verhältnis nur umso enger. Die Fans trösteten ihn mit anhaltenden Gesängen und Rufen. „Hätten sie mich nicht aufgefangen, wäre ich wohl in ein Loch gefallen“, sagte er in einem kürzlich erschienenen Interview mit dem Fußball-Magazin „11 Freunde“. Zur Bebilderung des Artikels ließ Hinteregger von sich Fotos als Achtziger-Jahre-Profi schießen – mit Perücke, angeklebtem Schnauzer und altmodischen Fußball-Klamotten. „Ich wäre gerne Profi in den Achtzigern gewesen. Da wurde vieles cooler und entspannter gesehen.“ Fußball pur und unverfälscht – das ist die Sache des Martin Hinteregger.

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