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Eintracht : Trapps Kampfansage: „Ich komme, um zu spielen“

  • Aktualisiert am

Hier noch beim 1. FC Kaiserslautern, prescht er jetzt bei der Eintracht vor: Kevin Trapp. Bild: dpa

Der Torhüter spricht über seinen Wechsel von Kaiserslautern nach Frankfurt, den „ewigen“ Eintracht-Keeper Oka Nikolov und über seine Lehrstunden bei „Gerry“ Ehrmann.

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          Brauchen Sie so etwas wie Ruhe und Geborgenheit für Ihre Arbeit im Tor?

          Ich muss mich wohlfühlen und das Vertrauen des Trainers spüren, dann kann ich die volle Konzentration auf meinen Job legen.

          Ruhe und Geborgenheit werden dem Sternzeichen Krebs zugeordnet, Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner hat gesagt, dass er Spieler schon mal nach solchen Kriterien auswählt. Haben Sie das schon einmal erlebt?

          So etwas habe ich zwar noch nie gehört, aber es freut mich natürlich, wenn er der Meinung ist, dass ich in die Mannschaft passe. Ich hoffe allerdings, dass dies nicht das einzige Kriterium für meine Verpflichtung gewesen ist.

          Vor einem Jahr hätten Sie noch zu Schalke 04 wechseln können. Warum haben Sie sich nun für die Eintracht entschieden?

          Die Gespräche mit Bruno Hübner und Trainer Armin Veh haben mich überzeugt. Ich habe bei der Entscheidung einfach ein sehr gutes Gefühl. Das Konzept gefällt mir: junge Talente, ein paar erfahrene Profis - ich glaube, dass wir so wirklich Erfolg haben können. Das haben mir die Verantwortlichen auch gesagt. Der Verein will nicht nur in der Bundesliga mitspielen, und das reizt mich. Aber natürlich brauchen wir Geduld.

          Würden es Ihnen auf Dauer reichen, nur gegen den Abstieg in der Bundesliga zu kämpfen - so wie schon in Kaiserslautern?

          Nein, sicher nicht. Ich habe andere Vorstellungen. Aber das Ziel eines Aufsteigers kann zunächst nur sein, in der Liga zu bleiben. Danach müssen weitere Schritte folgen. Die Eintracht kann ein Verein sein, der über einen langen Zeitraum eine wichtige Rolle in der Bundesliga spielt. Der Verein und die Mannschaft haben das Potential dafür.

          Die Fans in Kaiserslautern werden nicht begeistert sein, dass Sie ausgerechnet zum Rivalen nach Frankfurt wechseln.

          Das kann ich mir vorstellen. Die waren nicht so erfreut. Aber das darf mich nicht beeinflussen. Ich freue mich auf Frankfurt, weil die Fans dort auch sehr emotional und leidenschaftlich sind. Was dort in der zweiten Liga abgegangen ist, das war schon Wahnsinn.

          Sie haben sieben Jahre für den FCK gespielt. Wie lange dauert es, bis man sich mit einem anderen Verein identifiziert?

          Ich habe in Lautern alles mitgemacht, von der Jugend bis zu den Profis. Aus dieser Zeit sind sehr viele schöne Erinnerungen haften geblieben. Trotzdem kann ich mich recht schnell in einer neuen Umgebung einleben. Eines ist aber auch klar: Nach einem Jahr kann man noch nicht sagen, dass man ein richtiger Adler ist.

          Haben Sie mal im Eintracht-Archiv nachgeschaut, wer dort in den vergangenen zwanzig Jahren so im Tor stand?

          Danach muss ich gar nicht suchen, mir wurde das in den vergangenen Wochen immer wieder gesagt, wer im Tor stand und wer versucht hat, ins Tor zu kommen. Am Ende hat immer Oka Nikolov gespielt, das ist wirklich eine verrückte Geschichte, er hat sich immer wieder durchgesetzt. Ich weiß, dass der Oka ein sehr guter Torhüter ist, das hat er immer wieder bewiesen. Aber jetzt geht der Zweikampf wieder von vorne los: Ich komme zur Eintracht, um zu spielen, ich will nicht auf der Bank sitzen. Ich werde versuchen, meine Leistung so zu zeigen, dass der Trainer gar nicht an mir vorbeikommen kann.

          Hat Sie die Nikolov-Geschichte nie abgeschreckt?

          Natürlich weiß ich, dass er im Verein ein Urgestein ist, dass die Fans ihn lieben. Aber für meine Entscheidung hat das keine Rolle gespielt.

          Nikolov und Sie sind Konkurrenten - wie werden Sie ihm begegnen?

          Ich bin ein umgänglicher Typ, der sich mit anderen Torhütern ganz gut versteht. Natürlich sind wir Konkurrenten auf dem Rasen. Oka will bestimmt auch wieder spielen. Aber das muss nicht bedeuten, dass wir uns nichts zu sagen haben und Probleme miteinander bekommen.

          „Gerry“ Ehrmann, Ihr ehemaliger Torwarttrainer in Kaiserslautern, sagt, dass Sie das größte Talent seien, das er jemals hatte. Und er hatte einige: Wiese, Weidenfeller, Sippel, Fromlowitz. Was zeichnet Sie aus?

          Ich spreche nicht so gern über meine Fähigkeiten, das sollen lieber andere beurteilen.

          Geben Sie uns doch mal einen kleinen Eindruck.

          Ich habe sicher eine gewisse innere Ruhe, die ich mit auf den Platz nehme. Trotzdem bin ich ehrgeizig, ich will die Spiele gewinnen und mich permanent verbessern. Ich habe viel von Gerry gelernt, er hat mir immer gesagt: „Sei mutig, geh raus und schnappe dir die hohen Bälle.“ Auch Fehler waren unter ihm nicht verboten, sie waren Teil des Lernens. Ich glaube, dass ich mich auch in den Eins-zu-eins-Situationen gesteigert habe. Gerry hat mir gesagt, dass ich möglichst lange stehen bleiben soll, und er hat mir erklärt, wie Stürmer eigentlich ticken.

          Wie hat er das gemacht?

          Durch einen Rollenwechsel. Gerry ist ins Tor gegangen, und ich musste mit dem Ball auf ihn zulaufen. Da habe ich gemerkt, wie schwer es für einen Stürmer eigentlich ist, wenn er allein auf den Torwart zuläuft. Solche Sachen haben mir unglaublich viel gegeben.

          Früher kamen nur erfahrene Torhüter als Nummer eins in Frage, inzwischen setzen immer mehr Vereine auf Talente. Warum ist das so?

          René Adler und Manuel Neuer haben den Anfang gemacht, und sie haben sich bewährt. Junge Torhüter sind vielleicht ein bisschen unbekümmerter, und sie haben eine andere Art des Torwartspiels kreiert. Offensiver, mutiger, vielleicht auch technisch besser. Schon in der Jugend wird heutzutage auf einem unglaublich hohen Niveau trainiert und gespielt. So etwas hilft einem dann, auch in der Bundesliga mit dem Druck zurechtzukommen.

          Haben Sie ein Idol?

          Ich würde nicht von einem Idol sprechen, aber es gibt zwei Torhüter, an denen ich mich orientiere. Das ist zum einen Manuel Neuer, weil er sehr komplett ist, er ist groß, reaktionsschnell, hat eine gute Strafraumbeherrschung ist ein guter Fußballer. Und es ist Iker Casillas, weil er mit Spanien und Real Madrid alles gewonnen hat, was man gewinnen kann. Außerdem ist er ein sehr seriöser Torwart, ich mag es, wenn man seine Arbeit macht und nicht zu viel Show.

          Sie sind U-21-Nationaltorwart, ist die A-Nationalmannschaft das nächste Ziel?

          Ja, das wäre der nächste Schritt. Ich weiß aber auch, wie schwierig dieser sein wird, und ich werde alles mir Mögliche dafür tun.

          Das Gespräch führte Michael Wittershagen.

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