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Lehren aus dem Spiel in Bremen : Trapp, der Mahner

Glückwunsch! Simon Falette bedankt sich bei Kevin Trapp, dem besten Frankfurter in Bremen. Bild: EPA

In Bremen war die Defensive die Achillesferse der Eintracht. Der überragende Kevin Trapp hält das 2:2 fest und warnt seine Kollegen: „Wir müssen defensiv viel, viel besser werden.“

          Diesmal hatten sie es besonders eilig. Ein letzter kurzer Plausch noch, dann machte sich die Frankfurter Reisegesellschaft schnell auf den Weg zum Flughafen. Mit an Bord der Chartermaschine, die Kurs auf Mannheim nahm, waren vor allem Spieler, Trainer und Betreuer der Eintracht-Mannschaft, die kurz zuvor dank des 2:2 bei Werder Bremen zum zweiten Mal binnen Wochenfrist gezeigt hat: Man muss nicht immer überragend Fußball spielen, um zu Punkten zu kommen. „Wir waren nicht gut“, sagte Einwechselspieler Mijat Gacinovic über den Auftritt der Hessen im ausverkauften Weserstadion. „Aber trotzdem haben wir vier Punkte geholt.“ Drei am vergangenen Samstag beim Rückrundenauftakt gegen den Sportclub Freiburg. Einen eine Woche später im Topspiel unter Flutlicht bei starken Bremern.

          Zur Frankfurter Entourage gehörte auch Peter Fischer. Der Präsident, nicht unglücklich über den glücklichen Punktgewinn bei offensiv wirbelnden Werder-Profis, wird sich an diesem Montagabend mit frischen Eindrücken an die große Eintracht-Familie wenden. Bei der am Riederwald stattfindenden Mitgliederversammlung wird es für Fischer keine Gründe zur Klage geben. Vor allem sportlich sieht es für die Angestellten der Eintracht Frankfurt Fußball AG weiterhin gut aus.

          Die rechten Antworten zur rechten Zeit

          Die Mannschaft von Trainer Adi Hütter ist trotz des 2:2 in Bremen weiterhin im Rennen um die Europapokalplätze dabei. Vier Punkte haben die Frankfurter in den bisherigen zwei Rückrundenspielen geholt – und nichts an ihrer selbstkritischen Haltung eingebüßt. Zeigte sich Coach Hütter schon nach dem 3:1 gegen Freiburg nicht zufrieden mit dem Auftritt seiner Spieler, so erneuerte er nach dem rasanten Spektakel im Bremer Weserstadion seine Haltung. „Werder war die bessere Mannschaft. Wir haben uns nicht entfalten können, aber immerhin Moral bewiesen.“ Zweimal lag die Eintracht nach den beiden Bremer Toren durch Maximilian Eggestein (27. Minute) und Martin Harnik (52.) zurück. Zweimal folgte prompt der Konter durch Ante Rebic (35.) und Sebastien Haller (68). Die rechten Antworten zur rechten Zeit, um zumindest diesen „guten Punkt“ zu sichern, wie Hütter sagte. Und der nach Kräften überhaupt erst gesichert werden musste.

          Für diesen Part zeichnete maßgeblich Kevin Trapp verantwortlich. Der unumstrittene und seit Wochen in bestechender Form befindliche Spitzenkeeper zeigte auch im Weserstadion eine vorzügliche Vorstellung. An beiden Gegentoren war er zwar machtlos. Doch davor und danach zeigte Trapp diverse Kostproben seines Könnens. „Kevin hält uns immer wieder im Spiel. Er hat uns heute den Punkt festgehalten“, lobte der eingewechselte Marco Russ. „Schon gegen Freiburg hat er sehr gut gehalten.“ Und auch schon nach der Partie gegen den Sportclub war Mahner Trapp nicht einverstanden mit der Art und Weise, wie die Mannschaft spielte. „Das waren jetzt zwei Spiele, in denen ich viel zu tun hatte“, sagte Trapp. „Werder war besser, und wir müssen defensiv viel, viel besser werden.“

          Ein Arbeitstag, den man besser schnell vergisst

          In Bremen war die Defensive die Achillesferse der Frankfurter. Makoto Hasebe als zentraler Kopf der Dreierkette konnte sich längst nicht so wie gewohnt entfalten – auch, weil der überragende Werder-Kapitän Max Kruse früh attackierte und die Kreise des Japaners einengte. Auf den beiden verteidigenden Außenpositionen erwischten sowohl David Abraham als auch der für Evan Ndicka überraschend in die Startelf gerückte Simon Falette einen Arbeitstag, den man besser schnell vergisst. Der Kapitän, lange nicht so schnell und dominant wie sonst, musste nach einer guten Stunde wegen Wadenproblemen ausgewechselt werden. Der Argentinier ist nicht richtig fit, und Trapp erkannte, „dass alle bei uns 100 Prozent topfit sein müssen“. Trotzdem wollte der Keeper, der zum 100. Mal den Dress der Eintracht trug, nach diesem Jubiläumsspiel nicht zu sehr ins Gericht mit seinen Vorderleuten gehen. „Ich finde, dass wir trotzdem eine abgezockte Mannschaft sind.“

          Angeführt und angeleitet von Hütter, der sich wie schon in der Vorwoche gegen Freiburg auch mit der Leistung in Bremen „nicht zufrieden“ zeigte. „In der Vorwärtsbewegung haben wir viel zu viele einfache Ballverluste gehabt“, beklagte der Fußballlehrer. „Wir haben es einfach nicht gut genug gemacht.“ Aber immerhin ausreichend genug, dass es bei den heimstarken und ganz auf Offensive ausgerichteten Bremern zu einem Remis gereicht hat. „Ein Punkt auswärts“, sagte Trapp, „das ist okay“. Ein Punkt zu Hause am kommenden Samstag gegen Branchenführer BVB, das wäre vermutlich auch in Ordnung. Trapp weiß: „Dortmund wird extrem schwer zu bespielen sein.“ Die Eintracht wird darauf vertrauen, dass irgendjemand aus dem angriffslustigen Sturmtrio auch gegen die Borussia zuschlägt. Hütter ist sicher: „Ante hat in einer Woche zwei wunderschöne Tore gemacht. Die geben ihm Selbstvertrauen.“

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