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Eintracht Frankfurt : Bobics Baustellen

Die Wege trennen sich: Stendera verlängert seinen Vertrag, Kittel wird gehen. Bild: Heiko Rhode

Der neue Sportvorstand muss die Eintracht in diesem Sommer neu erfinden. Für Kittel und Gerezgiher ist dabei kein Platz. Testspiele in Österreich sind untersagt.

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          Fredi Bobic hat die Messlatte hoch gelegt. 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche werde er sich für das Wohl der Eintracht einsetzen, kündigte der neue Sportvorstand an. Ein überdurchschnittliches Engagement wird auch vonnöten sein, um den erst in letzter Minute vor dem Abstieg in die Zweitklassigkeit geretteten Klub zu einem soliden Neustart in der Bundesliga zu verhelfen. An Gelegenheiten, sein Geschick zu beweisen, wird es dem 44-Jährigen nicht mangeln: Baustellen, auf denen dringend Handlungsbedarf herrscht, gibt es genügend. Dem Kader, so viel steht nach den ersten Analysen nach dem Happy End in Nürnberg fest, steht eine Runderneuerung bevor, um ihn künftig wieder wettbewerbsfähiger ins Rennen schicken zu können.

          Mindestens sechs neue Akteure werden gesucht, die das Team ergänzen sollen; zwei für jeden Mannschaftsteil. Bobic, so kündigte er es jedenfalls an, will sich beim Bummel auf dem Transfermarkt Zeit lassen, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass er die richtigen Leute zum passenden Preis findet.

          Zahl der Hübner-Kritiker ist gewachsen

          Durch die Teilnahme an der Relegation habe die Eintracht ohnehin Zeit verloren, „wir sind die Letzten in der Kette“. Dass er die Trefferquote beim Casting nach potentiellen Verstärkungen verbessern muss, steht außer Zweifel. Zu oft lagen die Frankfurter bei ihrer Vorgehensweise, bei der Quantität und Qualität der Deals in keinem vernünftigen Verhältnis standen, daneben. Bruno Hübner, der in den vergangenen fünf Jahren in Abstimmung mit dem nun aus dem Amt geschiedenen Vorstandschef Heribert Bruchhagen für das operative Geschäft verantwortlich war, wickelte über hundert Zu- und Abgänge ab.

          Längst nicht bei jedem besaß er ein glückliches Händchen, was ihm auch intern eine wachsende Zahl an Kritikern einbrachte. Seine Ablösung in diesem Sommer stand zur Debatte, doch Bobic sprach sich für den Verbleib des 54-Jährigen aus, der vor allem durch seinen gewagten Schachzug, für die Rettungsmission gegen den drohenden Abstieg Niko Kovac verpflichtet zu haben, Pluspunkte sammelte. Er habe „große Lust“, betonte Bobic, mit Hübner gemeinsame Sache zu machen. „Wir kennen uns, wir schätzen uns“, lautete seine Einstellung. Bobic räumte ein, dass es im Alltag, beim Umgang mit der aktuellen Mannschaft, mit Spielern, die das Interesse der Eintracht geweckt haben, sowie deren Beratern durchaus „zu Überschneidungen“ kommen könne, doch er sehe darin kein Problem.

          Er und Hübner seien dafür da, gemeinsam eine Strategie zu entwickeln, Trainerwünsche zu erfüllen, und schließlich sprächen sie „beide mit einer Zunge“. Bobic fügte an, dass die Rollenverteilung für Hübner eine Beschränkung der Einflussmöglichkeiten vorsieht: „Ich bin der, der die Entscheidung trifft.“ Er sei optimistisch, dass sich das Modell als tragfähig entpuppe. Falsche Vorstellungen machte sich Bobic jedoch nicht: „Wenn es nicht funktioniert, bin ich der Erste, der angeschossen wird.“

          Bobic liebäugelt mit „Mainzer Weg“ bei Nachwuchsförderung

          Bei der anstehenden Kaderplanung, sagte der ehemalige Nationalstürmer, „werden wir nicht mit dem Dampfhammer vorgehen“. Er ließ aber auch keinen Zweifel: Die Mannschaft, die in der abgelaufenen Saison in ihrer Zusammensetzung zu oft an Grenzen stieß, „wird ein anderes Gesicht bekommen, es werden uns auch Spieler verlassen“. Konkreter wollte er zunächst nicht werden. Dafür äußerte sich Hübner detaillierter: Er ließ durchblicken, dass sich die Wege von Sonny Kittel und der Eintracht trennen. Der Vertrag des Talents, der so oft nicht zeigen konnte, zu welchen Leistungen er imstande ist, weil ihn Verletzungen zurückwarfen, wird nicht über den 30. Juni hinaus verlängert. Gründe dafür nannte Hübner keine. Dem Vernehmen nach soll es aber zu verbalen Auseinandersetzungen zwischen Kittel und Kovac gekommen sein. Der Trainer hatte den 23-Jährigen nicht nominiert, stattdessen auf Mijat Gacinovic gebaut und die Nichtberücksichtigung Kittels mit einer Erkrankung begründet.

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