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Eintracht-Spieler Fernandes : „Vieles muss besser werden“

Meldet sich zurück: An Einsatzbereitschaft macht Gelson Fernandes so schnell niemand etwas vor. Bild: EPA

Um gegen den BVB bestehen zu können, benötigt die Eintracht mehr Abwehrkraft. Fernandes rückt in den Fokus und steht laut Adi Hütter für Verlässlichkeit.

          Nach knapp drei Tagen haben sie einen Schlussstrich gezogen. Adi Hütter hat sich dafür genau eine dreiviertel Stunde Zeit genommen, um gemeinsam mit seinen Spielern in der Videoanalyse das 2:2 von Bremen aufzuarbeiten. „Das ist vorbei. Jetzt kommt Dortmund.“ Das Spiel gegen den Branchenführer. Der Spitzenreiter der Fußball-Bundesliga gegen den Tabellenfünften Eintracht Frankfurt, für den Gelson Fernandes wieder eine Alternative ist. Im Bremer Weserstadion, beim Abendspektakel unter Flutlicht, konnte der Frankfurter Mittelfeldspieler nicht mithelfen. Er war wegen der fünften Gelben Karte gesperrt, die er beim Wiedersehen mit seinen alten Freiburger Kameraden erhalten hatte. „Ich habe mir das Spiel am Fernseher angeschaut“, sagte Fernandes am Dienstag nach der ersten und einzigen öffentlichen Trainingseinheit dieser Woche.

          Es dauerte länger als geplant, bis sich der polyglotte Schweizer über die schwere Aufgabe gegen den BVB äußern konnte. Erst um 11.45 Uhr, 75 Minuten später, als es der ursprüngliche Plan vorsah, startete die Eintracht auf der beheizten Rasenfläche der sogenannten Kleinen Kampfbahn im Frankfurter Stadtwald für jedermann sichtbar ihr Vorbereitungsprogramm für Samstag. Als weitere 75 Minuten später Schluss war und Fernandes zielstrebig das Gespräch suchte, strahlte er jede Menge Zuversicht aus. „Das Training heute war scharf und aggressiv. Richtig gut.“ Genauso, wie sich Chefcoach Hütter das vorab ausgemalt hatte. Und auch die Mannschaft selbst wusste ja, dass Korrekturen vonnöten sind. Vor allem im Defensivverbund hat es zuletzt beim Remis in Bremen zu selten gestimmt.

          Schwächen in der Defensive

          Alles spricht dafür, dass Hütter seinen angestammten jungen Innenverteidiger Evan Ndicka wieder in die Startelf bringt. Und auch Fernandes ist mehr als nur eine Option. Der Österreicher weiß, was er an dem Schweizer hat. Verlässlich, berechenbar, fokussiert: Wenn es gilt, vor der Dreierabwehrkette für Sicherheit zu sorgen, hat der ganz auf Defensive ausgerichtete Fernandes diese Aufgabe in den zurückliegenden Spielen zumeist mit vollster Zufriedenheit erfüllt. Der 32-Jährige von den Kapverdischen Inseln hat auch als Betrachter am Bildschirm erkannt, „dass Bremen besser war. Momentan klappt in unserem Spiel nicht alles so gut wie früher“. Einer der Gründe dafür liegt in der Defensive. David Abraham, eigentlich ein über jeden Zweifel erhabener Abwehrrecke, der sich durch eine hohe Schnelligkeit auszeichnet, schwächelt. In Bremen konnte er wohl auch wegen Problemen an der Wade sein Potential nicht abrufen. Am Dienstag war der Argentinier nicht dabei. Weitere medizinische Untersuchungen, heißt es, würden vorgenommen. Hört sich eher nicht danach an, dass Abraham schnell wieder fit wird und zurückkommt.

          Abrahams defensiver Kollege Fernandes ist überzeugt davon, dass die Eintracht auch gegen die derzeit beste deutsche Fußballmannschaft bestehen kann. „Aber dafür müssen viele Sachen besser werden.“ So wünscht sich der Schweizer endlich auch mal wieder ein Spiel, in dem Torhüter Trapp ohne Gegentor bleibt. „Ich habe es nicht gern, wenn Kevin zu viel Arbeit hat.“ Dafür aber muss die Abwehr stehen. „Wir brauchen mehr Kompaktheit“, sagt Fernandes. „Mehr Pressing. Und wir müssen den Gegner laufen lassen.“ Ob der BVB so etwas am Samstagnachmittag mit sich machen lasst?

          Dafür steht Gelson Fernandes

          Fernandes verfolgt genau, was sich bei der Borussia seit dem vergangenen Sommer getan hat. Schließlich trägt bei den Westfalen ein Mann die Verantwortung, den der Eintracht-Profi kennt. Auch Trainer Lucien Favre ist Schweizer, und Fernandes’ Wunsch, einmal unter ihm spielen zu dürfen, hat sich in seiner langen und abwechslungsreichen Karriere nicht erfüllt. „Zweimal war es kurz davor“, erinnert er sich. Doch weder in Zürich noch bei der Berliner Hertha, wo Fernandes im Gespräch gewesen war, kam es zu einer Zusammenarbeit mit Favre. Für Fernandes kein Grund, betrübt zu sein. Bei der Eintracht hat er bislang das Optimum aus seinen Möglichkeiten herausgeholt.

          Anders als auf Dortmunder Seite Neuzugang Marius Wolf. Wolf, im vergangenen Sommer von Frankfurt zur Borussia gewechselt, durfte nur zu Saisonbeginn zeigen, dass er dem BVB offensiv eine Hilfe sein kann. Doch insgesamt nur sechs Bundesligaspiele sind eine ernüchternde Bilanz für den Außenspieler. „Wolf ist ein Diesel“, sagt Fernandes. „Er braucht Spiele, um reinzukommen.“ Spiele, die Favre ihm bislang nicht in Hülle und Fülle gegeben hat. Anders als Hütter in Frankfurt, der Fernandes in hohem Maße schätzt. „Gelson ist ein Spieler, wie ihn sich jeder Trainer wünscht. Er gibt immer alles, er ist immer für die Mannschaft da.“ Ein Spieler, der für Verlässlichkeit steht. 16 Saisoneinsätze zeugen davon. Am Samstag kommt Spiel Nummer 17 dazu.

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