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Eintracht-Spieler Ante Rebic : Der Eisen-Mann

  • -Aktualisiert am

Kämpferischer Stürmer: Eintracht-Profi Ante Rebic Bild: Heiko Rhode

Der bullige Ante Rebic vergleicht seine Spielweise mit der von Cristiano Ronaldo und Gareth Bale. Bei den Frankfurtern ist der dribbelstarke Kroate der beste Stürmer des Jahres 2017.

          5 Min.

          Ante Rebic ist der beste Eintracht-Stürmer des Jahres 2017. Bei einer Offensive, die in neun Bundesligaspielen gerade mal vier Treffer erzielt hat, heißt das nicht viel. Aber für den 23 Jahre alten Kroaten bedeutet es sehr viel, dass er über Wochen konstant gute Leistungen zeigt. Nachdem der Profi in den vergangenen vier Jahren ins Schlingern gekommen ist, kann er nun wieder festen Boden unter seine Fußballstiefel bekommen. Vor vier Jahren kaufte ihn der AC Florenz vom kroatischen Erstligaklub RNK Split.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Seitdem versuchte er zweimal vergeblich, beim italienischen Erstligaklub einen Stammplatz zu ergattern, und bei seinen Ausleihstationen Hellas Verona und RB Leipzig setzte er sich auch nicht durch. Der dritte Versuch scheint nun erfolgreich zu sein. Nach einem schwierigen ersten Vierteljahr hat er den Trainer, die Sportliche Leitung und die Fans von seinen Fähigkeiten überzeugt. Rebic darf darauf hoffen, dass die Eintracht die Kaufoption zieht und nach der Saison zwischen drei und vier Millionen Euro an den AC Florenz überweist.

          „Wenn es nach mir geht, bleibe ich in Frankfurt. Ich fühle mich sehr wohl hier, alles läuft bestens. Aber Sie müssen Fredi Bobic fragen, ob ich die nächsten Jahre noch für die Eintracht spiele. Wenn Sie mir jedoch einen Vertrag geben, unterschreibe ich.“

          Kovac meint es gut mit Rebic

          Wenn ihm vor vier Jahren jemand gesagt hätte, er werde 2017 glücklich sein, bei einem Mittelklasse-Bundesligaklub spielen zu dürfen, hätte Rebic wohl den Kopf geschüttelt. Damals galt er als eines der größten Talente seines an Fußballbegabungen reich gesegneten Landes. Tottenham interessierte sich für ihn, Florenz kaufte ihn, mit 19 wurde er Nationalspieler und mit 20 WM-Teilnehmer. Was ist schiefgelaufen?

          „Es war viel Pech dabei. Die Liga in Italien liegt mir nicht. Da geht es zu sehr um das Taktische, Stürmer haben keine Räume, und die Verteidiger bringen einen um, selbst wenn der Ball nicht in der Nähe ist. In Leipzig gab es das Problem mit dem Trainer (Alexander Zorniger, die Redaktion). Er hatte seine erste Elf schon im Kopf, als ich kam. Und er wusste gar nicht, dass ich kommen würde. Außerdem war ich häufig verletzt. Für mich ist diese Saison bei der Eintracht die erste richtige seit meiner letzten Spielzeit in Split.“

          Es gibt auch Stimmen, die Rebic eine Mitschuld daran geben, dass seine Laufbahn nicht steil nach oben führte. In Leipzig hört man nichts Gutes über seine Integrationsfähigkeit. Eintracht-Trainer Niko Kovac stachelte im Herbst und dann noch einmal im Dezember den Ehrgeiz seines Linksaußen an. Er müsse auch an die Defensivarbeit denken und sich in den Dienst der Mannschaft stellen. Dabei meint es Kovac ausgesprochen gut mit Rebic. Er holte ihn als Trainer der kroatischen Junioren-Nationalmannschaft in sein Team, und als Kovac zum Nationaltrainer aufstieg, nahm er Rebic mit.

          RNK Split entdeckte sein Talent

          Nur auf die Empfehlung des Cheftrainers ging die Eintracht das Risiko ein, den Kroaten von Florenz auszuleihen. Sportdirektor Bruno Hübner machte damals in der offiziellen Pressemitteilung eine Bemerkung. Nun ist man in Frankfurt froh, dass sie ihn haben – am vorsichtigsten lobt ihn Kovac, der meint, die vielen Schulterklopfer in Kroatien hätten dem Talent den Kopf verdreht. Ist das so gewesen?

          „Nein, das glaube ich nicht. Ich konnte mich immer gut einschätzen. Außerdem habe ich immer mein Bestes gegeben. Diese Einstellung ist in mir drin.“

          Ante Rebic stammt aus einem guten Elternhaus. Er wuchs in Imotski auf, einer Kleinstadt in der Nähe von Split. Sein Vater ist Busunternehmer, seine Mutter Rechtsanwaltsgehilfin. Mit Fußball hatte die Familie nichts zu tun.

          „Als ich sieben Jahre alt war, lernte ich meinen Freund Ivan kennen. Der nahm mich das erste Mal zum Fußball mit. Ich war von der ersten Sekunde an begeistert.“

          Sein Talent blieb nicht verborgen. Beim großen Klub Hajduk fiel Ante durch, doch ein Jugendcoach von RNK Split förderte ihn.

          „Er hat mich geliebt und bis in die erste Mannschaft gebracht. Wir haben heute noch Kontakt. Er ist für meine Karriere wohl am wichtigsten gewesen, mit Niko Kovac zusammen.“

          Bewertungsgrundlagen wie in England

          Rebics größtes Kapital ist seine Konstitution. Bundesliga-Rekordspieler Karl-Heinz Körbel scherzte einmal, der Kroate habe einen Körper aus Eisen. „An ihm prallen die Gegner ab.“ Rebic muss schmunzeln, als er das hört.

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