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Eintracht-Spiel : Ein kontrolliertes Experiment

Die Fans sind zurück im Stadion und sehen einen Eintracht-Sieg. Bild: dpa

Die Eintracht bestreitet im Waldstadion ihr erstes Spiel vor 10.000 Zuschauern, die Zahl war lange umstritten. Doch die meisten Fans halten sich an die Regeln. Erst nach dem Spiel fallen viele Masken.

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          Für einen sonnigen Samstagnachmittag in Pandemie-Zeiten ist die S-Bahn außergewöhnlich gut gefüllt. Wohin sie wollen, ist schon an der Kleidung zu erkennen und wird spätestens an der Haltestelle Stadion offenbar: zum ersten Fußballspiel im Waldstadion vor Publikum seit etwa neun Monaten. Dort wird an diesem Tag um 15.30 Uhr das Testspiel Eintracht Frankfurts gegen den französischen Erstligaklub AS St-Étienne angepfiffen.

          Fans trinken Bier aus Halbliter-Plastikbechern. Die Stimmen sind schon vor dem Spiel lauter und grölender als sonst, man lacht, man klatscht sich zur Begrüßung kumpelhaft ab. Vieles wirkt wie vor dem März 2020. Auf dem Weg von der S-Bahn-Station zum Waldstadion fällt allerdings auf: Anstelle eines gewaltigen Pulks bewegt sich eher eine lose über die Strecke verteilte Menschenmenge zum Spiel. Für das entwöhnte Auge ist es dennoch eine große Gruppe, und vereinzelte Stimmen lassen vernehmen: „Ach, das sind ja doch ein paar Leute!“

          Desinfektionsmittel aus Kanistern

          Dennis Kowalsky und Jaspin Kuhn sind für das Spiel aus Gießen angereist. Sie sind keine regelmäßigen Stadiongänger und wollten eigentlich den Frankfurter Fans den Vortritt lassen. Als sie am Freitag aber erfuhren, dass noch Karten übrig seien, haben sie die Chance ergriffen und sich spontan auf den Weg nach Frankfurt gemacht. Die Vorfreude auf das Ereignis steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Sie freuen sich darauf, die neuen Spieler der Eintracht kennenzulernen, Frankfurt zu sehen und mal wieder mit Freunden beim Spiel zu reden.

          Je näher der Anpfiff rückt, desto ansteckender wird die Vorfreude. Fans singen auf dem Weg zum Eingang, haben die Arme in die Luft gestreckt. Aus dem Stadion tönt ein pulsierender Bass. Auffällig ist: Die Menschen halten sich an die Hygienevorgaben der Eintracht. Plakate rund um das Stadion weisen auf die bekannten Regeln hin, Security-Personal bittet hier und da einen Fan, auch vor dem Stadion im Freien die Maske aufzubehalten, und Männer bieten aus Kanistern auf ihren Rücken Desinfektionsmittel an.

          Im Stadion selbst beeindruckt die Lautstärke, die die Fans erzeugen. Die Spieler der Eintracht werden mit donnerndem Applaus begrüßt, der Anpfiff geht im Getöse der Fans unter. Und das, obwohl gerade mal ein Fünftel der Plätze belegt ist. Die oberen Ränge sind leer, die Reihen näher am Spielfeld auch im doppelten Schachbrettmuster nicht ausgelastet: zwischen zwei besetzten und zwei freien Plätzen sind immer mehrere Stühle leer.

          Vor rund 10000 Zuschauern absolvieren die Spieler der Eintracht ihr letztes Testspiel vor dem Beginn der Bundesliga. Zuvor hatte es einen Streit um die Zuschauerzahl gegeben: Die Stadt genehmigte 10000 Zuschauer, das Land wollte die Zahl der Fans auf 5000 beschränken, lenkte schließlich aber ein. Die eine Hälfte der Fans war genesen oder doppelt geimpft, die anderen 5000 wiesen einen negativen Corona-Test vor.

          Wenn sich bei Gesängen wie „Steht auf, wenn ihr Adler seid“ jeder im Stadion erhebt, kommt keine lückenlose Welle zustande. Aber für den optischen Effekt reicht es aus. Auch sind keine großen Fahnen zu sehen, Trommeln und Megafone gibt es nicht. Die Fans wurden gebeten, darauf zu verzichten. Möglicherweise der Versuch, die Ultras Frankfurt vom Spiel fernzuhalten. Die hatten ohnehin schon im September 2020 bekanntgegeben, erst wieder in das Stadion zu kommen, wenn alle Plätze belegt werden dürfen.

          Viele stehen trotz Sitzplätzen

          Dass die anwesenden Fans Spaß haben, wird schnell deutlich. Viele stehen trotz Sitzplätzen durchgehend, es wird gehüpft, die Stimmung nimmt auch nach dem Gegentor der Gäste aus Frankreich nicht ab. „Für uns war es großartig“, sagt Till Karlus nach dem Spiel. Er und sein zwölfjähriger Sohn hätten Gänsehaut gehabt. Fast alle hätten sich konsequent an die Corona-Maßnahmen gehalten. Nur einen Einzigen hätten sie gesehen, der ohne Maske eine Bratwurst gekauft habe.

          Auch Jonas Lipper und Johannes Heyter sind zufrieden mit dem Spiel. „Man hat aber gemerkt, dass die Ultras nicht da waren“, sagen sie. Die Stimmung sei nicht schlechter gewesen, sondern anders. In manchen Situationen hätten sie sich gewünscht, dass auch die Plätze neben ihnen besetzt gewesen wären. „Zum Getränkeabstellen war es aber schön.“

          Sophie und Manfred Nesswetter fühlen sich im Stadion sicher. Sie seien doppelt geimpft und gingen ohnehin seit 30 Jahren immer zu zweit zum Spiel – hätten also kein Problem mit der Sitzordnung. Nur die An- und Abfahrt sei problematisch. Und tatsächlich: Nach dem Spiel singen Fans in Bierlaune lautstark an den Haltestellen, Abstand wird nicht gewahrt. Auch in der Bahn nach Sachsenhausen vergisst manch einer, die Maske aufzuziehen. Solche Gruppen sind bei der Generalprobe für die Eintracht und die Fans allerdings eine Ausnahme. Ein Großteil der Zuschauer sind Familien, die Menschenmenge löst sich nach dem Spiel schnell auf, ohne größere Pöbeleien – schließlich hat die Eintracht gewonnen.

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