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Eintracht Frankfurt : „Es wird keine Notverkäufe geben“

  • -Aktualisiert am

Begehrt, weil auf ihn Verlass ist: Eintracht-Torhüter Lukas Hradecky Bild: Heiko Rhode

Geräuschlos hat die Eintracht die zweite Liga geplant. Auch die Suche des Sportvorstandes kommt voran: Bobic ist einer von drei Kandidaten.

          3 Min.

          Die Frankfurter Eintracht befindet sich in diesen Tagen in einem großen Zwiespalt. Einerseits darf sie vier Spieltage vor dem Saisonende nicht den Eindruck erwecken, den Abstiegskampf schon aufgegeben zu haben, was angesichts von vier Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz und einer ungeheuren Torflaute eine ebenso logische wie natürliche Reaktion wäre. Andererseits darf sie sich nicht der Realität verschließen und muss für eine Zukunft in der zweiten Liga planen. Das muss allerdings ziemlich geräuschlos geschehen, damit die Anstrengungen von der Öffentlichkeit nicht als Misstrauensbeweis für den Trainer und die Mannschaft gewertet werden.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Bei ihren Vorbereitungen für die zweite Liga ist die Eintracht schon ziemlich weit – so weit, wie sie in der derzeitigen Situation sein kann, in der noch kein neuer Sportvorstand für die kommende Saison gefunden ist. Die Rahmenbedingungen sind festgelegt. Der Lizenzspieleretat in Höhe von 22 Millionen Euro im Etatansatz des Lizenzantrages für die Zweite Bundesliga wurde von der Deutschen Fußball Liga (DFL) akzeptiert. Mit der Einschränkung, die Liquidität erhöhen zu müssen. Dieser Aufforderung ist die Eintracht bereits nachgekommen. Es wurden Kreditlinien erweitert und abgesichert, bei Banken und bei Freunden des Vereins, auch über Bürgschaften. Somit hat der Verein in der kommenden Transferperiode vollen Handlungsspielraum und ist nicht gezwungen, wie schon kolportiert, einen Transferüberschuss im Sommer zu erzielen. „Wir haben vollen Handlungsspielraum, es werden keine Notverkäufe notwendig sein, wenn wir absteigen“, sagt Vorstandsmitglied Axel Hellmann.

          Die meisten Spielerverträge sind gültig fürs Unterhaus

          Da alle Profis bis auf Szabolcs Huszti einen für die zweite Liga gültigen Vertrag besitzen, hat die Eintracht schon einen kompletten Kader für die kommende Saison – wenn sie ihn denn in dieser Besetzung behalten wollte. Wobei es ganz wenige Spieler wie Carlos Zambrano gibt, die eine Ausstiegsklausel in ihrem Vertrag besitzen und für eine bestimmte Ablösesumme gehen können. Alle anderen müssen für 30 bis 50 Prozent geringere Bezüge nach dem Abstieg weiter für die Eintracht gegen den Ball treten. „Der Weg führt die Spieler in die Rehabilitation zweite Liga. Bei einem Abstieg gäbe es keine Profiteure“, sagt Hellmann und fügt an: „Das merkt man der Mannschaft auch an, wenn ich sehe, wie sie sich gegen den drohenden Abstieg stemmt.“ Die Vertragsgestaltung beim derzeitigen Kader sei auch eine Erfahrung aus dem Abstiegsjahr 2011, als die Mannschaft in der Schlussphase der Saison nicht in aller Geschlossenheit weiterkämpfte.

          Wie viele Profis tatsächlich im Kader verbleiben, hängt auch von den Angeboten anderer Klubs ab und von der Einschätzung des neuen Sportvorstandes. Zambrano, Seferovic, Meier und Hradecky gelten als erste Wechselkandidaten, aber auch für Oczipka und Abraham könnte durchaus Interesse bei Erstligaklubs im In- und Ausland bestehen. Ob alle bleiben oder mehrere gehen: Das Gerüst steht, die Eintracht wird bei der Kadergestaltung nicht unter Zeitdruck geraten, obwohl das Training im Falle des Abstiegs schon am 20. Juni begänne und die Zweitligasaison am 5. August startet.

          Wer aber wird nun der neue Sportvorstand? Und wann wird er endlich präsentiert? Die sportliche Zukunft der Eintracht kann sich schon in zehn Tagen endgültig entschieden haben. Da wäre es gut, den verantwortlichen Mann an Bord zu haben. Wolfgang Steubing kann die beiden Fragen am besten beantworten. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates hat in den vergangenen Wochen die Suche maßgeblich vorangetrieben, nachdem die Favoriten der Findungskommission, zu der außer Steubing noch Eintracht-Präsident Peter Fischer und Aufsichtsrat Philipp Holzer gehören, nicht zur Verfügung standen. Nachdem Christoph Metzelder, Christian Nerlinger und Jens Lehmann aus dem Spiel waren, kam erschwerend hinzu, dass sich die sportliche Situation weiter zuspitzte.

          Bobic ist heißer Kandidat

          Die Ungewissheit der Klassenzugehörigkeit ließ nun einige qualifizierte Kandidaten zögern. Dafür gab es einige unangemeldete und weniger qualifizierte Bewerbungen. „Ich habe mir die Mühe gemacht, mit allen zu sprechen“, sagte Steubing am Mittwoch. Er legt Wert auf die Feststellung, nur Sondierungsgespräche geführt und keine Vertragsangebote übermittelt zu haben. „Die Darstellungen sind falsch, dass ich das Tagesgeschäft übernommen hätte. Das sind fahrlässige Behauptungen, denn damit würde ich als Aufsichtsrat gegen das Aktiengesetz verstoßen.“ Aber er sagt auch: „Wir sind weiter, als viele glauben“ – ohne Einzelheiten zu nennen.

          Es ist jedoch zu hören, dass es nur noch maximal drei Kandidaten gibt, über die im Vorstand und Aufsichtsrat bereits Einigung besteht, dass jeder von ihnen geeignet wäre. Es könnte also ganz schnell gehen, vor allem wenn feststünde, wie die Reise der Eintracht weitergeht – erstklassig oder zweitklassig. Namen wollte Steubing nicht kommentieren. Aber es gibt eindeutige Hinweise, dass der frühere Nationalstürmer und Stuttgarter Manager Fredi Bobic zu den Auserwählten gehört. Bobic stand schon auf der Liste der Findungskommission, aber erst auf einer mittleren Position. Je weiter die Eintracht in der Tabelle abrutschte, desto höher kIetterte der Schwabe mit slowenisch-kroatischen Wurzeln im Ranking der Frankfurter.

          Wie der neue Sportvorstand auch heißen mag, er wird darüber zu befinden haben, ob er die sportlichen Entscheidungen allein trifft oder in Zusammenarbeit mit Sportdirektor Bruno Hübner. Hübner ist im Vorstand und Aufsichtsrat sehr umstritten, was nicht die härteste aller möglichen Formulierungen ist. Wenn der Nachfolger von Heribert Bruchhagen den Eindruck haben sollte, auf Hübner verzichten zu können, werden die Eintracht-Gremien nicht widersprechen.

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