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Eintracht : „Ich bedanke mich nicht bei Skibbe“

  • Aktualisiert am

Markus Steinhöfer (hier bei einer Mannschaftspräsentation der Eintracht in der Commerzbank-Arena) wurde erst unterschätzt und verhilft heute seiner Mannschaft zum Erfolg. Bild: Nauck, Daniel

Als Rechtsverteidiger hatte Markus Steinhöfer in dieser Woche seinen Anteil am 1:0-Erfolg des FC Basel gegen Bayern München in der Champions League.

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          Es war der bisherige Höhepunkt einer wundersamen Karriere, die bei der Frankfurter Eintracht seinen Tiefpunkt hatte. Im Sommer 2008 wurde er verpflichtet, doch der ehemalige Trainer Michael Skibbe legte keinen Wert auf die Dienste des heute Fünfundzwanzigjährigen. Erst wurde Steinhöfer nach Kaiserslautern in die zweite Liga ausgeliehen, dann musste er gehen. Ironie der Geschichte: Heute misst sich Steinhöfer mit den ganz Großen, und die Eintracht spielt gegen Vereine wie Paderborn, Ingolstadt und Aue.

          Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, dass Sie der letzte deutsche Spieler im Viertelfinale der Champions League sein könnten?

          Noch nicht, aber das wäre wirklich eine lustige Geschichte. Das wäre ein Ding. Man muss sich das nur einmal vorstellen: Vor ungefähr einem Jahr habe ich Eintracht Frankfurt verlassen, weil ich dort keine Chance mehr erhalten habe, weil ich auf dem Abstellgleis war. Und nun spiele ich mit dem FC Basel in der Champions League. Es ist sensationell, was wir hier geschafft haben. Wir haben Manchester United ausgeschaltet, haben das Hinspiel gegen München 1:0 gewonnen. Das ist Wahnsinn.

          Fragen Sie sich manchmal, wie das überhaupt alles möglich sein kann?

          Immer wieder. Nachdem wir in Manchester 3:3 gespielt hatten, saß ich abends im Bus und habe die letzten Monate noch mal vor meinem geistigen Auge abgespult: Das war unglaublich! Für die Eintracht war ich plötzlich nicht mehr gut genug, da stand ich nicht einmal mehr im Kader. Und dann habe ich dabei geholfen, als wir in Old Trafford, in diesem Fußballtempel, gezeigt haben, dass wir mit den ganz Großen mithalten können. Diese Erlebnisse in der Champions League werde ich immer in Erinnerung behalten. Wenn die Hymne läuft und du auf dem Rasen stehst, dieses Gefühl werde ich nie vergessen. Ich hoffe, dass ich dieses Jahr noch ein paar Hymnen hören darf - und dafür müssen wir nun natürlich die Bayern ausschalten.

          Warum wurden Sie in Frankfurt eigentlich ausgemustert vom ehemaligen Trainer Michael Skibbe?

          Das weiß ich bis heute nicht. Ich habe damals zwei Mal das Gespräch mit ihm gesucht, aber danach war ich jeweils genau so schlau wie vorher. Michael Skibbe hat mir damals von Anfang an gesagt, dass ich unter ihm keine Rolle spielen werde. Warum, das ließ er offen. Dieses Ungewissheit war das Schlimmste für mich. Hätte ich schlecht trainiert und anerkennen müssen, dass die anderen viel besser sind, dann wäre es hart gewesen, aber ich hätte es akzeptieren müssen. Aber so war es nicht. Für mich war klar, dass ich deshalb den Absprung so schnell wie möglich schaffen muss. Wenn du mit 24 Jahren kaum Spiele machst, dann wirst du natürlich immer uninteressanter für andere Vereine. Also bin ich gegangen - und jetzt bin ich bei einem guten Verein.

          Warum haben Sie während Ihrer Zeit in Frankfurt immer weiter an sich geglaubt, obwohl es der Trainer nicht getan hat?

          Die Zeit in Frankfurt war hart, sie war ungemein schwierig. Allein hätte ich es sicher nicht geschafft, aber meine Freundin und meine Familie haben mich ungemein unterstützt. Sie waren immer auf meiner Seite. Irgendwann bin ich dann an einen Punkt gekommen, wo ich gesagt habe: Von nun an trainiere ich nur noch für mich. Ich war teilweise alleine mit unserem Fitnesstrainer auf dem Platz, weil ich unbedingt weiterkommen wollte. Ich habe nie aufgegeben - und nun wurde ich dafür belohnt.

          Haben Sie sich als Fußballspieler verbessert, seitdem Sie in Basel spielen?

          Definitiv. Am Anfang musste ich erst einmal wieder meinen Rhythmus finden, aber in dieser Saison spiele ich sicherlich so gut wie noch nie in meiner Karriere. Ich interpretiere die Außenverteidigerposition sehr offensiv, ich habe in der Liga acht Tore vorbereitet. Ich mache weniger Fehler als mit 20 oder 21, mit den Jahren wirst du immer erfahrener und abgeklärter. Trotzdem gibt es immer noch Luft nach oben.

          Ihr Teamkollege Xherdan Shaqiri wechselt zum FC Bayern, Granit Xhaka wird mit dem Hamburger SV in Verbindung gebracht - ist die Bundesliga auch für Sie noch ein Ziel?

          Natürlich, ich habe immer gesagt, dass ich noch mal nach Deutschland zurückmöchte. Nur das Wann und Wo kann und möchte ich derzeit noch nicht beantworten. Derzeit fühle ich mich in Basel sehr wohl, wir haben hier gemeinsam noch einiges vor.

          Im Nachhinein müssen Sie froh sein, dass die Eintracht ohne Sie geplant hat. Ansonsten müssten Sie an diesem Sonntag in Paderborn auflaufen.

          Ja, genau das habe ich mir schon oft gedacht. Inzwischen muss ich über alles froh sein, die Dinge sind perfekt gelaufen für mich. Ich spiele natürlich lieber in zwei Wochen in der Champions League gegen München als in der zweiten Liga gegen Paderborn. Trotzdem werde ich Michael Skibbe nicht anrufen und mich bei ihm dafür bedanken, dass er mich aussortiert hat.

          Die Fragen stellte Michael Wittershagen.

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