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Eintracht : Harmonische Konkurrenz

  • -Aktualisiert am

Sorgte in nur acht Spielen für eine Wachablösung im Tor der Frankfurter: Torwart Kevin Trapp. Bild: Wonge Bergmann

Der Übergang vom Platzhirsch Nikolov zum Herausforderer Trapp stellt sich für den jüngeren der beiden Eintracht-Torhüter als eine „ideale Situation“ dar.

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          Fast elf Jahre hat Andreas Menger für die Frankfurter Eintracht gearbeitet, zunächst als Torwart, ab 2005 erfolgreich als Torwarttrainer. Nach dem Abstieg im Sommer 2011 hat er den Klub verlassen und ist zum VfB Stuttgart gewechselt. An diesem Sonntag trifft er zum ersten Mal wieder auf seinen ehemaligen Klub. Der 40 Jahre alte Menger ist ehrlich genug, nicht zu behaupten, es sei für ihn ein „normales Spiel“. Die „tolle Zeit“ in Frankfurt hat er nicht vergessen, „jeder weiß ja, dass ich mich bei der Eintracht wohl gefühlt habe“. Deshalb sei es eben kein x-beliebiges Bundesligaspiel. Den Aufstieg seines ehemaligen Klubs verfolgt er durchaus wohlwollend, lobt die handelnden Personen wie Trainer Armin Veh oder Vorstandschef Heribert Bruchhagen, „die mit gutem Händchen eine tolle Mannschaft zusammengestellt haben“. Und er gönnt der Eintracht „ganz viele Siege, nur nicht gegen uns“.

          Zum tollen Team der Eintracht gehört auch Torwart Kevin Trapp, der es in nur acht Spielen geschafft hat, für eine Wachablösung im Tor der Frankfurter zu sorgen. Der 22 Jahre alte Trapp hat den 38 Jahre alten Oka Nikolov abgelöst, so wie es die Eintracht sich von der 1,5 Millionen Euro teuren Verpflichtung im Sommer gewünscht hatte. Es war bisher ein „sanfter Übergang“ vom Platzhirsch Nikolov zum jüngeren Herausforderer, bestimmt von großem Respekt und begleitet von ebenso großer Harmonie. Trapp versteht sich nicht nur gut mit seinem Vorgänger und Immer-noch-Konkurrenten, er hofft sogar, dass die „ideale Situation“ mit einem jungen und einem älteren Torhüter über diese Saison hinaus Bestand hat. „Ich wünsche mir, dass Oka noch ein Jahr dranhängt“, sagt die neue „Nummer eins“ der Eintracht.

          „Es ist immer am besten, vor der eigenen Haustür zu kehren“

          In Stuttgart trifft Trapp auf einen anderen aus der Gilde der guten jungen Torhüter, auf den 24 Jahre alten Sven Ulreich. Der wird beim VfB von Andy Menger trainiert, Trapp in Frankfurt von Moppes Petz. Menger scheut sich vor einem direkten Vergleich. „Fast alle Torhüter in der Bundesliga haben große Fähigkeiten“, sagt er, dies gelte selbstverständlich auch für Trapp und für Ulreich. Womöglich habe sein Stuttgarter Schützling aktuell noch den Vorteil der internationalen Erfahrung. Der VfB steckt mitten in den Spielen der Europa League, trifft an diesem Donnerstagabend auf den FC Kopenhagen. Ob der eine besser ist als der andere, möchte Menger aus verständlichen Gründen nicht bewerten. „Es ist immer am besten, vor der eigenen Haustür zu kehren und sich nicht um andere zu kümmern“, sagt er.

          Trapp hat jedenfalls parallel zu den Erfolgen der Mannschaft viel an Selbstvertrauen hinzugewonnen. Bei der U-21-Nationalmannschaft steht er im Kader und in Konkurrenz zum Leverkusener und ehemaligen Stuttgarter Bernd Leno und dem Freiburger Oliver Baumann. Bei der Europa-Meisterschaft im kommenden Jahr in Israel will der Frankfurter zwischen den Pfosten stehen. „Ein Platz auf der Bank würde mich nicht zufriedenstellen“, sagt er, will dies aber nicht als „Kampfansage“ an die Kollegen, sondern als „sportlichen Ehrgeiz“ verstanden wissen. Auch die A-Nationalmannschaft hat Trapp im Blick. Der Münchner Manuel Neuer sei die „klare Nummer eins“, dahinter aber sei in der Torwarthierarchie viel Bewegung. „Für mich ist das ein Zeichen, dass ich eine Chance habe“, sagt er. Einen besonderen Druck empfinde er dadurch aber nicht. „Ich sehe das ganz gelassen“, versichert Trapp. „Vielleicht ist es ja diese Ruhe, die ich mir von Oka Nikolov abgeschaut habe“.

          Auch die risikoreiche Spielweise der Eintracht kommt dem Torhüter zweifellos entgegen, ganz einfach weil er bisher in den meisten Spielen viele Gelegenheiten erhalten hat, sich auszuzeichnen. Zuletzt gegen Hannover war allerdings eine andere Qualität gefragt. Da waren nur zwei gefährliche Bälle aufs Tor gekommen, beide konnte er souverän abwehren. „Das kann man sich nicht aussuchen“, sagt Trapp. „Ich wünsche mir jedenfalls vor dem Spiel nicht, dass mir die Bälle um die Ohren fliegen.“ Und am liebsten sei es ihm sowieso, „wenn wir drei Punkte holen“. In Stuttgart am Sonntag werde das für die Mannschaft im Allgemeinen und für ihn im Speziellen eine „ganz schwierige Aufgabe“, der VfB sei mit Sicherheit offensiv eingestellt. Und die Eintracht könne gar nicht anders spielen als nach vorne. „Wir werden mutig bleiben und uns ganz sicher nicht verstecken“, sagt Trapp. Es könnte also auch auf die beiden Torhüter ankommen, auf Ulreich und Trapp. Und da würden dann „Tagesform und Glück eine Rolle spielen“. Das sagt nicht Trapp, sondern Torwarttrainer Menger.

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