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Eintracht gegen Kickers : Der Turbo ist wieder da, das Derby auch

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Zurück in die Zukunft: Andreas Möller, hier 1991 im SGE-Trikot Bild: dpa/dpaweb

Prickelt's bei Ihnen auch schon? Geht die Fieberkurve allmählich nach oben? Derbyfieber nennt man so etwas. Kein Grund, den Arzt aufzusuchen und unruhig zu werden. Oder vielleicht doch. Denn wenn die ...

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          Prickelt's bei Ihnen auch schon? Geht die Fieberkurve allmählich nach oben? Derbyfieber nennt man so etwas. Kein Grund, den Arzt aufzusuchen und unruhig zu werden. Oder vielleicht doch. Denn wenn die Offenbacher Kickers gegen die Frankfurter Eintracht Fußball spielen, dann geht es um mehr als nur um Punkte oder, wie am Montag, um das Erreichen der zweiten Pokalrunde. Kickers gegen Eintracht, das hat es zum letzten mal vor 19 Jahren gegeben, für die Rhein-Main-Region fast schon ein historisches Datum, jener Tag des 3:0. Die Eintracht hatte mit diesem Erfolg damals die Basis für den Verbleib in der Bundesliga gelegt, für die Kickers begann ein lang anhaltender Abstieg - bis in die Oberliga, die vierte Klasse.

          Das war nicht schön für Offenbach, zumal zwischendurch die Insolvenz drohte, die Lizenz entzogen wurde. Unvergessen die Bitt- und Bettelgänge des heutigen Ehrenpräsidenten Waldemar Klein, der Pfennig um Pfennig sammelte, bis die Kickers sich wieder halbwegs berappelt hatten. Aber ganz hoch kamen sie nicht mehr, weswegen das erste Duell auf Augenhöhe so ungemein wichtig für alle in Offenbach ist. Die Kickers wollen als Außenseiter in diesem Pokalspiel - das wahrscheinlich eine mit Apfelwein getaufte Fee herbeigezaubert hat - beweisen, daß sie besser als die Liga sind, in der sie jetzt spielen müssen, die Regionalliga. Mit allen Mitteln, mit aller Macht.

          Die Eintracht, der Bundesliga-Aufsteiger, hat zwar in der ersten Liga in vier Spielen angesichts eines mickrigen Pünktchens noch nicht viel erreicht. Aber gegen die Kickers, da muß es klappen. Ob nun jeder Spieler aus dieser Vielvölkermannschaft genau weiß, was auf dem Spiel steht, wenn die beiden Nachbarn sich beharken, sei einmal dahingestellt. Spätestens am Montag um 17.30 Uhr, wenn sie vor 20500 Zuschauern ins hermetisch abgeriegelte Stadion am Bieberer Berg einziehen, dann wird auch die albanische, kongolesische, koreanische, kroatische oder österreichische Fraktion der Eintracht wissen, worum es an diesem Tag geht. Um mehr, um viel, um alles. Der Berg wird beben und mit ihm alle, die sich der Faszination dieses ganz speziellen Spiels nicht entziehen können.

          Es sind die alten Ressentiments. Da war jenes Spiel im Mai 1959 im Berliner Olympiastadion um die deutsche Meisterschaft, das die beiden Rivalen vom Main bestritten und das die Eintracht 5:3 nach Verlängerung gewann. Die Kickers hatten all die Jahre davor richtig gut Fußball gespielt, viele sagen, sogar besser als die Eintracht. Doch dieses eine Spiel stellte dann alles auf den Kopf. In solchen Momenten zählt nicht, viele Spiele gewonnen zu haben, es zählt dieses eine, dieses entscheidende. Und das hatte nun mal die Eintracht gewonnen, anschließend im Europapokal der Landesmeister um den genialen Spielmacher Alfred Pfaff mit dem verlorenen Finale von Glasgow gegen Real Madrid international für Aufsehen gesorgt.

          Hatten Kickers und Eintracht die Fußballanhänger der Region schon immer polarisiert, so wurden sie 1959 endgültig auseinanderdividiert. Hier die plötzlich "kleinen" Kickers aus der Arbeiterstadt, dort die feine und noble Eintracht, die nie vergaß, ihren Status zu betonen. Daß bei der Eintracht der Lack auch längst tiefe Risse hat, interessiert in diesem Zusammenhang wenig. Außer, wenn es um Schadenfreude geht. Beide Lager standen und stehen sich fast unversöhnlich gegenüber. Weil dies am Montag kaum anders sein wird, hat sich die Polizei entsprechend gewappnet.

          Quasi als Vorspeise auf dieses Derby hat die Eintracht noch einen aus dem Hut gezaubert, den man längst auf dem Altenteil wähnte. Der ehemalige Nationalspieler Andreas Möller kommt zurück. Andy is back. Beim FC Schalke 04 hatte er Ende der Saison abgeheuert, davor war er in Dortmund, bei Juventus Turin, bei der Eintracht. 85 Länderspiele hat er auf dem Buckel, jede Menge Bundesligaspiele. Wegen seiner Schnelligkeit verfüge er über einen Turbo, hat es immer über Möller geheißen. Am nächsten Dienstag wird er 36Jahre alt. Der Mann hat einiges hinter sich, und was er jetzt vor sich hat, das weiß er hoffentlich. Er soll nämlich den Anführer spielen, den Big Boß in der Mannschaft, soll zeigen, wie man Spiele gewinnt. Möller, der jetzt in Bad Homburg zu Hause ist, hat gesagt, für seine Eintracht spiele er sogar kostenlos. Aber hoffentlich nicht umsonst. RICHARD BECKER

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