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Eintracht Frankfurt : Veh verlangt mehr Aggressivität

  • -Aktualisiert am

Gut gelaunte Gäste: Chinedu Obasi und David Abraham trainieren bei der Frankfurter Eintracht testweise mit Bild: Jan Huebner

Die Eintracht zieht ihre Lehren aus dem Achtungserfolg gegen die Bayern: Das Team soll künftig deutlich couragierter auftreten. Obasi trainiert auf Probe mit, Russ fällt verletzt aus.

          3 Min.

          Der Alltag hat die Eintracht wieder. Das Abenteuer gegen die Bayern haben die Frankfurter Bundesligaspieler überraschend gut überstanden, jetzt steht am kommenden Samstag ein Gegner an, der keine Grenzerfahrung erwarten lässt: die TSG Hoffenheim.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Der befürchtete Horrortrip am vergangenen Freitag blieb aus, die Mannschaft ließ es nicht so weit kommen, sie nahm die Herausforderung der Durchschlage-Übung an und bestand sie. Trainer Armin Veh stellte zum Trainingsauftakt der neuen Woche denn auch eine leichte Veränderung in der Stimmungslage seiner Profis fest: „Das 0:0 gegen die Bayern hat ihnen gutgetan. Sie haben erfahren, dass man auch gegen eine absolute Topmannschaft gemeinsam etwas erreichen kann, wenn man ganz diszipliniert ist und alle ihre Aufgaben übernehmen.“

          Vertragslose als Gäste

          Genau daran hat es der Eintracht in den Spielen gegen die Hertha (zweite Halbzeit), Ingolstadt und Mönchengladbach gefehlt: an der Leidenschaft und am Gemeinsinn. Veh antwortet auf die Frage nach dem großen Mangel in den Krisenspielen mit einem Wort: „Aggressivität.“ Und ein bisschen gibt er sich selbst die Schuld daran: „Gegen Mönchengladbach haben wir zu viele ähnliche Spieler auf dem Platz gehabt: Meier ist nicht aggressiv, Flum ist es nicht und Reinartz auch nicht. Da ist es schwierig, aggressiv in die Zweikämpfe zu kommen, wenn wir das Spiel nicht gestalten können mit unseren Fußballern, die technisch gut sind.“ Veh spricht es nicht aus, aber man darf seine Worte so interpretieren: Er hat seine Mannschaft nach dem guten Saisonstart ein wenig überschätzt. Er glaubte, sie wäre fähig, ihr Offensivspiel mit der Mittelfeld-Raute spielerisch durchzusetzen.

          Nun sagte er: „So offensiv zu agieren, wenn du nicht stabil bist, ist in der Bundesliga meistens schlecht.“ Wobei nicht die Raute das Problem auslöste, sondern die Verhaltensweise seiner Spieler. Die Begegnung mit den Bayern war dann ein Extrembeispiel dafür, wie eine taktische Ausrichtung einer Mannschaft Stütze sein kann: Stabilität durch extreme Defensive und dem Verzicht, eigene Konter zu starten.

          An der Stabilität will Veh weiter arbeiten, aber die Krücke Destruktionsfußball will er in die Ecke stellen. „Wir werden kein zweites Mal so spielen wie gegen die Bayern“, kündigte er an. „Wir arbeiten daran, dass wir weiter gut stehen, aber auch den Spagat schaffen, nach vorne was zu machen.“ Anderswo würden Mannschaften und Trainer für Beton-Fußball gelobt, in Frankfurt sei das nicht der Fall. Und auch sein Anspruch ist ein anderer. Veh schloss nicht mal aus, dass er wieder mit zwei Stürmern agieren werde - Meier und Seferovic. „Es kommt auf den Gegner an, ob Meier mehr neben Seferovic spielt oder hinter ihm als Zehner“, sagte der Trainer.

          Auf jeden Fall werde der Schweizer nicht mehr auf der linken Seite spielen: „Gegen die Bayern war das ein Sonderfall, da hat er ja fast linker Verteidiger gespielt. Aber ich sehe ihn nicht als Außenbahnspieler.“ Auch nicht als offensiven Mann im linken Mittelfeld. So geht seine Suche weiter nach dem besten Frankfurter für diese Position. Veh bestätigte, dass in der Winterpause ein neuer Spieler für diese Aufgabe verpflichtet werden könnte. Ein Kandidat könnte Chinedu Obasi sein. Der frühere Hoffenheimer und Schalker ist derzeit vertragslos und trainiert von Dienstag bis Donnerstag bei der Eintracht mit - auf eigenen Wunsch. Als eine Mischung aus Probetraining und Fithalten bezeichnete Veh die Situation. „Es ist nix Weltbewegendes, dass er bei uns mittrainiert. Aber man weiß ja nie, was dabei rauskommt. Es könnte ja sein, dass er uns total von den Socken haut.“

          Weil Obasi keinen Verein hat, könnte er theoretisch jederzeit von der Eintracht verpflichtet werden. Die Veränderungen, die Veh für das Spiel gegen Hoffenheim ankündigte, bezog er nicht nur auf die Taktik und die Grundordnung. Auch personell könnten Wechsel erfolgen. Weil Marco Russ gegen die Bayern einen Muskelfaserriss erlitten hat, wird er beim Auswärtsspiel in Sinsheim (15.30 Uhr) schon mal nicht dabei sein. Ansonsten mied der Trainer Namen, sagte aber ganz allgemein. „Wir haben nicht so wahnsinnig große Leistungsunterschiede, dass jemand unbedingt immer spielen müsste und andere gar nicht. Ich schaue mir das Training genau an, es ist nichts in Stein gemeißelt.“

          Veh gab zu, dass er es im Prinzip mag, eine Stammelf zu haben, die aufeinander eingespielt ist. „Aber schon die Trainingsspiele zeigen, dass das nicht der Fall ist, öfter gewinnt die B-Elf.“ Er ist noch auf Suche. Eine Sorte Spieler hat momentan besonders gute Chancen bei ihm: „Die Aggressiven.“

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