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Eintracht Frankfurt : Reise ins Ungewisse

Erlebnis Europapokal: Wenn die Eintracht spielt, war die Arena in Frankfurt in der vergangenen Saison stets ausverkauft. Bild: dpa

„Zwei sehr interessante Ziele“: Für die Eintracht beginnt das nächste europäische Abenteuer in Estland oder Serbien.

          Für alle Groundhopper unter den Fans der Eintracht war es eine Entscheidung, die auf Wohlgefallen stieß. Wenn sich die Frankfurter demnächst ans Werk machen, um nachträglich einen Startplatz in der Europa League zu ergattern, wird es der Bundesligasiebte der abgelaufenen Runde mit einem Gegner zu tun bekommen, der auf der Fußball-Landkarte als durchaus illustre Adresse vermerkt ist: Auf ihrem angestrebten Weg in die Gruppenphase des Wettbewerbs bekommt es das Fußballteam von Trainer Adi Hütter mit dem Sieger des Erstrunden-Duells zwischen FK Radnicki Nis gegen FC Flora Tallinn zu tun.

          Unabhängig davon, ob der erste Pflichtspieleinsatz der jungen Saison gegen die hierzulande allenfalls Insidern bekannte Elf aus Serbien oder die ebenso als Außenseiter einzuschätzende Mannschaft aus Estland zu bewerkstelligen ist, stehen die Ansetzungs-Termine fest. Die Eintracht kann – ganz nach Wunsch ihrer Verantwortlichen – zunächst am Donnerstag, 25. Juli, zunächst auswärts antreten; drei Tage zuvor findet im Waldstadion ein Konzert der amerikanischen Pop-Rock-Sängerin Pink statt, was anschließend einen enormen logistischen (und finanziellen) Aufwand nötig gemacht hätte, um die Arena inklusive eines neu zu verlegenden Rasens so herzurichten, dass sie den Ansprüchen der Uefa genügt hätte. Für das Rückspiel ist Donnerstag, 1. August vorgesehen, Anstoß wird um 20.15 Uhr sein. Die Vorfreude unter dem Anhang der Hessen auf eine Fortsetzung der Kampagne, die zuletzt erst denkbar knapp in der Halbfinal-Auseinandersetzung mit dem FC Chelsea endete, dem späteren Gewinner der Europa League, ist groß: Bereits über 15000 Dauerkarten wurden vorab als sogenannte Blind-Date-Pässe verkauft, womit sich Besucher den Ticketanspruch für alle möglichen Heimspiele (Qualifikationsrunden, Gruppenphase, K.O.-Runden) sichern konnten. Unlängst waren sämtliche Begegnungen mit Olympique Marseille, Lazio Rom, Apollon Limassol, Schachtar Donezk, Inter Mailand, Benfica Lissabon und dem FC Chelsea stimmungsvolle Festspiele vor vollem Haus. Weder in den Stadien in Nis (rund 250 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Belgrad gelegen) noch in Tallinn ist mit einer vergleichbaren Atmosphäre zu rechnen; beim FK Radnicki passen rund 18000 Zuschauer ins Stadion Čair, die A. Le-Coq-Arena des FC Flora unweit der Ostseeküste bietet dagegen gerade einmal 10.000 Gästen Platz.

          Kräftemessen mit Nis

          Über eine Kräftemessen mit Nis würde sich Dragoslav Stepanovic freuen. Der frühere Eintracht-Coach, mit dem es 1992 beinahe zum zweiten Meistertitel der Klubhistorie gereicht hätte und der heute als Markenbotschafter des Vereins im Einsatz ist, beendete vor fünf Jahren die Trainer-Laufbahn in der Sportprovinz seines Geburtslandes. Nis steht im Schatten der großen Belgrader Adressen Roter Stern und Partizan, wurde nun aber erstmals Zweiter in der serbischen SuperLiga. Der 1923 gegründete Verein konnte bisher keinen einzigen Titel gewinnen, ließ aber einmal in seiner Geschichte über die Grenzen hinaus aufhorchen: In der Saison 1981/82 erreichte Nis im Uefa-Pokal nach Siegen gegen den SSC Neapel, Grasshoppers Zürich, Feyenoord Rotterdam und Dundee United das Halbfinale, wo sich dann der Hamburger SV als zu große Hürde erwies. „Kann sein, dass es dort ein unangenehmes Spiel wird – wenn es so weit kommt“, sagte Stepanovic der Deutschen Presse-Agentur. „Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die Eintracht nicht weiterkommen würde“, sagte der 70-Jährige. „Es gibt etwas, was diesen Verein auszeichnet: diesen unbändigen Willen, sich für ein Spiel zusammenzuraufen und 101 Prozent zu geben.“ Ansonsten setze die Liga auf den Nachwuchs und lebe insbesondere vom Transfer junger Akteure; vor wenigen Tagen schnappten sich die Frankfurter bei einem der Geschäften das vielfach umworbene Talente Dejan Joveljic von Roter Stern.

          Ein steiniger Weg für die Eintracht

          Tallinn und Nis treffen am 11. und 18. Juli aufeinander. Während die SuperLiga zwei Tage später offiziell startet, ist die Saison in Estland in vollem Gange: Nach 16 von 36 Spieltagen führt Tallinn das Klassement an. „Wie erwartet sind das zwei sehr interessante Ziele. Der serbische Fußball ist grundsätzlich stark, was wir aufgrund unserer guten Erfahrung mit serbischen Spielern sehr gut beurteilen können. Estland ist eine spannende Destination. Unser Ziel ist natürlich, gegen beide weiter zu kommen“, kommentierte Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic die Auslosung am Sitz der Uefa in Nyon.

          Um abermals die Gruppenphase des zweithöchsten europäischen Klub-Wettbewerbs zu erreichen, müssten die Frankfurter auch noch die dritte Qualifikationsrunde (8./15. August) sowie die Play-offs (22./29.) überstehen.

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