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Eintracht Frankfurts Chefscout : „Jetzt läuft es so, wie es soll“

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„Ich fahre hier nicht mit der Dampfwalze durch“: Bernd Legien würde am liebsten in die Köpfe der Spieler blicken können. Bild: Jan Huebner

Bernd Legien arbeitet an einem professionellen Suchsystem für Profis, um das Team der Eintracht zu verstärken. Künftig soll der Klub beim immer härter werdenden Wettbewerb um Talente mehr agieren als reagieren.

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          Sie sind schwerer zu erreichen als der Kapitän, Trainer oder Aufsichtsratsvorsitzende der Eintracht. Warum?

          Ich bin oft unterwegs. Und meine Funktion ist es ja auch nicht, jeden Tag in der Öffentlichkeit zu stehen, sondern Hintergrundarbeit zu leisten.

          Entspricht das Ihrem Charakter?

          Ja. Heribert Bruchhagen, unser Vorstandsvorsitzender, sagt öfter, jeder Mensch sieht sich gerne mal in der ersten Reihe – an der These ist schon was Wahres dran. Für meine Arbeit ist das aber nicht ausschlaggebend. Es gibt keinen meiner Bundesliga-Kollegen aus den Scouting-Abteilungen, die regelmäßig in den Zeitungen stehen.

          Sie sagen „wir: Wer gehört zu Ihrem Team?

          In unserem Ressort sind es sieben Mitarbeiter. Ich bin der Leiter.

          Deckt sich die Zahl mit Ihren Vorstellungen?

          Fakt ist: Wir brauchen uns nicht zu verstecken. Im Vergleich mit Mitbewerbern ist es eine ordentliche Anzahl an Kollegen. Es ist nicht ausschlaggebend, ob die Abteilungen beim FC Bayern oder RB Leipzig größer sind. Wichtig ist, das wir ausreichend Personal haben, um unsere Aufgaben und unsere Ziele erreichen zu können.

          Welchen Zustand haben Sie beim Antritt im vergangenen Oktober vorgefunden?

          Alle Mitarbeiter sind sehr engagiert und langjährige Eintrachtler. Ich habe sie in den zurückliegenden Monaten ein bisschen an die Hand genommen.

          Gab es vorher keine Struktur?

          In welche Richtung es gehen sollte, war früher wohl nicht immer eindeutig. Das haben wir erkannt und geändert. Jetzt läuft es so, wie Scouting aus meiner Sicht funktionieren soll.

          Und das wäre konkret?

          Scouting besteht aus unterschiedlichen Aspekten: Es gibt welches für die erste Mannschaft und für den Nachwuchs, dazu Gegner- und Videoanalysen. Das sind komplexe Themen. Wild durch die Gegend herumschwirren bringt da nichts. Es muss koordiniert sein, wir müssen nach einem genauen Anforderungsprofil vorgehen, und uns muss klar sein, welche Spieler der Trainer in seinem Aufgebot haben will. Dieser Suchauftrag steht im Mittelpunkt. Beispiel: Der Coach sagt, er möchte einen rechten Verteidiger. Dann haben wir mehrere Kriterien, die wir berücksichtigen: Altersstruktur, Preiskategorien, Leistungsniveau sowie die Mentalität. Wir suchen aber nicht nur nach speziellen Anforderungsprofilen. Und wir haben nicht nur den deutschen Raum, unseren Kernbereich, im Blick, sondern auch das Ausland.

          Nennen Sie bitte ein Beispiel.

          Es gibt mittlerweile jemanden, der für uns speziell den belgischen Markt analysiert und uns über alle Kandidaten dort permanent auf dem Laufenden hält. Das gab es in der Vergangenheit in diesem Umfang nicht. Der Wettbewerb ist aber härter geworden. Wir müssen immer vorbereitet sein, schneller sein als die anderen, um auf alle Eventualitäten reagieren zu können.

          Hatte die Eintracht dieses Netzwerk schon, oder haben Sie es mitgebracht?

          Wir sind gerade dabei, dieses Netzwerk auszuweiten. Gemeinsam mit Sportdirektor Bruno Hübner und Trainer Thomas Schaaf definieren wir die Märkte, die für Eintracht Frankfurt die besten sind. Zum Beispiel: Spanien gehört in Europa eher nicht dazu, weil es vom Kostenniveau zu hoch liegt, aber viele andere Länder haben wir jetzt ständig im Fokus. Wir haben die Mentalität ein Stück weit geändert: Wir warten nicht ab. Agieren statt reagieren ist die Devise. So sind wir jederzeit handlungsfähig.

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