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Eintracht : Frankfurter Aufsteiger

Fankultur von ihrer schönsten Seite: Die Anhänger bereiten der Eintracht einen Empfang mit Gänsehautgarantie. Bild: dpa

Alexander Meier wird immer wichtiger für die Eintracht. Der Schlaks führt seine Mannschaft zu einem mitreißenden 4:0 gegen Aue - und wohl in die erste Liga.

          Eine Geste sagt mehr als viele Worte. An Armin Veh, seinem Trainer, ist Alexander Meier - anders als in den Minuten zuvor bei den Verteidigern des FC Erzgebirge Aue - nicht so einfach vorbeigekommen: Direkt nach seiner Auswechslung, mit der ihm der Eintracht-Coach auch einen Extraapplaus von den Rängen gegönnt hatte, machte sich Veh ganz lang, legte den linken Arm um Meiers Hals, den rechten auf dessen Rücken und drückte den mit 1,96 Meter längsten Profi in seinem Team fest an die Brust. Soviel öffentliche Emotionalität und demonstrative Dankbarkeit wie nach diesem 4:0 gestattete sich Veh für einen seiner Leute im Laufe der Saison noch nicht. Meier, darauf wies sein Vorgesetzter hin, als er später wieder die Sachlichkeit in Person war, habe mit einer „überragenden Leistung“ die Frankfurter zu einem „richtig wichtigen Sieg“ geführt - und deswegen ein Extralob verdient: „Was er gezeigt hat“, so Veh weiter, „hatte richtig was mit Fußball zu tun.“

          Wenn nicht alle Anzeichen trügen, werden Meier und Kollegen demnächst dem Ball wieder eine Klasse weiter oben nachjagen. Durch den Erfolg vom Samstag, mit dem eine kurze Schwächephase mit nur einem Punkt aus zwei Spielen eindrucksvoll beendet wurde, behaupteten die Hessen vor den finalen drei Partien der zweiten Liga ihre vielversprechende Ausgangsposition als Tabellenzweiter. „Kompliment an meine Mannschaft, wie sie das hinbekommen hat“, sagte Veh, der nach dem 1:1 gegen Ingolstadt über Pfiffe und überzogene Erwartungen geklagt hatte. Diesmal war alles anders. Wie so viele in der mit 46000 Besucher besetzten Arena schwärmte der Trainer anschließend von der Atmosphäre, die „uns von Anfang an getragen hat. Das war Gänsehaut pur“. Begrüßt worden war die Elf beim Betreten des Rasens von einer spektakulären Choreographie über die komplette Stehtribüne hinweg: „Schaut in euer Herz und seht, dass wahre Liebe niemals vergeht“, stand da zu lesen. Dazu waren acht meterhohe Bilder gemalt worden, die den Lebensweg eines Frankfurter Anhängers von der Wiege bis zur Bahre nachzeichneten, dem ein Adler in der Brust schlug. „Wer so etwas sieht und nicht beeindruckt ist“, meinte Manager Bruno Hübner, „braucht seinen Job als Fußballer nicht auszuüben. Da stellen sich einem die Nackenhaare hoch, so ergreifend war das.“ Alexander Meier, meinte zwar, dass er sich auf dem Platz „nicht so viele Gedanken“ um das Drumherum machen konnte, „weil ich so konzentriert war“. Doch als er zehn Minuten vor Schluss „wegen ein bisschen Müdigkeit“, wie er sagte, für Rob Friend Platz machte und die Zuschauer sich ihm zu Ehren von ihren Plätzen erhoben, das bekam er in den Armen von Veh dann doch mit. In den Genuss von Standing Ovations für seine Person ist der Schlaks in Frankfurt noch nicht so oft gekommen. Diesmal hatte er sie sich verdient, weil er als „Türöffner, den Auer Betonriegel durchbrach“ (Hübner), die Führung mit einer sehenswerten Ballbehandlung und einem fulminanten Schuss erzielte (28. Minute), später das 2:0 durch Sonny Kittel intuitiv mit einem Pass ohne Blickkontakt vorbereitete (44.) und auch ansonsten Dreh- und Angelpunkt einer bis unter die Haarspitzen motivierten Eintracht war, die durch Sebastian Jung (54.) und Benjamin Köhlers Freistoß-Glanzstück (83.) zu nie gefährdeten drei Punkten kam.

          Neuer Publikumsliebling

          Meier, der Blondschopf, groß geworden in Buchholz in der Nordheide und von Natur mit einem Temperament gesegnet, das selbst für eher zurückhaltende Norddeutsche als auffällig genügsam erscheint, trägt das Frankfurter Trikot seit 2004. Er hat in der ersten Reihe seitdem sämtliche Hochs und Tiefs mitgemacht, ohne fernab des Rasens auch nur einmal für Gesprächsstoff gesorgt zu haben, der nichts mit Fußball zu tun gehabt hat. Gleich in seinem ersten Jahr am Main glückte ihm damals der Wiederaufstieg. Sein „Entdecker“, Friedhelm Funkel, gehörte fortan zu seinen Förderern, was Meier nicht nur zum Vorteil gereichte; als die Geduld der zahlenden Kundschaft, gerade der VIPs, mit den defensiven Vorführungen der Marke Funkel zu Ende ging, musste sich auch sein Musterschüler manch dummen Spruch anhören. Als es in der vergangenen Runde unaufhaltsam bergab ging, kreidete ihm mancher Kritiker zurecht an, dass ein Routinier mit seiner Erfahrung mehr Verantwortung hätte zeigen und frühzeitiger auf Fehlentwicklungen hinweisen müssen. Doch Meier, das wissen sie inzwischen bei der Eintracht, ist kein Mann des Wortes, sondern einer der Tat, der von Veh zwischenzeitlich zum Aushilfskapitän befördert wurde, um sein Verantwortungsbewusstsein zu schärfen.

          Die Rolle des Publikumslieblings, die er sich in dieser Spielzeit mit 17 Treffern erarbeitete, ist gänzlich neu. Heribert Bruchhagen, der Vorstandsvorsitzende, lobte die Entwicklung des Erfolgsgaranten als beispielgebend: „Alles, was Alexander Meier heute ist, hat er sich erarbeitet und ist das Ergebnis von jahrelangem Trainingsfleiß.“ Wenn viele Kollegen nach den Übungseinheiten auf dem Weg unter die Dusche sind, bleibt er gerne noch alleine zurück, übt Freistöße, Flanken und Torschüsse. „Es sind nur ein paar Minuten, aber ich habe das Gefühl, dass es etwas bringt“, sagt er. Nicht nur ihm, sondern auch der Mannschaft: Meiers Aufschwung ist ein Garant für den fast sicheren vierten Aufstieg der Eintracht.

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