https://www.faz.net/-gzg-7lch2

Eintracht Frankfurt : Zwischen Vernunft und Pflichtgefühl

  • -Aktualisiert am

Fitter denn je: Eintracht Frankfurts Spielführer Schwegler Bild: Wonge Bergmann

Eintracht-Kapitän Schwegler gibt zu: „Ich habe mit der Leiste Fehler gemacht.“ Trotzdem stellt er sich in den Dienst der Frankfurter Mannschaft - und ist wie die Mitspieler in den Tagen von Abu Dhabi fitter denn je.

          2 Min.

          Der Anerkennung wohnte auch eine Vermutung inne. Dass die Profis der Frankfurter Eintracht im Trainingslager in Abu Dhabi gerade an ihre Grenzen gehen, dass die Vorbereitung auf die Rückrunde eine Qual ist, das lässt sich an den vielen Stunden auf dem Platz, an der Intensität der Arbeit und an den vielen müden Gesichtern ablesen. Aber hieß das gleichzeitig, dass im Sommer zu wenig getan wurde? Das wohl nicht. Aber der Kapitän der Frankfurter beantwortete diese Frage am Mittwoch mit einer Direktheit, wie sie auch nicht alle Tage vorkommt. „Ich glaube schon, dass einige ihre Lehren gezogen haben“, sagte Pirmin Schwegler. „Fakt ist jedenfalls: Wir machen jetzt mehr als im Sommer.“ Als in der Vorbereitung auf die Hinserie also.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dass die Batterien entschlossener denn je aufgeladen werden sollen, war ja schon an der Verpflichtung eines zusätzlichen Konditionstrainers zu erkennen. Der Bayer Günter Kern, mit dem Cheftrainer Armin Veh schon in Stuttgart, Wolfsburg und Hamburg zusammengearbeitet hat, bewirbt sich mit seinen anspruchsvollen Methoden gerade nicht unbedingt um den Titel des beliebtesten Mitarbeiters im Trainerstab der Eintracht. Das kann ihm aber auch egal sein, denn die Zusammenarbeit soll punktuell, nicht dauerhaft sein. Er wolle „neue Reize setzen“, sagt Kern. Das gelingt ihm so gut - und für die Spieler auf so quälende Weise -, dass der eine oder andere von ihnen schon mal mit einem Gesichtsausdruck den Platz verlässt, in dem Fragen zu stehen scheinen: Musste das auch noch sein? Oder: Was kommt als nächstes?

          Unerbittlichkeit des Neuen

          Im Mannschaftshotel soll schon der eine oder andere Fluch über die Unerbittlichkeit des Neuen zu hören sein. Die Gefahr dürfte besonders groß sein, wenn Kern die Eintracht-Profis mal wieder einen eigens präparierten steilen Hügel, fast schon eine Rampe aus Gras, in Angriff nehmen lässt. Hier scheucht er sie so oft hoch, dass Erinnerungen an Felix, genannt Quälix, Magath wach werden, der seine Spieler einst ja auch bis an die Grenze des Zumutbaren trainierte. Immerhin wissen die Spieler, dass sie das Schlimmste hinter sich haben. An diesem Donnerstag wartet noch ein Testspiel gegen Schachtjor Donezk auf sie, am Freitag kommen sie in aller Früh wieder in Frankfurt an.

          Es ist unstrittig, dass am Ende alle von der täglichen Tortur profitieren werden. Nicht nur durch ausgeprägte Fitness, sondern auch durch die Gewissheit dieser Fitness. Sie gebe Sicherheit, heißt es, das üppige Programm in den kommenden Monaten auch bewältigen zu können. „Ich fühle mich dadurch für alles vorbereitet“, sagt zum Beispiel der spanische Angreifer Joselu, der schon in hervorragender Verfassung angereist war und die hohen Belastungen überraschend gut wegsteckt. Beste Voraussetzungen also, um sich noch mehr in die Defensivarbeit einzubringen, so wie es Trainer Veh von ihm erwartet. Auch Jan Rosenthal, einer der besonders laufstarken Spieler im Kader, war so zu vernehmen, dass ihn die harte Vorbereitung beruhige. Er ließ allerdings den Hinweis folgen, im Sommer sei die Belastung auch nicht allzu hoch gewesen. Kapitän Schwegler profitiert gerade sogar doppelt, denn er baut nicht nur die nötige Form auf, er ist endlich auch wieder schmerzfrei. „Das hätte man anders lösen können“, sagt er selbstkritisch über den langen Weg zurück zu höchster Belastbarkeit.

          Frage der Fitness

          Schwegler hatte sich in der ersten Saisonhälfte mit massiven Problemen an der Leiste herumgeschlagen, später kam eine Verletzung am Knie dazu. Kein Wunder, dass er es auf nur acht Bundesliga-Einsätze brachte. „Ich habe mit der Leiste Fehler gemacht“, gibt er zu. Er hätte die Verletzung gründlicher auskurieren müssen. Andererseits war die Eintracht in einer schwierigen Lage, da siegte das Pflichtgefühl über die Vernunft. Inzwischen habe er „überhaupt keine Probleme mehr“, sagt der Schweizer. Und die Frage der Fitness stellt sich in diesen Tagen gar nicht erst.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.