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Eintracht Frankfurt : Zurück auf null

Taktgeber: Makoto Hasebe gibt im Mittelfeld der Eintracht gerne die Richtung vor. Bild: Wonge Bergmann

Makoto Hasebe ist das fleißige Lieschen im Mittelfeld der Eintracht. Auch er kann sich seiner Rolle unter Veh nicht sicher sein. Die verschärfte Konkurrenzsituation findet der Japaner aber gut.

          3 Min.

          Lange hat er die Füße nicht still halten können. Knapp vier Wochen Urlaub waren Makoto Hasebe von der Eintracht genehmigt worden. Nach einer Länderspielreise mit der Nationalmannschaft begannen die Ferien für den japanischen Fußballprofi nach dem Bundesligafinale erst mit Verspätung Mitte Juni. Nun hat er sich in Frankfurt zurückgemeldet. „Gut erholt“, wie er findet, und in respektabler körperlicher Verfassung, wie auch Coach Armin Veh beim Wiedersehen feststellte. Hasebe nutzte die Auszeit nicht nur zum Müßiggang auf den Okinawa-Inseln.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Schon nach ein paar Tagen in der Heimat, wo er aufgrund seiner Popularität fast bei jedem Schritt in der Öffentlichkeit von Fans um Autogramme und Handy-Fotos gebeten wird, engagierte er auf eigene Kosten einen Konditionstrainer, der ihm zusätzlich zum von der Eintracht ausgearbeiteten Sommer-Fitnessprogramm Beine machte. Das Ergebnis sah bei seinem ersten Arbeitstag der neuen Runde vielversprechend aus: Der 31-Jährige absolvierte den obligatorischen Laktattest in der Leichtathletikhalle in Kalbach, ohne dabei erkennbar außer Puste zu geraten, und auch als am Dienstag an der WM-Arena der Ball ins Spiel kam, gab er bei den Partien auf dem Kleinfeld als Taktgeber sogleich eine gewohnt bestimmende Figur ab.

          Veh fädelte 2014 den Kauf Hasebes ein

          Hasebe verliert nicht gern. Auch keine Zeit. Ehrgeiz und Fleiß gehören zu seinen prägenden Charaktereigenschaften, mit denen er sich bei seinen hierzulande bislang drei Arbeitgebern einen verlässlichen Ruf erarbeitete. Der Junggeselle, der aus dem Ort Fujieda in der Präfektur Shizuoka stammt und sich bei Urawa Red Diamonds zu einem Mittelfeldspieler von internationalem Niveau entwickelte, stand in Deutschland zunächst fünf Jahre beim VfL Wolfsburg unter Vertrag. Mit den Niedersachsen wurde er 2009 unter der Regie von Felix Magath Meister, anschließend übernahm Veh den Klub. Hasebe sagt, er finde es schön, dass beide nun am Main wieder gemeinsame Sache machten. „Ich freue mich auf Armin Veh“, erzählte er schmunzelnd nach der rund neunzigminütigen Einheit, „und ich hoffe, der Trainer freut sich auch.“

          Wovon auszugehen ist. Vehs Wertschätzung war ihm in der Vergangenheit gewiss. Im Frühjahr 2014, als sich der Trainer Richtung Stuttgart verabschiedete, fädelte er zusammen mit Sportdirektor Bruno Hübner noch einen Transfer für die Eintracht maßgeblich mit ein: Sie warben Hasebe aus Nürnberg ab, was Veh, der den Namen des neuen Mannes nicht nennen und die Präsentation seinem Nachfolger Thomas Schaaf überlassen wollte, bei seiner Frankfurter Abschiedsparty mit den Worten kommentierte: „Einer hat schon unterschrieben, der den Verein weiterbringt, das ist ein richtig Guter.“

          Vehs Mannschaftspläne für Hasebe

          In seiner ersten Spielzeit im Trikot der Hessen absolvierte Hasebe 33 Einsätze; nur einmal fehlte er, am 22. Spieltag bei der Derbyniederlage gegen Mainz (1:3) wegen seiner fünften Gelben Karte. Schaaf vertraute ihm den Job des Ordnungshüters vor der Viererkette an. Auf der Position des „Sechsers“ vor der Abwehr kann Hasebe seine Qualitäten am ehesten zum Wohle aller einbringen: Er ist zweikampfstark, verfügt über ein Auge in der Spieleröffnung und antizipiert gut, wie sich Situationen im Mittelfeld entwickeln; damit gelingt es ihm oft, seine fehlende Antrittsschnelligkeit zu kompensieren. Schaaf verzichtete zumeist darauf, ihm einen Kollegen an die Seite zu stellen, sondern richtete das Team stattdessen lieber offensiver aus – was sich viele Gegner zunutze machten, indem sie ihre Vorstöße durch die Mitte einleiteten und in die Schnittstellen im Defensiv-Verbund stießen, die entstanden, wenn die Eintracht mit hohem Tempo unter Druck gesetzt wurde, und Hasebe als Einzelkämpfer nicht mehr hinterherkam, wenn es galt, die Löcher zu stopfen.

          Veh baute in seiner ersten Frankfurter Phase auf zwei Aufpasser, die den stürmischen Vorderleuten den Rücken frei hielten: Pirmin Schwegler und Sebastian Rode. Künftig könnte Hasebe in Kombination mit Stefan Reinartz für die Doppelrolle in Frage kommen. Der aus Leverkusen verpflichtete 26-Jährige gilt aufgrund seiner Größe, präzisen Ballbehandlung und dem geschickten Umschalten, durch das er bis zu seiner schweren Gesichtsverletzung in Leverkusen auffiel, in den taktischen Konzepten als naheliegende Ergänzung zu dem asiatischen Dauerläufer. In die Karten schauen lässt sich Veh, knapp zwei Wochen nach seinem Comeback, noch nicht. Auch Hasebe hielt sich bedeckt, sagte am Dienstag lediglich, dass er erst wenige Worte mit dem Chef gewechselt habe „Ich denke, wir werden in Österreich mehr Zeit dafür haben, um Ideen auszutauschen.“ Zu denen gehört, dass sich Veh das fleißige Lieschen bei Bedarf auch als Aushilfs-Rechtsverteidiger (so wie einst in Wolfsburg) vorstellen kann.

          Wo Hasebe sein Problem sieht

          In dem Ort Windischgarsten, wo Hasebe mit den Kollegen von diesem Wochenende an Quartier bezieht, mutmaßte Hasebe, würden sich Team und Trainer auch auf ein gemeinsames Ziel für die kommende Runde verständigen. Mit dem unlängst erreichten neunten Platz ist er jedenfalls nicht zufrieden gewesen. Seine Ansprüche sind ambitioniert: „Ich will immer nach oben kommen.“ Auch er wird sich dafür steigern müssen. Besonders bei seinen (seltenen) Ausflügen in die gegnerische Hälfte besitzt er Steigerungspotential.

          Sein letztes Tor – von überhaupt erst fünf Treffern – in der Bundesliga liegt eine gefühlte Ewigkeit zurück: Hasebe erzielte es am 19. August 2011. Seine Abschlussschwäche nennt er „mein Problem“, an dem er künftig verstärkt arbeiten wolle. „Alle beginnen gerade wieder bei null. Wir haben eine neue Konkurrenz im Kader, und das ist gut so, weil es uns insgesamt weiterbringt.“ Eine erste ernsthafte Belastungsprobe in dieser Vorbereitung steht der Eintracht an diesem Samstag bevor: Auf ihrem Weg in die Berge vereinbarte sie ein Privatspiel gegen den zweitklassigen 1. FC Heidenheim, das um 15.30 Uhr beginnt.

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