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Eintracht Frankfurt : Vor dem Weltuntergang

Gefühl von Ohnmacht: Abraham und die Eintracht verpassen in Leverkusen den dringend benötigten Befreiungsschlag. Bild: pixathlon / Neil Baynes

Das 0:3 in Leverkusen bringt die Eintracht der zweiten Liga noch näher. Aus eigener Kraft kann sich Kovacs Team nicht mehr retten: „Wir haben genauso viel Angst wie die Fans.“

          4 Min.

          War es das? Es sieht so aus. Es sind lediglich Durchhalteparolen, die ihnen noch über die Lippen kommen. Von der Überzeugung, die in den vergangenen Wochen schon oftmals nur gespielt war, ist bei nahezu allen Beteiligten, die sich für die Eintracht ins Zeug legen, kaum etwas übrig. Das 0:3 in Leverkusen, schon die 15. Niederlage der Saison, legte schonungslos offen, dass die Hoffnung wohl trügerisch war, auf der Schlussetappe den Absturz verhindern zu können.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Die Eintracht bringt es auch nach dem 30. Spieltag nur auf 27 Punkte. Der Rückstand auf den Relegationsplatz wuchs nach einem Wochenende, an dem alle Konkurrenten am Tabellenende Fortschritte erzielten und Werders 3:2 gegen Wolfsburg den Rückstand auf Bremen auf vier Zähler anwachsen ließ. Niedergeschlagenheit und Verzweiflung machen sich breit. „Die letzten zwei Spieltage sind komplett gegen uns gelaufen“, stellte Sportdirektor Bruno Hübner fest. „Die Ergebnisse der anderen Mannschaften sind brutal. Ich habe gedacht, dass die Konkurrenz heute Punkte lässt. Aber sie haben alle gepunktet. Von daher ist die Situation ziemlich schwierig geworden.“

          Bruchhagen ist fassungslos

          Heribert Bruchhagen war bemüht, sich seine Fassungslosigkeit darüber nicht anmerken zu lassen. Es gelang ihm nicht. Der Vorstandsvorsitzende wirkte nach dem Abpfiff der Begegnung mit den Rheinländern, in der sich die Hessen lange teuer verkauften, wie ein Schatten seiner selbst. Von der bei ihm von früheren Auftritten gewohnten Selbstsicherheit war im Keller der Bayer-Arena nichts mehr zu spüren. Seine Augen hielt er während des Statements geschlossen, seine Oberlippe zitterte. Er sei ein „bisschen sprachlos“, räumte der 67-Jährige ein, der sich so eine Entwicklung selbst in seinen schlimmsten Albträumen nicht vorgestellt haben dürfte. Er räumt Ende Juni seinen Posten an der Spitze der Eintracht – und wenn nicht noch eine spektakuläre Wendung geschieht, die eine Dimension des „Eintracht-Wunders“ von 1999 besitzen müsste, wird er den Klub in der gleichen Verfassung abgeben, in der er ihn einst, im Dezember 2003, vorfand: als Zweitligaverein mit einem Haufen Problemen. „Wir stehen absolut mit dem Rücken zur Wand“, sagte Bruchhagen.

          „Wir haben jetzt vier Endspiele“, kommentierte Trainer Niko Kovac die schier ausweglose Situation des Tabellensiebzehnten. Aus eigener Kraft kann Frankfurt den Klassenverbleib nicht mehr realisieren. „Jetzt müssen wir hoffen, dass die anderen Mannschaften Federn lassen“, sagte Marco Russ und gab zu: „Wir haben genau so viel Angst wie die Fans“, und der Ersatzkapitän fügte an: „Aber es muss ja irgendwie weitergehen.“

          Nur wie? „Ein ,Einfach-weiter-so‘ darf es nicht geben.“ Mit diesem denkwürdigen Satz, ausgesprochen in den Katakomben der Frankfurter Arena, nachdem vorher das zum Endspiel ausgerufene Duell mit dem 1. FC Köln verlorenging, leitete Axel Hellmann vor fünf Jahren das Großreinemachen in Anbetracht des sich abzeichnenden vierten Abstiegs ein: Trainer Christoph Daum musste gehen, fast die komplette Mannschaft suchte das Weite,

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