https://www.faz.net/-gzg-9n7vd

Höhenflug der Eintracht : Bestmarken auf allen Ebenen

  • -Aktualisiert am

Eintracht-Vorstand Axel Hellmann schenkt sich die China-Reise und organisiert lieber in der Heimat. Bild: Heiko Rhode

Der Eintracht wird nach dieser Saison so viel Anerkennung und Aufmerksamkeit zuteil wie noch nie. Und der sportliche Aufschwung mündet in einem Rekordumsatz von mehr als 170 Millionen Euro.

          Geplant war es, dass Eintracht-Vorstand Axel Hellmann an diesem Dienstag gemeinsam mit der sportlichen Leitung und der Mannschaft nach China abhebt und an der Werbetour mit Zielrichtung asiatischer Markt für den Klub und die Bundesliga teilnimmt. Aber Hellmann verzichtet auf die Saison-Abschlussreise, die auch ein paar touristische Aspekte besitzt, um mit aller Kraft die neue Saison vorzubereiten.

          Die erste Qualifikationsrunde für die Europa League beginnt schon am 25. Juli, bis dahin ist vieles zu organisieren: Vermarktung, Ticketing, Merchandising. „Nach der Saison ist vor der Saison“, beschreibt der 47 Jahre alte Funktionär den Kreislauf des Fußball-Geschäftes. Die Mannschaft trifft sich nach dem Urlaub erstmals wieder am 1. Juli. Nach zweitägigen medizinischen Tests steht am 3. Juli die erste Trainingseinheit an. Vom 9. bis 13. Juli findet das erste Trainingslager in Biel in der Schweiz statt, das zweite vom 26. Juli bis 4. August in Windischgarten/Österreich.

          Dieser Zeitplan bestand schon, bevor die Eintracht im Saisonfinale auf dem siebten Platz eintrudelte, was die Programmerweiterung um die Europa-League-Qualifikation hervorrief. Nach sechs Begegnungen könnte dann die Gruppenphase erreicht sein. „Nach den großen Belastungen brauchen die Spieler die Pause“, so Hellmann. Manche Nationalspieler sind schließlich noch bis in die zweite Juni-Woche unterwegs.

          Europapokal-Dauerkarte ist familienfreundlich

          Für die Europacup-Heimspiele gibt es eine Neuerung. Um treue Fans bei der Vergabe der Tickets zu belohnen, bringt die Eintracht eine Europapokal-Dauerkarte heraus. Mit ihrem Erwerb erhält der Kunde Zugang zu jedem Heimspiel – von der ersten Qualifikationsrunde bis maximal zum Halbfinale, je nachdem wie weit die Eintracht im Wettbewerb kommt. Abgebucht wird vor jeder Begegnung. Hellmann kündigte an, dass die Preisgestaltung bei den internationalen Begegnungen „mehr als familienfreundlich“ sei. „Wir wissen, je stärker die Fanunterstützung, desto größer die Chance auf Erfolg.“

          Die Europapokal-Dauerkarten werden zuerst den Bundesliga-Dauerkartenbesitzern angeboten, dann den Vereinsmitgliedern, dann erst gehen sie in den freien Verkauf. Hellmann rechnet mit einem großen Interesse. In der K.o.-Phase konnten zuletzt viele Kartenwünsche nicht mehr erfüllt werden. Das Dauerkarten-Kontingent wird für die kommende Saison um 1000 auf 31.000 Karten erhöht.

          Die Spielzeit 2018/19 brachte einen Zuschauerrekord. 49.700 Besucher kamen durchschnittlich zu den Bundesligaspielen, 48.000 waren es bei jedem der zehn ausverkauften Heimspiele in der Europa League. Die Sicherheitsbestimmungen der Uefa reduzieren die Kapazität von 51.500 Plätze um 3500. Inklusive des Supercups gegen die Bayern zum Pflichtspielstart strömten in dieser Spielzeit 1,37 Millionen in die Frankfurter Arena, so viele wie nie zuvor in einem Spieljahr.

          Auch wirtschaftlich auf Erfolgskurs

          Auch die Erlöse aus Sponsoring, Marketing und der TV-Vermarktung übertrafen alle bisherigen Bestmarken. So kündigte Hellmann einen Rekordumsatz der Eintracht von 170 bis 180 Millionen Euro an – ohne Transfererlöse. Und auf diesem Geschäftssektor könnte die Eintracht auch noch einen deutlichen Überschuss erzielen. Jovic, Haller und Rebic sind von einigen zahlungskräftigen Klubs umworben.

          Gut 140 Millionen Euro entspringen dem Bundesligageschäft, zwischen 35 und 40 Millionen nahm die Eintracht in der Europa League ein. „Die genaue Abrechnung der Uefa steht noch aus“, bemerkte Hellmann. In der Fernsehtabelle der Bundesliga hat sich die Eintracht durch den siebten Tabellenplatz auf den achten Platz verbessert, was ihr 73 Millionen Euro in die Kassen spült. „Das ist eine enorme wirtschaftliche Grundlage“, so Hellmann.

          Das Vorstandsmitglied erwähnt, dass aus dieser Spirale aus sportlichem und wirtschaftlichem Erfolg eine gewisse Fallhöhe entsteht. Denn mit dem Erfolg steigen nicht nur die Einnahmen, sondern auch die Ansprüche und damit die Ausgaben. Hellmann kündigte an, dass, falls hohe Ablösesummen generiert würden, nicht alles in Neuverpflichtungen fließe. Und das Gehaltsniveau solle nur moderat steigen. Dafür stehe sein für die Finanzen zuständiger Vorstandskollege Oliver Frankenbach. „Er ist der Inbegriff solider Finanzplanung. Er wird mit allen Händen und Füßen auf der Bremse stehen“, so Hellmann.

          „Der Stadiondeal ist in greifbarer Nähe“

          Ob sich der Höhenflug der Eintracht in der kommenden Saison auf dem Rasen fortsetzt, ist ungewiss. Die Aufsehen erregende Fußball-Kampagne der abgelaufenen Spielzeit wirkt wirtschaftlich auf jeden Fall nach, nicht nur auf dem Sektor der Fernseheinnahmen. Logen, BusinessSeats, Werbebanden, verschiedene Sponsoringpakete sind bereits ausverkauft oder so gut wie ausverkauft. „Ich bin seit 18 Jahren für die Eintracht tätig, ich kann mich nicht erinnern, dass dem Klub so viel Aufmerksamkeit und Anerkennung entgegen gebracht wurde. Nicht nur in Frankfurt. Die Choreographien und die leidenschaftlichen, emotionalen Auftritte in der Europa League haben der Eintracht eine Identität und Wahrnehmung verliehen, die sie so nie hatte. Früher wurde die Eintracht nie als zweiter Lieblingsklub genannt, diesmal haben wir es geschafft“, sagt Hellmann.

          Und auch die Frankfurter Stadtväter verschließen nicht die Augen vor der Entwicklung der Eintracht. Die zuletzt ins Stocken geratene Gespräche über den Ausbau und den Betrieb des Stadions sind laut Hellmann wieder aufgenommen worden: „Der Stadiondeal ist in greifbarer Nähe.“ Nach den Vorstellungen der Eintracht soll die Kapazität des Stadions auf 60.000 Plätze erweitert werden – der Verein bot an, 30 bis 35 Millionen Euro in die Digitalisierung der Arena zu investieren, wünschte sich im Gegenzug von der Stadt dieselbe Summe für die Baumaßnahmen. Strittige Punkte sind auch die Stadionmiete und inwieweit die Eintracht das Stadion in Eigenverantwortung betreiben kann. Nach vielen Monaten des Beharrens des Magistrats auf die eigenen Positionen, sagt Hellmann jetzt: „Es gibt gute Möglichkeiten zur Einigung.“

          Weitere Themen

          Blocksperre für die Eintracht

          Europa League : Blocksperre für die Eintracht

          In einem Spiel in der Europa League muss ein Block im Waldstadion gesperrt werden. Zudem wird Bruno Hübners Strafe erhöht. Auch ein mittlerweile gewechselter Stürmer hat noch eine Sanktion aufgebrummt bekommen.

          Topmeldungen

          Klimastreik in Berlin : Rackete for Future

          Beim großen Klimastreik in Berlin überlassen die Aktivisten von „Fridays for Future“ anderen die Bühne. Es sollte der Auftakt sein für ein breites gesellschaftliches Bündnis. Doch noch prallen Welten aufeinander.
          Ihnen reicht der Kompromiss nicht: Wie in Berlin demonstrierten Hunderttausende

          Kompromiss und Proteste : Was in der langen Nacht geschah

          Erst war das Klimaschutzgesetz fast am Ende, dann kam der Protest – und dann stritt das Kabinett eine Nacht lang. Jetzt sonnt sich die Politik im Glanz der Einigung. Währenddessen dröhnt der Protest Hunderttausender.
          Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses, Adam Schiff von der Demokratischen Partei, am Donnerstag im Kongress

          Whistleblower belastet Trump : Die Spur führt nach Kiew

          Ein Mitarbeiter des Geheimdienstes macht Donald Trump schwere Vorwürfe. Dessen Regierung versuchte, die Informationen des Whistleblowers zu unterdrücken.
          Bittet zum Rapport: Gauland bei einem Wahlkampftermin in Thüringen

          Streit in der AfD : Zum Vorsprechen bei Gauland

          Die AfD-Führung zitierte am Freitag einige Unruhestifter zum Rapport – einer kam gar nicht erst, sondern schimpfte auf Facebook. Andere verkündeten den Frieden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.